Der Ansturm auf "grünen" Wasserstoff könnte für Afrika gefährlich werden!

Die EU hat mit Ägypten, Kasachstan, Marokko und Namibia Abkommen über grünen Wasserstoff unterzeichnet, um die EU im Hinblick auf ihre Ziele für 2030 mit diesem Gas zu versorgen.

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Das schnelle Geschäft mit dem grünen Wasserstoff könnte auf Kosten der afrikanischen Bevölkerung gehen.

Woher soll der grüne Wasserstoff kommen? Aus Afrika hat die EU beschlossen und deswegen Verträge mit zahlreichen Ländern auf diesem Kontinent geschlossen. Das hat dort wiederum einen Wettlauf ausgelöst und der geht auf Kosten der eigenen Bevölkerung. Um die Verträge der EU zu erfüllen, muss die eigene Bevölkerung zurückstecken.

Die EU sieht in Wasserstoff, der mit erneuerbaren Energien hergestellt wird - bekannt als "grüner Wasserstoff" -, eine kosteneffiziente Möglichkeit zur Emissionsreduzierung, insbesondere in Branchen, die sich nur schwer dekarbonisieren lassen, wie die Luftfahrt und der schwere Landverkehr.

Die europäische Industrie steckt noch in den Kinderschuhen, und die Hoffnungen auf das Erreichen kurzfristiger Ziele beruhen weitgehend auf der Produktion in Übersee. Länder, vor allem in Nord- und Subsahara-Afrika, wurden von den Investitionsmöglichkeiten und neuen Arbeitsplätzen in diesem Sektor angezogen, so Analysten gegenüber Climate Home News.

Afrikas Bevölkerung muss wegen der EU zurückstecken

Experten warnten jedoch, dass der Enthusiasmus erhebliche Risiken birgt. Die in die EU-Verordnungen eingebauten Anreize bedeuten, dass die massive Ausweitung der Exporte von grünem Wasserstoff den Großteil der erneuerbaren Elektrizität in den Entwicklungsländern auf Kosten der lokalen Bevölkerung in Anspruch nehmen könnte.

Dies wäre ein Problem für Länder wie Namibia - einer der wichtigsten Wasserstoffpartner der EU - wo nur etwas mehr als die Hälfte der Bevölkerung Zugang zu Elektrizität hat. Für Godrje Rustomjee, Analyst bei der African Climate Foundation, müssen die Länder den richtigen Kompromiss zwischen dem heimischen Bedarf und dem Exportpotenzial finden. Andernfalls, so Rustomjee, bestehe die Gefahr, dass grüner Wasserstoff zu einem weiteren neokolonialen Projekt werde.

"Es besteht die reale Möglichkeit, dass das Ausland mit Direktinvestitionen einsteigt, aber alle Vorteile und der Mehrwert am Ende extrahiert und nach Europa geschickt werden". Grüner Wasserstoff ist etwas, das Europa dringend braucht und das die Entwicklungsländer potenziell in Massenproduktion für einen lukrativen Markt herstellen könnten. Wie bei den fossilen Brennstoffen scheinen die Länder bereit zu sein, alles daraufzusetzen, Exporteure zu werden, ohne die notwendigen Garantien zu erhalten.

Eine Kannibalisierung droht

Maria Pastukhova, leitende politische Beraterin bei E3G, sagt, dass die Vorschriften es ermöglichen, dass Wasserstoffprojekte die bestehende lokale Infrastruktur zum Zweck der Exportproduktion "ausschlachten". "In vielen Ländern, insbesondere in Afrika, wird diese Energie zu Hause benötigt, wo die Netze dekarbonisiert werden müssen oder die Bürger keinen Zugang zu Elektrizität haben", fügte sie hinzu.

Im Jahr 2022 hatten nur 56 % der Namibier Zugang zu Strom. Das Land importiert 60-70 % seines Strombedarfs, der größtenteils aus fossilen Brennstoffen stammt. Das Land im südlichen Afrika ist auf dem besten Weg, Afrikas erstes Zentrum für den Export von grünem Wasserstoff zu werden, sieht sich aber mit hoher Arbeitslosigkeit und einer der ungleichsten Volkswirtschaften der Welt konfrontiert, so die Weltbank.

Es stellt sich somit die Frage nach der Sinnhaftigkeit, Afrika wichtige Ressourcen buchstäblich abzugraben, um sie den eigenen Ländern in der EU zugute lassen zu kommen.

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