Mittelmeer kocht mit 33 Grad! Habermehl warnt: „Das habe ich noch nie erlebt" – Urlauber aufgepasst

Vor Mallorca klettert das Wasser auf sagenhafte 33 Grad – absoluter Rekord! Was nach Badespaß klingt, könnte im Herbst zur Sturm-Falle werden. Ist Mittelmeer-Urlaub jetzt riskant?

Es ist ein Wert, der selbst hartgesottenen Wetterexperten den Atem stocken lässt: 33,02 Grad. So warm war das Mittelmeer noch nie, seit dort überhaupt gemessen wird. Registriert wurde der Hammer-Wert an einer Boje vor Mallorca – und damit liegt das westliche Mittelmeer sagenhafte vier bis sechs Grad über dem, was zu dieser Jahreszeit normal wäre.

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Die alte Bestmarke stammte aus dem Sommer 2014 und lag bei 31,87 Grad. Jetzt wurde sie gleich um mehr als ein volles Grad pulverisiert – in der Welt der Meeresmessungen ist das kein Klacks, sondern ein gewaltiger Sprung. Das Meer ist zur Badewanne geworden, in der man sich nicht mehr abkühlt, sondern ins Schwitzen gerät.

Ein randvoller Energiespeicher – und er wartet nur

Was für Badegäste nach purem Wohlfühl-Wasser klingt, ist in Wahrheit eine tickende Zeitbombe. Denn jedes zusätzliche Grad im Meer bedeutet mehr Verdunstung, mehr Feuchtigkeit in der Luft – und damit jede Menge Treibstoff für heftige Wetterlagen. Diese Wärme verschwindet nicht einfach so, sie lädt sich auf.

„So heiß und so früh – das habe ich noch nie erlebt. Das Meer ist im Moment eine randvoll geladene Batterie, die sich im Herbst schlagartig entladen kann", warnt Meteorologe Habermehl. Und genau dieser Umstand bereitet den Fachleuten zunehmend Kopfzerbrechen. Was heute harmlos als warmes Badewasser daherplätschert, kann sich in wenigen Stunden in rohe Naturgewalt verwandeln.

Das gefürchtete Zauberwort heißt Medicane

In der Wetterküche geistert dabei ein Begriff herum, der Urlaubern den Schweiß auf die Stirn treibt: der Medicane. Das Kunstwort aus „mediterranean" und „hurricane" beschreibt ein wirbelsturmartiges Tief, das einem echten Hurrikan verblüffend ähnelt – mit rotierendem Auge, Orkanböen und sintflutartigem Regen.

Das Wasser im Mittelmeerraum ist derzeit deutlich wärmer als normal.
Das Wasser im Mittelmeerraum ist derzeit deutlich wärmer als normal.

Kleiner als seine großen Brüder über dem Atlantik ist so ein Sturm zwar. Doch was er an Größe verliert, macht er an Bosheit wett. Der Motor dahinter ist das glühend heiße Wasser: Je größer der Gegensatz zwischen brütender Meeresoberfläche und kalter Höhenluft, desto explosiver die Lage. Wie zerstörerisch das enden kann, zeigte 2023 der Medicane „Daniel", der in Libyen ganze Staudämme bersten ließ.

Wird der Herbst zum Horror – oder doch nicht?

Jetzt die gute Nachricht für alle, die schon sorgenvoll die Koffer packen: Warmwasser allein macht noch keinen Sturm. Es braucht zusätzlich die passende Höhenwetterlage, kalte Luft in großen Höhen und wenig Windscherung. Erst wenn all das zusammenfällt, dreht ein Medicane richtig auf.

Häufiger werden diese Stürme durch das Rekord-Meer nicht zwangsläufig – aber gefährlicher. Fällt in diesem Herbst alles zusammen, kann der nächste Wirbel deutlich heftiger ausfallen als in einem normalen Jahr. Sturzfluten an den Küsten Spaniens, Italiens und Kroatiens, dazu Regenmengen, die in Stunden fallen, was sonst in Monaten zusammenkommt – dieses Szenario ist realistischer als sonst.

Fliegt uns das Mittelmeer bis nach Deutschland um die Ohren?

Und jetzt der Teil, der auch uns in Deutschland direkt angeht. Denn die aufgeladene, feuchtwarme Mittelmeerluft bleibt nicht immer brav im Süden. Zieht ein Tief die richtige Bahn, schaufelt es diese explosive Luftmasse quer über die Alpen bis zu uns herauf.

Die aktuellen Wassertemperaturen liegen im Mittelmeerraum aktuell oft bei 30 Grad und mehr.
Die aktuellen Wassertemperaturen liegen im Mittelmeerraum aktuell oft bei 30 Grad und mehr.

Meteorologen nennen diese Zugbahn Vb – gesprochen „fünf b". Ausgerechnet diese Wetterlage hat Deutschland in der Vergangenheit die schlimmsten Hochwasser beschert. Das warme Meer löst solche Ereignisse nicht allein aus, aber es kann sie verschärfen und zusätzlich mit Feuchtigkeit volltanken. Der Rekord vor Mallorca ist also womöglich kein reines Südeuropa-Problem.

Urlauber aufgepasst – jetzt umbuchen oder ganz entspannt bleiben?

Also die alles entscheidende Frage: Ist ein Herbst-Urlaub am Mittelmeer jetzt eine schlechte Idee? Die ehrliche Antwort lautet: Nein, Panik ist der falsche Ratgeber. Millionen Menschen werden ihre Reise völlig unbeschwert genießen, ein Medicane ist auch in diesem Jahr kein tägliches Ereignis, sondern die extreme Spitze des Möglichen.

Aber: Das brandheiße Meer hat die Munition für schwere Unwetter deutlich erhöht – und das sollte man ernst nehmen. Der beste Rat: Behalten Sie die Wetterwarnungen im Blick, schließen Sie eine flexible Reiserücktrittsversicherung ab und meiden Sie im Zweifel die Küste, wenn ein Unwetter angekündigt ist. Wer wachsam bleibt, muss auf nichts verzichten – er sollte den Herbst am Meer nur mit offenen Augen antreten.