True-Drama-Potential: Rhein vor historischem Niedrigwasser: Warum der erlösende Dauerregen trotz Atlantiktief ausbleibt

Der Kölner Rheinpegel ist auf 40 Zentimeter gefallen. Gleichzeitig hält ein Höhenrücken die entscheidenden Regengebiete fern. Einzelne Schauer können das extreme Wasserdefizit der deutschen Flüsse im Herbst nicht nachhaltig ausgleichen. Kommt die Woche vielleicht doch noch eine erlösende Regenfront?

Die ECMWF-Prognose zeigt die Regenfront einschließlich Mittwoch noch überwiegend westlich von Deutschland: Während Frankreich und die Beneluxstaaten kräftige Niederschläge erhalten, bleibt der größte Teil Deutschlands weiterhin trocken.
Die ECMWF-Prognose zeigt die Regenfront einschließlich Mittwoch noch überwiegend westlich von Deutschland: Während Frankreich und die Beneluxstaaten kräftige Niederschläge erhalten, bleibt der größte Teil Deutschlands weiterhin trocken.

40 Zentimeter. Diese Zahl zeigt, wie dramatisch der Rhein zum Herbstbeginn geschrumpft ist. Diesen Wert wird von der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes am 28. September um 11:30 Uhr für den Pegel Köln gemeldet.

Normal ist das nicht: Der mittlere Niedrigwasserstand liegt dort bei 114 Zentimetern.

Die Zahl bedeutet zwar nicht, dass der Rhein nur noch 40 Zentimeter tief ist. Gemessen wird die Wasserhöhe über einem festgelegten Pegelnullpunkt. Für die Schifffahrt ist dieser Wert trotzdem entscheidend. Unterhalb von 50 Zentimetern lässt sich an der Messstelle aktuell nicht einmal mehr zuverlässig ermitteln, wie viele Kubikmeter Wasser pro Sekunde vorbeifließen.

Auch flussaufwärts sieht es düster aus. Die Bundesanstalt für Gewässerkunde meldete für Kaub bereits am 24. September sieben Zentimeter. Damit war der Tiefstand vom 17. August wieder erreicht. Weser, Elbe und Oder führen ebenfalls außergewöhnlich wenig Wasser. Nur die Donau zehrt noch von kräftigeren Niederschlägen aus der Vorwoche.

Ein mächtiges Tief – und trotzdem kein Dauerregen

Eigentlich sollte nun ein mächtiges Atlantiktief Hoffnung machen. Tief Eva vertieft sich westlich von Irland erheblich und könnte im Zentrum weniger als 960 hPa erreichen. Ein solches Tief besitzt normalerweise das Potenzial, Fronten mit Regen weit nach Europa hineinzuschieben. Doch ausgerechnet diesmal bleibt der große Regen für Deutschland aus.

Der Grund liegt hoch über unseren Köpfen. Ein kräftiger Höhenrücken spannt sich vom westlichen Mittelmeer über Mitteleuropa bis in den Nordosten. Dort sinkt Luft ab, erwärmt sich und trocknet aus. Gleichzeitig wird der Jetstream in neun bis zehn Kilometern Höhe weit nach Norden gedrückt. Das Starkwindband schlägt einen großen Bogen um Mitteleuropa.

Eva schickt Wärme statt Regen

Tiefs und ihre Regenfronten orientieren sich an dieser Höhenströmung. Eva zieht deshalb mit ihrem Schwerpunkt westlich und nordwestlich an Deutschland vorbei. Statt Regen schickt das Tief auf seiner Vorderseite vor allem sehr warme Luft zu uns. In rund 1500 Metern Höhe reicht die 15-Grad-Isotherme bis nach Norddeutschland. Am Boden werden verbreitet 23 bis 29 Grad, im Südwesten örtlich sogar 30 bis 31 Grad erreicht.

Am Montag und Dienstag bleibt Deutschland größtenteils trocken. Lediglich im Nordwesten sind schwache Schauer möglich. Ab Mittwochabend kann eine Kaltfront den Westen erreichen. Dort sind schauerartiger Regen und einzelne Gewitter möglich, während viele östliche Regionen weiterhin trocken bleiben.

Der Jetstream schlägt einen weiten Bogen um Mitteleuropa und führt das mächtige Atlantiktief westlich an Deutschland vorbei – der großflächige Dauerregen erreicht die ausgetrockneten Flussgebiete deshalb vorerst nicht.
Der Jetstream schlägt einen weiten Bogen um Mitteleuropa und führt das mächtige Atlantiktief westlich an Deutschland vorbei – der großflächige Dauerregen erreicht die ausgetrockneten Flussgebiete deshalb vorerst nicht.

Ein paar Schauer lösen die Wasserkrise nicht

Ein paar kräftige Regengüsse ersetzen keinen mehrtägigen Landregen. Auf ausgetrockneten Böden kann Wasser oberflächlich ablaufen, bevor es tiefere Schichten oder Zuflüsse erreicht. Gleichzeitig erhöht die ungewöhnliche Wärme die Verdunstung.

Die warmen Tage sehen freundlich aus, verschärfen hydrologisch aber die Krise. Jeder weitere trockene Tag entzieht Böden und Flüssen zusätzliches Wasser durch anhaltend hohe Verdunstung.

Damit bleibt die von der BfG für Anfang Oktober angedeutete Entlastung unsicher. Erst großflächiger Regen über mehrere Tage könnte Böden auffüllen und die Pegel spürbar anheben. Eine solche Wetterlage ist derzeit nicht in Sicht. Für den Rhein bedeutet das: Das extreme Niedrigwasser dürfte vorerst bleiben.

Artikelreferenz

BfG. (24.09.2026). Extremes Niedrigwasser zum Herbstauftakt: Rhein besonders betroffen.
PEGELONLINE/WSV. (28. September 2026, 11:30 Uhr). Pegel Köln.