Alle happy wegen des „guten Wetters“ in den Herbstferien? Wetterexpertin kritisiert die gängige Konnotation als veraltet
So kann das mit dem Umdenken beim Klimawandel und der eigenen Verantwortung nichts werden, behauptet die Wetterredakteurin. Denn wenn „gutes Wetter“ immer Trockenheit und Sonnenschein bedeutet, ist kognitiv schon etwas falsch angelegt. In Wahrheit also: schlechte Wetter-Aussichten für die Herbstferienwochen.

Sonne, milde Nachmittage und nur wenig Regen: Für Ausflüge in den Herbstferien klingt das zunächst ideal. Doch Achtung: was zeitnah als angenehm erscheint hat frappierende Folgen und zwar letztendlich für jedermann.
Nach einem außergewöhnlich trockenen Spätsommer benötigen Böden und Flüsse keine weitere Schönwetterserie, sondern länger anhaltenden und möglichst gleichmäßigen Regen. Deshalb hängt die Antwort auf die Frage nach dem „guten Wetter“ derzeit stark von der Perspektive ab.
Dürremonitor zeigt zwei unterschiedliche Welten
Der UFZ-Dürremonitor vom 12. Oktober verdeutlicht, wie tief die Trockenheit inzwischen reicht. In der bis etwa 1,80 Meter reichenden Bodenschicht werden besonders im Süden, aber auch in Teilen der Landesmitte und des Ostens schwere bis außergewöhnliche Dürregrade dargestellt. Auch die oberen 25 Zentimeter sind vielerorts deutlich zu trocken.
Etwas günstiger sieht das Bild beim unmittelbar pflanzenverfügbaren Wasser aus. Im Norden und Nordwesten verfügen die obersten Bodenschichten regional wieder über mehr Feuchtigkeit.
Weiter landeinwärts und besonders in Teilen des Ostens sowie Südens bleibt das Wasserangebot für Pflanzen jedoch gering. Oberflächlich feuchter Boden bedeutet also nicht automatisch, dass die tieferen Speicher aufgefüllt sind.
Was vom Regen tatsächlich angekommen ist
Für einen sauberen Vergleich betrachten wir nur den Niederschlag nach dem Datenstand des Dürremonitors. Am 13. Oktober erreichte die Tagesmenge im deutschlandweiten Flächenmittel lediglich 2,25 Liter pro Quadratmeter. Das höchste punktuelle Messergebnis lag zwar bei 32,4 Litern, blieb jedoch eine lokale Ausnahme.
Im Landesmittel fielen in Schleswig-Holstein 4,7 Liter, in Bayern 3,5 Liter und im Saarland 3 Liter pro Quadratmeter. In zahlreichen anderen Gebieten kamen lediglich ein bis zwei Liter zusammen. Solche Mengen können die oberste Bodenschicht vorübergehend anfeuchten. Ob und wie viel Wasser tiefer einsickert, hängt jedoch von Regenintensität, Bodenbeschaffenheit, Vegetation und Versiegelung ab. Zum Ausgleich der großen Wasserdefizite reichen die gemessenen Mengen nicht.
Auch beim Niedrigwasser keine schnelle Entwarnung
Wie angespannt die Lage an den Flüssen zuletzt war, zeigt das Niedrigwasser-Update der Bundesanstalt für Gewässerkunde für den Zeitraum vom 1. bis 7. Oktober. Trotz regionaler Niederschläge veränderten sich die Wasserstände an den Bundeswasserstraßen gegenüber der Vorwoche kaum und blieben auf einem sehr niedrigen Niveau.
Auch der inzwischen gefallene Regen bedeutet noch keine Trendwende. Ein Teil des Wassers wird zunächst von Pflanzen und ausgetrockneten Böden aufgenommen. Erst wiederholte, großflächige Niederschläge können tiefere Bodenschichten erreichen, den Abfluss erhöhen und damit langfristig auch die Pegel der Flüsse stabilisieren.
Hoch Florian hält die Regenfronten zunächst fern
Am Donnerstag liegt Deutschland unter Hoch Florian. Tief Irma und seine Fronten ziehen weit nördlich über die Britischen Inseln und Skandinavien hinweg. Nach örtlichem Nebel wird es häufig freundlich, trocken und mit 16 bis 21 Grad ungewöhnlich mild.
Am Freitag hält das ruhige Wetter in vielen Gebieten zunächst an. Erst später nähern sich dem Nordwesten dichtere Wolken und etwas Regen. Am Samstag erreicht feuchtere und kühlere Luft weitere Landesteile. Im Süden kann es längere Zeit regnen, während im Norden einzelne Schauer auftreten.
Die Modellrechnung bis Sonntag verteilt den Niederschlag erneut sehr ungleich: In weiten Teilen der Mitte und des Ostens werden lediglich niedrige einstellige Mengen angedeutet. Im Südwesten und am Alpenrand sind regional etwa 10 bis 17 Liter möglich. Im äußersten Norden können lokal 20 bis über 30 Liter zusammenkommen. Eine bundesweite Trendwende bei Dürre und Niedrigwasser ist damit nicht in Sicht.

„Gutes Wetter“ verdient eine neue Konnotation -Perspektivenunabhängig
Für Feriengäste bieten Sonne, milde Temperaturen und trockene Wege beste Bedingungen. Für Wälder, Felder, Flüsse und Grundwasser sind dieselben Aussichten jedoch alles andere als gut.
Wer beim Wetter nur zwischen Sonnenschein und Regen unterscheidet, übersieht die Folgen anhaltender Trockenheit. Ein verantwortungsvoller Umgang mit dem Klimawandel beginnt deshalb auch bei unserer Sprache: Regen ist nicht automatisch schlechtes Wetter – und wo Wasser dringend fehlt, ist dauerhafter Sonnenschein kein Grund für uneingeschränkte Freude.
Artikelreferenz
Dürremonitor Deutschland. (12.10.2026). Einschätzung des aktuellen Bodenfeuchtezustands.
NIWIS- Niedrigwasserbericht der BfG. (07.10.2026). Aktuelle Niedrigwassersituation: bundesweite Übersicht.