Deutschland zwischen Hitzefolgen und neuer Gluthitze: Kommt jetzt Welle Nummer drei?

Nach der historischen Hitzewelle mit Rekord-41,7 Grad ist noch nicht Schluss: Erste Zahlen zu Hitzetoten sickern durch, während Wettermodelle bereits die nächste Hitzewelle ab dem 8. Juli andeuten.
Kaum hat sich Deutschland von der historischen Hitzewelle der vergangenen Wochen erholt, blicken viele Menschen bereits nervös auf die kommenden Tage. Mit 41,7 Grad wurde erst kürzlich in Neißemünde-Coschen in Brandenburg ein neuer Allzeitrekord aufgestellt – so heiß war es in Deutschland seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1881 noch nie.
Die Frage, die jetzt alle bewegt: Was hat diese Gluthitze an Folgen hinterlassen, und droht schon bald die nächste Runde?
Wie viele Menschen starben durch die Hitze?
Belastbare Zahlen zu hitzebedingten Todesfällen in Deutschland liegen für die aktuelle Welle noch nicht vollständig vor – die Erfassung läuft mit einem Verzug von rund zehn Tagen, offizielle Auswertungen werden daher erst zum Monatswechsel erwartet.
Zur Einordnung: Im Rekordsommer 2018 starben hierzulande schätzungsweise 8.400 Menschen an den Folgen der Hitze, besonders betroffen waren ältere Menschen. Für die gesamteuropäische Hitzewelle im Juni 2026 wurden bereits über 1.300 Todesfälle seit dem 21. Juni gemeldet, allein in Frankreich zählten die Behörden rund 1.000 Todesfälle mehr als erwartet. Zahlen dieser Größenordnung sind für Deutschland aktuell nicht auszuschließen.
Wer war besonders betroffen?
Ältere Menschen, Pflegebedürftige und Menschen mit Vorerkrankungen tragen bei solchen Extremereignissen das mit Abstand höchste Risiko. Rund 89 Prozent aller Hitzetoten waren in der Vergangenheit 75 Jahre oder älter.
Auch die Stadt-Land-Unterschiede spielten eine große Rolle: In Städten kühlte es nachts kaum ab, versiegelte Flächen speicherten die Wärme zusätzlich. In manchen Nächten lag die Temperatur in Innenstädten mehrere Grad höher als im Umland – für vulnerable Gruppen eine zusätzliche Belastung.
Wie geht das Wetter jetzt weiter?
Zunächst atmet Deutschland durch: Ein Tief über Skandinavien sorgt für spürbar frischere Luft, in den kommenden Tagen pendeln sich die Werte verbreitet zwischen 20 und 30 Grad ein, im Norden bleibt es sogar noch kühler. Wüstentage über 35 Grad sind vorerst nicht in Sicht, auch die schwülen tropischen Nächte machen eine Pause.
Doch die Ruhe könnte nur von kurzer Dauer sein.
Kommt schon nächste Woche die dritte Hitzewelle?
Mehrere internationale Wettermodelle, darunter das europäische ECMWF-Modell, deuten übereinstimmend auf eine mögliche dritte Hitzewelle ab dem 8. Juli hin. Das Azorenhoch drängt demnach zunehmend nach Mitteleuropa und könnte sich bis Mitte Juli über weiten Teilen Deutschlands festsetzen.
Die Kontrollläufe zeigen dabei ein klares Muster: kaum Niederschlag, dafür steigende Temperaturen. Bis zum 13. Juli werden im Süden bereits wieder Werte zwischen 27 und 33 Grad simuliert, örtlich ist auch die 40-Grad-Marke nicht ausgeschlossen. Das GFS/NOAA-Modell zeigt zwar noch leichte Unsicherheiten, tendiert aber ebenfalls in Richtung einer erneuten Hitzephase.
Was bedeutet das für den weiteren Sommer?
Fest steht schon jetzt: Der Sommer 2026 hat sein klimatologisches Soll bei Hitzetagen, Wüstentagen und tropischen Nächten bereits jetzt weit übertroffen – und der eigentliche Hochsommer hat noch gar nicht richtig begonnen. Klimastudien von Copernicus C3S ordnen die Entwicklung eindeutig ein: Hitzewellen wie die jüngste werden durch die menschengemachte Erderwärmung deutlich wahrscheinlicher und intensiver.
Ob die dritte Hitzewelle tatsächlich kommt, entscheidet sich in den nächsten Tagen im sogenannten Siebenschläferzeitraum. Wer besonders hitzeempfindlich ist, sollte die kurze Verschnaufpause nutzen – denn ganz vorbei ist der heiße Sommer 2026 aller Voraussicht nach noch lange nicht.