Wettermodell zeigt plötzlich 100 Liter Regen für Deutschland – und ist kurz darauf wieder weg! Was jetzt wirklich droht

Sturmtiefs nehmen Kurs auf Deutschland, ein Wettermodell rechnete sogar 100 Liter Regen. Manche sehen schon das Ende der Rhein-Krise. Ein Blick auf die neuesten Karten zeigt etwas ganz anderes.
Der goldene Oktober ist bald vorbei. In den kommenden Tagen stellt sich die Großwetterlage über Deutschland komplett um: Statt eines stabilen Hochs über Skandinavien übernehmen Tiefdruckgebiete vom Atlantik das Kommando.
Für Aufsehen sorgte am Wochenende ein Wettermodell, das für Teile des Südwestens zeitweise bis zu 100 Liter Regen pro Quadratmeter berechnete. Prompt meldeten sich die ersten Stimmen, die schon das Ende der dramatischen Niedrigwasserlage am Rhein ausriefen.
Doch die Euphorie hielt nicht lange. In den neuesten Modellläufen ist die 100-Liter-Rechnung wieder komplett verschwunden. Was tatsächlich an Regen kommt, reicht bei Weitem nicht, um den Fluss aufzufüllen. Wer jetzt Entwarnung gibt, rechnet sich die Lage schön.
Ab Mittwoch kippt das Wetter in ganz Deutschland
Montag und Dienstag verlaufen noch ruhig. Nach zähem Nebel und Hochnebel zeigt sich vor allem im Westen die Sonne, die Temperaturen liegen bei 10 bis 15 Grad. Zur Wochenmitte dreht die Strömung dann von Ost auf Südwest bis West. Mit ihr kommt etwas mildere Luft, vor allem aber ziehen dichte Wolken auf.

Am Mittwoch erreicht der erste Regen den Westen und Südwesten und breitet sich später nach Osten aus. Am Donnerstag folgt Schauerwetter, besonders an der Nordsee. Die Höchstwerte liegen meist zwischen 9 und 15 Grad, am Alpenrand kann es bei Föhn noch etwas milder werden.
Sturmtief streift zum Wochenende den Nordwesten
Am Freitag beginnt der Tag vielerorts noch freundlich, doch von Südwesten her ziehen schon die nächsten Wolken auf. Ein Sturmtief streift den Nordwesten Deutschlands. An der Küste und auf den Bergen sind Sturmböen möglich, im Binnenland wird es ruppig und windig.
Bis etwa zum 28. Oktober bleibt das Wetter unbeständig, windig und wechselhaft. Tagsüber pendeln sich die Werte bei 8 bis 13 Grad ein. Das ist klassisches Vollherbstwetter: ungemütlich draußen, für die Flüsse aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein.
Pegel Kaub: Der Rhein bleibt am historischen Tiefpunkt
Am Rhein ist die Lage weiter dramatisch. Der Pegel Kaub, das entscheidende Nadelöhr für die Schifffahrt, ist Anfang Oktober auf minus 6 Zentimeter gefallen. Das ist der niedrigste Wert seit Beginn der Messungen. Aktuell liegt er nur bei rund 10 Zentimetern. Normal wären im Oktober gut 1,60 Meter.
Frachtschiffe fahren seit Wochen nur noch mit einem Bruchteil ihrer Ladung, viele bleiben ganz liegen. Die Frachtpreise sind kräftig gestiegen. Für Industrie, Heizölhandel und Chemiestandorte entlang des Rheins ist das ein ernstes Problem, das sich nicht mit ein paar Schauern lösen lässt.
Statt 100 Litern nur normaler Herbstregen
Realistisch sind in den nächsten zehn Tagen im Westen grob 10 bis 30 Liter pro Quadratmeter, im Schwarzwald und in den Vogesen etwas mehr, im Osten oft deutlich weniger. Von den spektakulären 100 Litern ist nichts mehr übrig. Hinzu kommt, dass die Böden nach Monaten der Trockenheit extrem ausgedörrt sind. Der erste Regen versickert fast vollständig, bevor er einen Bach oder Fluss erreicht.

Um den Rhein nachhaltig zu füllen, bräuchte es mehrere Wochen ergiebigen Landregen im gesamten Einzugsgebiet, dazu Nachschub aus den Alpen. Ein kurzer Anstieg am Pegel um einige Dutzend Zentimeter ist möglich. Danach fällt der Wasserstand aber schnell wieder, und zwar nach demselben Muster wie bereits mehrfach in diesem Jahr.
Wettertrend bis November: Kommt das Hoch zurück?
Besonders heikel ist der weitere Trend. Mehrere Wettermodelle zeigen, dass sich die unbeständige Westlage nur vorübergehend durchsetzt. Ende Oktober und Anfang November könnte sich erneut ein Hochdruckgebiet über Mitteleuropa breitmachen, mit Nebel, Trockenheit und kaum Niederschlag.
Setzt sich diese Variante durch, bleibt das Niedrigwasser am Rhein bis weit in den November bestehen. Die nächsten Tage bringen also Sturm, Regen und echtes Herbstfeeling, eine Entspannung am Fluss ist aber nicht in Sicht. Auf schnelle Rettung von oben sollte sich vorerst niemand verlassen.