Unwetter-Alarm am Freitag: Atmosphärischer Fluss bringt schwere Gewitter und Orkanböen nach Deutschland
Superzellen mit großem Hagel und Orkanböen bedrohen am Freitag viele Regionen Deutschlands! Ein atmosphärischer Fluss pumpt gewaltige Feuchtigkeit ins Land – die Wetterlage kann mit extremem Starkregen sehr schnell dramatisch eskalieren.

Ein gigantisches Wasserdampfförderband nimmt Kurs auf Deutschland: Ein atmosphärischer Fluss wird Deutschland überqueren. Dabei handelt es sich nicht um flüssiges Wasser, sondern um ein schmales, lang gestrecktes Band nahezu feuchtegesättigter Luft.
Solche Ströme verlaufen meist in etwa ein bis zweieinhalb Kilometern Höhe, können rund 500 Kilometer breit und mehr als 2000 Kilometer lang sein. Kräftige Winde treiben dieses gewaltige Wasserdampfförderband aus den Subtropen bis in die mittleren Breiten.
Am Donnerstag steigt das niederschlagbare Wasser über Deutschland auf Werte bis etwa 40 Millimeter. Würde der gesamte Wasserdampf in einer Luftsäule ausregnen, entspräche dies 40 Litern pro Quadratmeter. Diese Menge fällt nicht automatisch überall. Sie macht jedoch sichtbar, wie viel Wasser für heftige Niederschläge zur Verfügung steht.
Hitze lädt die Wetterküche gefährlich auf
Zunächst wirkt der Donnerstag in vielen Regionen noch harmlos. Subtropische Luft lässt die Temperaturen auf 27 bis örtlich 35 Grad steigen. Gleichzeitig baut sich enorme Gewitterenergie auf: Die CAPE-Werte können gebietsweise mehr als 1500 J/kg erreichen.
Der Donnerstag beginnt in vielen Regionen noch sonnig und ruhig – doch dieser friedliche Eindruck täuscht. Am späten Nachmittag gerät die Atmosphäre von Westen her in Bewegung: Die heiße und mit Wasserdampf angereicherte Luft schießt zunehmend nach oben, während sich die höheren Luftschichten gleichzeitig deutlich abkühlen.
Superzellen und Orkanböen werden möglich
Nun treffen vier gefährliche Zutaten zusammen:
- extreme Feuchtigkeit, starke Erwärmung, dynamische Hebung und ausgeprägte Windscherung.
- Windrichtung und Geschwindigkeit verändern sich mit der Höhe erheblich. Dadurch können Gewitter rotieren, sich organisieren und lange überleben.
Im Westen und Nordwesten entstehen voraussichtlich erste schwere Gewitter. Möglich sind Superzellen, größere Gewittercluster und linienförmige Systeme. Dabei drohen extremer Starkregen, großer Hagel, schwere Sturmböen und lokal Orkanböen.
In der Nacht zum Freitag ziehen die Gewitter über den Westen und die Mitte ostwärts. Wiederholen sie sich über denselben Orten, kann mehrstündiger Starkregen folgen. Besonders problematisch wäre eine langsame Verlagerung, weil sich dann enorme Regenmengen über Regionen entladen könnten.
Am Freitag verlagert sich der gefährlichste Bereich wahrscheinlich in die Südosthälfte. Dort hält sich vor der Kaltfront nochmals heiße, extrem feuchte Luft. Auch im äußersten Nordwesten bleibt das Unwetterrisiko erhöht.

Verstärkt der Klimawandel solche Feuchteströme?
Atmosphärische Flüsse sind natürliche Bestandteile des globalen Wasserkreislaufs. Dieses einzelne Ereignis kann ohne wissenschaftliche Attributionsstudie (eine Untersuchung, die mithilfe von Messdaten und Klimamodellen prüft, ob und wie stark der Klimawandel die Wahrscheinlichkeit oder Intensität eines konkreten Wetterereignisses verändert hat) nicht direkt dem Klimawandel zugeschrieben werden.
Eine wärmere Atmosphäre kann jedoch mehr Wasserdampf aufnehmen. Dadurch können solche Feuchtebänder wasserreicher werden und bei passenden Wetterlagen intensiver ausregnen.
Der Deutsche Wetterdienst geht davon aus, dass atmosphärische Flüsse künftig etwa 25 Prozent länger und 25 Prozent breiter werden könnten und mehr Wasser führen.
Das bedeutet nicht automatisch Unwetter. Treffen diese Ströme jedoch wie am Freitag auf Hitze, Höhenkaltluft und starke Windscherung, kann sich die Wetterlage explosionsartig verschärfen. Noch bleiben regionale Zugbahnen unsicher – das Potenzial für eine warnwürdige Schwergewitterlage ist jedoch erheblich.
Artikelreferenz
DWD. (11.01.2023). Was sind Atmosphärische Flüsse?.