Wintereinbruch im Anmarsch? Kommt jetzt der erste Schnee, droht auf vollen Bäumen eine gefährliche Kettenreaktion

Die Bäume tragen noch ihr volles Laub. Kommt jetzt der erste Schnee, kann es richtig gefährlich werden. Warum ausgerechnet ein früher Wintereinbruch so oft unterschätzt wird.

Fällt im Oktober schon viel Schnee, kann das schlimme Auswirkungen haben.
Fällt im Oktober schon viel Schnee, kann das schlimme Auswirkungen haben.


Noch leuchten die Wälder in Gelb, Orange und Rot, viele Menschen genießen die letzten Tage des goldenen Herbstes. Doch mit jeder Woche steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die ersten Vorstöße kalter Polarluft Deutschland erreichen.

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Und genau dann kann es heikel werden. Denn ein früher Wintereinbruch im Herbst ist in vielen Fällen deutlich gefährlicher als Schnee mitten im Januar. Schuld daran ist etwas, woran kaum jemand denkt: das Laub an den Bäumen.

Das unterschätzte Problem mit dem Laub

Im Hochwinter stehen Eichen, Buchen und Ahornbäume kahl da. Fällt dann Schnee, rieselt er größtenteils durch die Äste hindurch und landet am Boden. Ganz anders sieht es im Oktober aus, wenn an jedem Baum noch Tausende Blätter hängen.

Auch im Oktober ist schon das erste Schneetreiben möglich.
Auch im Oktober ist schon das erste Schneetreiben möglich.

Diese Blätter wirken wie eine riesige Auffangfläche. Der Schnee bleibt in der Krone liegen, statt durchzufallen, und die Last auf Ästen und Stamm steigt mit jedem Zentimeter. Bäume, die einen kräftigen Herbststurm locker wegstecken, können unter dieser Last plötzlich nachgeben.

Nasser Schnee wird zur schweren Last

Dazu kommt ein zweites Problem. Der erste Schnee der Saison fällt meist bei Temperaturen um null Grad. Er ist dann nicht locker und pulvrig, sondern nass, schwer und klebrig. Ein Kubikmeter davon wiegt ein Vielfaches von frischem Pulverschnee.

Schon 10 bis 20 Zentimeter Nassschnee können deshalb ausreichen, um eine regelrechte Kettenreaktion auszulösen. Äste brechen ab, ganze Bäume kippen um und reißen dabei weitere mit. Landen sie auf Straßen, Bahngleisen oder Stromleitungen, sind Sperrungen und Ausfälle die Folge.

Oktober 2015: Als plötzlich nichts mehr ging

Dass dieses Szenario keine graue Theorie ist, zeigte der Oktober 2015. Damals fiel Mitte des Monats in manchen Regionen so viel Schnee, dass der Bahnverkehr vereinzelt eingestellt werden musste. Die noch belaubten Bäume hielten den Schneemassen einfach nicht stand.

Gerade die Bahn ist bei solchen Lagen besonders verwundbar. Ein einziger umgestürzter Baum kann eine Oberleitung herunterreißen und eine Strecke für Stunden lahmlegen. Bis Räumtrupps die Gleise freigeschnitten haben, stehen Züge still und Pendler warten.

Sommerreifen und Glätte: Gefahr auf den Straßen

Auch auf den Straßen wird ein früher Wintereinbruch schnell zum Problem. Viele Autofahrer sind im Oktober noch mit Sommerreifen unterwegs, weil sie den Wechsel erst für November geplant haben. Wird es dann plötzlich glatt, haben diese Reifen kaum noch Grip.

Besonders kritisch sind Strecken durch die Mittelgebirge und höher gelegene Pässe. Dort kann es schon schneien, während es im Tal noch regnet. Wer dann ohne passende Bereifung unterwegs ist, riskiert Unfälle und steckt schnell im Stau fest.

Wann kommt der erste Schnee?

Wann genau es so weit ist, lässt sich derzeit noch nicht seriös sagen. Ein flächendeckender Wintereinbruch bis ins Flachland ist im Oktober eher selten. In den Hochlagen der Mittelgebirge und an den Alpen können die ersten Flocken dagegen jederzeit fallen.

Erfahrungsgemäß kommt der erste Schnee im Herbst oft schneller als gedacht, und dann meist, wenn kaum jemand damit rechnet. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte deshalb schon jetzt einen Termin für die Winterreifen machen und vor Fahrten in höhere Lagen einen Blick auf die Wettervorhersage werfen.