Studie macht Angst: Neue Coronaviren bei Fledermäusen im Vereinigten Königreich!

Die Überwachung von Viren in Wildtieren ist ein wichtiges Thema für die öffentliche Gesundheit und sollte nach Ansicht von Forschern regelmäßig mit britischen Fledermäusen durchgeführt werden.

Kleine Hufeisennase
Keines der identifizierten Coronaviren war in der Lage, Menschen zu infizieren. Aber sie sollten überwacht werden, sagen die Forscher.
Rory Morrow
Rory Morrow Meteored Vereinigtes Königreich 4 min

Genetische Untersuchungen neuartiger Coronaviren sollten regelmäßig durchgeführt werden, auch wenn sie noch keine Menschen infizieren können. Dies geht aus einer neuen Studie hervor, die bisher unbekannte COVID-Viren identifiziert hat, die in britischen Fledermäusen zirkulieren.

Forscher des Imperial College London und des University College London (UCL) haben in Zusammenarbeit mit Fledermausschützern Kotproben britischer Fledermäuse untersucht und dabei die Verbreitung von vier Coronavirus-Arten festgestellt, von denen zwei neu sind.

Die in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlichten Ergebnisse zeigen, dass einige dieser Coronaviren mit den Erregern von COVID-19 und MERS verwandt sind, obwohl keines von ihnen derzeit in der Lage ist, Menschen zu infizieren. Die Autoren sagen jedoch, dass die Überwachung dieser Viren verstärkt werden sollte, um die Bereitschaft der öffentlichen Gesundheit zu verbessern.

Die Gefahren von Zoonosekrankheiten

Zoonosekrankheiten sind eine der größten Bedrohungen für die öffentliche Gesundheit und für etwa 60 % der menschlichen Krankheitserreger verantwortlich. Und nicht nur das: Mehr als 70 % dieser Erreger stammen aus Wildtierpopulationen, so dass dieser Bereich für die Gesundheitsbehörden von zentralem Interesse ist.

Was ist eine zoonotische Krankheit?
Zoonotische Krankheiten, auch Zoonosen genannt, sind Infektionen oder Krankheiten, die von anderen Tieren auf den Menschen übertragen werden können, oder umgekehrt.

Um Menschen zu infizieren, muss ein Zoonoseerreger in der Lage sein, menschliche Zellen zu infizieren. Dies geschieht häufig in Einzelfällen, in der Regel bei Menschen, die einen direkten Kontakt mit einem Wirtstier haben. In diesem Fall wird der Erreger in den meisten Fällen aufgehalten, da er sich nicht von Mensch zu Mensch ausbreiten kann.

In seltenen Fällen findet der Erreger jedoch einen Weg, diese Barriere zu durchbrechen, wie es bei COVID-19 der Fall war. Den Forschern zufolge sind genetische Untersuchungen von entscheidender Bedeutung, um herauszufinden, welche Viren das Potenzial haben, dies zu tun.

"In vielen Teilen der Welt haben wir eine gute Überwachung der Erreger, die bei Menschen und Haustieren zirkulieren, aber nicht so sehr bei Wildtieren", sagte Professor Francois Balloux, Mitautor der Studie und Direktor des UCL Genetics Institute. "Eine verstärkte Überwachung sollte die Bereitschaft der öffentlichen Gesundheit und die Lebensmittelsicherheit verbessern und auch für die Erhaltung der biologischen Vielfalt von Nutzen sein."

Hilfe für Fledermäuse und öffentliche Gesundheit

Fledermäuse sind eine unglaublich vielfältige Gruppe von Säugetieren, die oft in großen Kolonien leben, was bedeutet, dass sie eine Reihe von potenziell pathogenen Viren beherbergen. Obwohl in Regionen wie Asien und Afrika umfangreiche Fledermausuntersuchungen durchgeführt wurden, wurden die Fledermausviren im Vereinigten Königreich laut den Forschern bisher übersehen.

Fledermäuse
Der Schutz von Fledermäusen und des gesamten Ökosystems könnte das Auftreten von Zoonosekrankheiten verringern.

Eines der Coronaviren, die sie bei den 16 untersuchten britischen Fledermausarten identifizierten, war ein Sarbecovirus, das eng mit dem Virus verwandt ist, das COVID-19 verursacht. Obwohl es nach Angaben der Autoren derzeit nicht in der Lage ist, menschliche Zellen zu infizieren, ergab ihre Analyse, dass es an denselben Rezeptor binden kann, den das COVID-19-Virus nutzt, um in menschliche Zellen einzudringen.

Dies macht deutlich, wie wichtig eine wirksame Krankheitsüberwachung ist, heißt es. Außerdem rückt es den Naturschutz in den Mittelpunkt, da der Verlust von Lebensräumen und die veränderte Landnutzung mit einem erhöhten Risiko der Übertragung von Zoonosen von Wildtieren auf den Menschen verbunden sind.

Die Aufrechterhaltung der Fledermausschutzbemühungen bei gleichzeitiger Minimierung der Lebensraumzerstörung könnte daher in Zukunft das Auftreten neuer zoonotischer Erreger im Vereinigten Königreich und anderswo verhindern.