Null Sicht, meterhohe Schneewehen: Wenn diese Wetterbombe kommt, erlebt Deutschland den ersten echten Blizzard

Orkanböen, waagerecht fliegender Schnee, Autobahnen dicht: Ein einziges Monster-Tief würde reichen, um Deutschland in den Ausnahmezustand zu stürzen. Eine bestimmte Wetterlage macht Experten besonders nervös.

Droht Deutschland in diesem Winter der erste echt heftige Blizzard?
Droht Deutschland in diesem Winter der erste echt heftige Blizzard?


Es fängt harmlos an, mit ein paar Flocken am Abend. Doch über Nacht dreht der Wind auf, die Fenster klirren, und am Morgen ist vor dem Haus nur noch eine weiße Wand zu sehen. Kein Nachbarhaus, keine Straße, kein Auto. Was nach Kanada oder dem Mittleren Westen der USA klingt, wäre dann plötzlich Realität mitten in Deutschland.

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Auslöser wäre ein Wetterphänomen mit einem Namen, der schon nach Ärger klingt: die Wetterbombe. Trifft so ein Monster-Tief im Winter auf richtig kalte Luft, wird aus einem normalen Sturm ein ausgewachsener Blizzard. Für viele Menschen hierzulande wäre es der erste ihres Lebens.

Die Wetterbombe: Ein Tief explodiert

Meteorologen sprechen von einer Bombogenese, wenn der Luftdruck in einem Tief innerhalb von 24 Stunden um rund 20 bis 24 Hektopascal oder mehr absackt. Das Tief vertieft sich also regelrecht explosionsartig. Angetrieben wird es von einem extremen Gegensatz zwischen eisiger Polarluft und milder, feuchter Atlantikluft, dazu kommt ein kräftiger Jetstream in der Höhe, der die Luft nach oben saugt wie ein riesiger Staubsauger.

Über dem Atlantik passiert das jeden Winter mehrfach. Meist bekommen wir in Deutschland davon vor allem Sturm und Regen ab, weil die Tiefs ihre milde Luft gleich mitbringen. Brandgefährlich wird es erst, wenn die Kälte schon vorher bei uns liegt.

Diese Zugbahn wäre der Albtraum

Das Horror-Drehbuch sähe so aus: Über Skandinavien setzt sich ein kräftiges Hoch fest, seit Tagen strömt Frostluft nach Norddeutschland, die Böden sind steinhart gefroren. Dann rast von Westen das Bomben-Tief heran und zieht knapp südlich über Deutschland hinweg. Genau diese Zugbahn ist der Knackpunkt.

Auf der Nordseite des Tiefs prallen feuchte Luft und Kälte frontal aufeinander. Es beginnt zu schneien, erst leicht, dann immer heftiger. Gleichzeitig frischt der Ostwind auf, Böen mit 80, 90, teils über 100 km/h jagen den Schnee waagerecht über das flache Land.

Null Sicht: Die Welt verschwindet im Weiß

Jetzt kommt der gefürchtete Whiteout. Die Sichtweite fällt auf wenige Meter, Himmel und Boden verschwimmen zu einer einzigen Fläche. Autofahrer verlieren völlig die Orientierung, Räumfahrzeuge kommen gegen die Verwehungen nicht mehr an. Hinter jeder Hecke und jedem Wall türmt der Wind den Schnee meterhoch auf.

Autobahnen müssen gesperrt werden, Lkw bleiben reihenweise liegen. Unter Schnee und Sturm brechen Äste und ganze Bäume auf Oberleitungen, der Bahnverkehr bricht zusammen. Auf dem Land fällt vielerorts der Strom aus, und das bei klirrender Kälte.

Deutschland hat das schon einmal erlebt

Ganz aus der Luft gegriffen ist dieses Szenario nicht. Im Katastrophenwinter 1978/79 sorgte eine ähnliche Mischung aus Kaltluft, Tief und Sturm im Norden für Schneewehen von mehreren Metern, ganze Dörfer waren tagelang von der Außenwelt abgeschnitten. Und im Februar 2021 legte ein heftiger Schneesturm weite Teile der Mitte und des Nordens lahm.

Wie brutal rasant vertiefte Tiefs bei uns zuschlagen können, zeigte auch Orkan Lothar an Weihnachten 1999. Er richtete vor allem im Südwesten verheerende Schäden an. Damals kam er allerdings mit milder Luft und ganz ohne Schnee. Mit Frost im Gepäck wäre die Bilanz eine ganz andere gewesen.

Kommt der Blizzard schon diesen Winter?

Jetzt die Auflösung: Ob es in diesem Winter so weit kommt, kann heute niemand seriös vorhersagen. Wetterbomben selbst sind keine Seltenheit, sie entstehen jeden Winter über dem Atlantik. Dass eine davon aber exakt auf der richtigen Bahn zieht und dabei auf echte Kaltluft trifft, ist ein ziemlich seltener Zufall.

Für einen echten Blizzard in Deutschland muss also alles zusammenpassen: Frost, Feuchtigkeit, Sturm und die perfekte Zugbahn. Unmöglich ist das nicht, nur extrem selten. Wer das Auto rechtzeitig winterfest macht und ein paar Vorräte im Haus hat, ist aber für jeden Fall gewappnet.