Alte Bauernregel kündigt für Freitag den ersten Schnee an – jetzt drehen die Wetterkarten plötzlich auf Nord

Am Gallustag soll laut Bauernregel der Schnee fallen. Noch locken 20 Grad, doch die neuen Wetterkarten zeigen bereits, wie schnell der Herbst jetzt umschwenken kann.
Ein Datum, das viele nur aus dem Kalender der Großeltern kennen, rückt in diesem Jahr plötzlich wieder in den Fokus: Am Freitag, 16. Oktober, ist Gallustag. Und der hat es in sich. Eine der bekanntesten Bauernregeln zum Herbst lautet nämlich: „St. Gallen lässt den Schnee fallen.“ Für die Menschen früher war das ein klares Signal, dass spätestens jetzt mit dem ersten Wintergruß zu rechnen ist.
Ausgerechnet in dieser Woche zeigt sich das Wetter in Deutschland aber noch einmal von seiner freundlichen Seite. Zur Wochenmitte klettern die Werte vielerorts auf 20 Grad und mehr, gebietsweise sogar in Richtung 23 Grad. Schnee? Das klingt im Moment fast absurd. Doch ein genauer Blick auf die aktuellen Wetterkarten verrät: Ganz so weit hergeholt ist die alte Regel diesmal nicht.
Gallustag mit Nebel, Sonne und frostigen Nächten
Der Gallustag selbst wird noch kein Wintertag. Deutschland liegt am Freitag in einer gradientenschwachen Hochdrucklage, der Wind schläft fast ein. Das bedeutet vor allem eines: Nebel. In vielen Tälern und Niederungen halten sich die grauen Felder zäh bis in den Mittag, mancherorts sogar den ganzen Tag.
Wo sich die Sonne durchsetzt, wird es dagegen noch einmal richtig angenehm mit bis zu 18 oder 19 Grad. Aber Vorsicht in den Nächten: Unter klarem Himmel kühlt die Luft rasch ab, örtlich ist Bodenfrost möglich. Wer Kübelpflanzen noch draußen stehen hat, sollte sie spätestens jetzt im Blick behalten.
Am Wochenende dreht der Wind auf Nord
Spannend wird es ab Samstag. Das Hoch verlagert sich nach Nordwesten und baut sich zwischen England und Island zu einem kräftigen Block mit über 1030 Hektopascal auf. Für uns hat das eine entscheidende Folge: Weil Hochdruckgebiete im Uhrzeigersinn drehen, gerät Deutschland auf die Ostseite des Hochs und damit in eine Nordströmung.

Damit fließt kühle Luft aus Skandinavien direkt zu uns. Die Temperaturen gehen am Wochenende deutlich zurück, verbreitet sind nur noch 10 bis 14 Grad drin. Wo sich der Nebel hält, bleibt es sogar einstellig. Nach den milden Tagen fühlt sich das für viele wie ein echter Temperatursturz an.
Erster Schnee in den Alpen rückt näher
Und genau hier kommt die Bauernregel wieder ins Spiel. Eine solche Nordlage drückt die kühlere Luft bis an die Alpen, wo sie sich staut. In den höheren Lagen ist dann Schnee durchaus ein Thema, zunächst vor allem oberhalb von etwa 1500 bis 2000 Metern. Für Bergwanderer kann das schnell gefährlich werden, wenn Wege plötzlich vereist oder verschneit sind.

Im Flachland ist dagegen vorerst kein Schnee in Sicht. Auch für die Mittelgebirge reicht es nach aktuellem Stand noch nicht. Ganz ausgeschlossen ist ein erster weißer Gruß auf den höchsten Gipfeln wie dem Feldberg oder dem Fichtelberg in den Folgetagen aber nicht, wenn ein kräftiger Schauer in die kalte Luft hineinzieht.
Was hinter den alten Bauernregeln steckt
Die Gallus-Regel ist übrigens nicht die einzige zu diesem Tag. Bekannt ist auch der Spruch: „Auf St. Gall bleibt die Kuh im Stall.“ Gemeint war damit das Ende der Weidesaison. Mitte Oktober holten die Bauern das Vieh von den Wiesen, weil die Nächte zu kalt und das Gras zu karg wurden.
Meteorologisch steckt dahinter ein wahrer Kern. Mitte Oktober nimmt die Sonneneinstrahlung spürbar ab, die Nächte werden lang, und erste Kaltluftvorstöße aus dem Norden sind keine Seltenheit mehr. Ein festes Datum für den ersten Schnee gibt es natürlich nicht. Die Regel beschreibt eher eine Tendenz, die sich über viele Generationen hinweg herauskristallisiert hat.
Ende Oktober kommt der Vollherbst
Wie geht es danach weiter? Die Wettermodelle sind sich in einem Punkt erstaunlich einig: Der goldene Oktober hat seinen Höhepunkt hinter sich. Für das letzte Monatsdrittel deutet sich ein Wechsel zu nasskaltem Herbstwetter an. Gegen Ende Oktober liegen die Höchstwerte dann teils nur noch bei 7 bis 12 Grad.
Einzelne Läufe spielen sogar mit einem Vorstoß polarer Luft. Ob daraus wirklich Schnee bis in mittlere Lagen wird, ist derzeit noch völlig offen. Klar ist aber: Wer die letzten warmen Tage genießen möchte, sollte das jetzt tun. Denn der Gallustag könnte in diesem Jahr tatsächlich zum Wendepunkt werden.