Wetterexperte warnt: "Das war's noch lange nicht!" – Rhein-Niedrigwasser geht nach dem Regen in die nächste Runde

Regen, Gewitter, endlich Abkühlung. Viele glauben jetzt, das Rekord-Niedrigwasser am Rhein ist überstanden. Ein Blick auf die Wettermodelle zeigt aber: Die eigentliche Geduldsprobe beginnt erst.

Nach Wochen mit Sonne satt und spätsommerlicher Hitze kommt ab der Nacht zum Donnerstag endlich Bewegung in die Wetterlage. Von Westen zieht eine Regenfront mit Schauern und Gewittern über Deutschland, örtlich kann es sogar über mehrere Stunden kräftig schütten. Für viele klingt das nach der lang ersehnten Rettung für den ausgetrockneten Rhein.

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Doch wer jetzt glaubt, das Niedrigwasser sei damit Geschichte, liegt leider daneben. Der Regen kommt zu spät, er fällt zu kurz und er trifft auf Böden, die über Monate regelrecht ausgedörrt sind. Die Probleme am Rhein werden uns noch eine ganze Weile begleiten.

Rhein auf historischem Tiefstand

Wie ernst die Lage ist, zeigt ein Blick nach Kaub. Am wichtigsten Pegel für die Rheinschifffahrt ist der Wasserstand zuletzt auf nur noch null Zentimeter abgerutscht. Einen so niedrigen Wert hat es dort seit Beginn der Messungen noch nie gegeben, der bisherige Rekord aus dem August wurde noch einmal unterboten.

Laut dem europäischen Wettermodell sollen bis Freitagmorgen um die 50 Liter Regen im Westen vom Himmel kommen.
Laut dem europäischen Wettermodell sollen bis Freitagmorgen um die 50 Liter Regen im Westen vom Himmel kommen.

Für die Binnenschiffer ist das ein Albtraum. Frachter fahren nur noch mit einem Bruchteil ihrer Ladung, größere Schiffe kommen durch die Engstelle am Mittelrhein praktisch nicht mehr durch. Im Grunde ist der Rhein für viele Transporte zweigeteilt, mit spürbaren Folgen für Industrie und Lieferketten.

Warum der Regen kaum ankommt

Das Problem liegt im Boden. Nach einem der heißesten Sommer überhaupt und einem September, der sich bis zum Schluss eher nach Hochsommer angefühlt hat, sind die Böden bis in tiefere Schichten ausgetrocknet. Fällt jetzt Regen, saugen sie das Wasser auf wie ein trockener Schwamm.

Bis davon überhaupt etwas in Bächen, Nebenflüssen und schließlich im Rhein landet, vergeht viel Zeit. Verbreitet sind mit der Front nur 5 bis 15 Liter pro Quadratmeter drin, nur unter Gewittern lokal mehr. Das reicht, um die Blumen im Garten zu freuen, aber nicht, um einen Strom wie den Rhein wieder aufzufüllen.

Pegel zuckt kurz, dann geht es wieder runter

Am Pegel Kaub ist nach dem Regen bestenfalls ein kurzer Anstieg um ein paar Zentimeter möglich. Von einer echten Trendwende kann aber keine Rede sein. Dafür fehlt der Nachschub aus den Alpen, wo nach dem extremen Sommer kaum noch Schmelzwasser nachkommt.

Dazu kommt: Der Rhein hängt an einem riesigen Einzugsgebiet von der Schweiz bis nach Nordrhein-Westfalen. Damit sich dort etwas grundlegend ändert, bräuchte es tagelangen, flächendeckenden Landregen, und zwar nicht nur einmal, sondern immer wieder über mehrere Wochen.

Goldener Oktober als Gefahr für den Rhein

Genau danach sieht es aber nicht aus. Schon Richtung Wochenende baut sich nach aktuellem Stand wieder Hochdruck auf. Die Wettermodelle rechnen für die erste Oktoberhälfte überwiegend mit trockenem, teils sonnigem Herbstwetter, tagsüber noch erstaunlich mild.

Für Spaziergänger und Ausflügler ist das ein Traum, für den Rhein dagegen ein echtes Problem. Der kurze Regenguss vom Donnerstag dürfte schnell verpufft sein, danach geht es mit den Wasserständen wieder bergab. Die Schifffahrt muss sich auf weitere Wochen mit halb leeren Frachtern einstellen.

Wann die echte Entspannung kommen kann

Eine spürbare Besserung ist erst in Sicht, wenn im späteren Herbst die großen Tiefdruckgebiete vom Atlantik Kurs auf Mitteleuropa nehmen. Erst dann gibt es die Art von Dauerregen, die Böden, Grundwasser und Flüsse nach und nach wieder auffüllt. Das kann sich allerdings bis in den November ziehen.

Der Rhein ist weitgehend leer - es ist kaum noch Wasser im Fluss.
Der Rhein ist weitgehend leer - es ist kaum noch Wasser im Fluss.

Bis dahin bleiben höhere Transportkosten und mögliche Engpässe bei Heizöl, Sprit oder Baustoffen ein Thema. Wer also denkt, mit dem Wetterumschwung sei alles vorbei, wird wohl enttäuscht. Das Niedrigwasser am Rhein ist noch lange nicht ausgestanden.