25 Grad sind nicht gleich 25 Grad? Warum sich Septemberwärme anders anfühlen kann als im Frühling
Auf dem Thermometer sind 25 °C gleich 25 °C – und trotzdem kann sich die Temperatur im September anders anfühlen als im Mai. Dahinter stecken mehrere überraschende Faktoren.

Wer im Mai zum ersten Mal die 20- oder 25-Grad-Marke erlebt, empfindet das Wetter häufig als fast sommerlich. Im September können dieselben Werte dagegen überraschend „kühler“ wirken – obwohl das Thermometer exakt die gleiche Temperatur anzeigt. Der Grund: Für unser Wärmeempfinden zählt nicht allein die Lufttemperatur.
Bei der sogenannten Gefühlten Temperatur wird unter anderem Sonnenstrahlung, Wind und Luftfeuchtigkeit berücksichtigt. Auch Kleidung und körperliche Aktivität spielen eine Rolle. Deshalb können sich zwei Tage mit identischen 25 °C sehr unterschiedlich anfühlen.
Im Mai steht die Sonne deutlich höher
Ein entscheidender Unterschied liegt in der Sonne. Ende Mai erreicht sie in Deutschland mittags eine Höhe von ca. 60 Grad über dem Horizont. Ende September sind es nur noch rund 40 Grad. Gleichzeitig dauert der Tag Ende Mai mehr als 16 Stunden, Ende September dagegen nur noch etwa 12 Stunden.
Das verändert die Strahlungsbedingungen erheblich. Eine niedriger stehende Sonne liefert bei gleichem Wetter weniger direkte Einstrahlung auf eine waagerechte Fläche. Wer bei 25 °C in der Sonne sitzt, erhält deshalb im Mai deutlich andere Strahlungsbedingungen als einige Monate später.
Das bedeutet allerdings nicht, dass 25 °C im September grundsätzlich „kälter“ sind. Im Schatten bleibt die Lufttemperatur identisch. Erst das Zusammenspiel mit der direkten Strahlung, dem Wind und der Umgebung verändert, wie warm wir die Situation tatsächlich wahrnehmen. Dabei kann die Gefühlte Temperatur bei sonnigen und windschwachen Bedingungen deutlich über der gemessenen Lufttemperatur liegen kann.
Auch der Boden hat ein Gedächtnis
Hinzu kommt, dass sich die Erdoberfläche nicht sofort an einen veränderten Sonnenstand anpasst. Boden und andere Oberflächen speichern Wärme und geben sie zeitverzögert wieder ab. Deshalb wirkt sich die stärkste Sonneneinstrahlung nicht unmittelbar in den höchsten Temperaturen aus.

Im Mai nimmt die Sonneneinstrahlung von Woche zu Woche deutlich zu. Im September geht die Entwicklung bereits in die andere Richtung. Trotzdem kann der über den Sommer aufgeheizte Boden noch viel Wärme enthalten. Deshalb sind 25 °C im Frühherbst gar nicht so außergewöhnlich – auch wenn die Sonne längst deutlich niedriger steht.
Unser Körper passt sich ebenfalls an
Und dann gibt es tatsächlich noch einen kleinen physiologischen Effekt, an den viele Menschen bei diesem Thema denken: Der menschliche Körper kann sich teilweise an die thermischen Bedingungen der Jahreszeit anpassen.
Dabei spielt unter anderem braunes Fettgewebe eine Rolle. Es kann bei Kälte Wärme erzeugen und ist Teil der sogenannten Kältethermogenese. Untersuchungen zeigen, dass diese Reaktion saisonal variieren kann und mit der Aktivität des braunen Fettgewebes zusammenhängt.
Das bedeutet aber nicht, dass unser Körper automatisch entscheidet, dass 25 °C im September kalt und im Mai warm sind. Für das Wärmeempfinden an einem konkreten Tag sind die meteorologischen Bedingungen wesentlich wichtiger.
Deshalb fühlen sich 25 Grad manchmal völlig unterschiedlich an
Am Ende gibt es also nicht den einen Grund, warum sich dieselbe Temperatur im Mai und September anders anfühlen kann. Sonnenstand, Strahlung, Wind, Luftfeuchtigkeit, Tageslänge und die thermische Vorgeschichte der Umgebung wirken zusammen.
25 °C bleiben auf dem Thermometer zwar immer 25 °C. Aber ob wir dabei im T-Shirt in der Sonne sitzen, im Schatten einen kühlen Wind spüren oder nach einer kalten Herbstnacht in die Mittagssonne treten, macht für unser tatsächliches Wärmeempfinden einen großen Unterschied.

Tagsüber kann der September deshalb noch sommerlich wirken – während die deutlich längeren Nächte und die tiefere Sonne bereits unübersehbar zeigen, dass der Herbst begonnen hat.