45 Grad in Deutschland? Meteorologe: „Vergessen Sie diese Zahl" – so heiß wird der August wirklich

Die 45-Grad-Schlagzeile geistert seit Tagen durch alle Kanäle. Doch die Wettermodelle rechnen etwas anderes. Was Anfang August tatsächlich möglich ist – und wo die echte Gefahr lauert.
Die Zahl klebt gerade an jeder zweiten Schlagzeile: 45 Grad. Fünfundvierzig! Damit läge Deutschland auf einem Niveau, das man sonst aus Andalusien oder der marokkanischen Wüste kennt. Kein Wunder, dass die Leute nervös werden. Bäder melden Rekordandrang, Baumärkte verkaufen Ventilatoren im Akkord, in den Kommentarspalten fragen die ersten, ob man Anfang August überhaupt noch arbeiten gehen kann.
Nur: Diese Zahl steht auf ziemlich dünnem Eis. Wer sich anschaut, woher sie stammt, merkt schnell, dass hier ein Einzelfall zur Gewissheit aufgeblasen wurde. Zeit für eine ehrliche Einordnung.
Woher die 45 Grad überhaupt stammen
Wettermodelle rechnen nicht eine Lösung, sondern Dutzende. Jeder Lauf wird minimal anders angestoßen, und je weiter man in die Zukunft schaut, desto stärker fächern die Ergebnisse auf. Bei einem einzigen Lauf tauchte vor ein paar Tagen tatsächlich eine 45-Grad-Marke für den deutschen Südwesten auf. Ein Ausreißer, mehr nicht.
Genau dieser Ausreißer hat es dann in die Überschriften geschafft. Schon im nächsten Modelllauf war er wieder verschwunden. Wer täglich mit diesen Karten arbeitet, kennt das Spiel: Extremwerte am Rand des Spektrums sind spektakulär, aber sie sind eben nicht die Prognose.
Was die Modelle tatsächlich zeigen
Schaut man auf das Mittel aller Rechnungen statt auf den heißesten Einzelfall, sieht die Sache deutlich nüchterner aus. Für Anfang August läuft es auf 35 bis 38 Grad in der Südhälfte und im Westen hinaus, mit Spitzen um die 40 Grad in den bekannten Hitzeecken: Oberrhein, Rhein-Main, Teile von Sachsen-Anhalt.
Ein Wert jenseits von 43 Grad liegt dagegen im einstelligen Wahrscheinlichkeitsbereich. Möglich? Theoretisch ja. Wahrscheinlich? Ganz sicher nicht. Wer jetzt schon 45 Grad in den Kalender schreibt, verwechselt Statistik mit Schlagzeile.
Der Rekord liegt bei 41,8 Grad
Man muss sich klarmachen, was 45 Grad in Deutschland bedeuten würden. Der deutsche Allzeitrekord liegt bei 41,8 Grad, aufgestellt Ende Juni dieses Jahres in Sachsen-Anhalt. Der alte Bestwert davor hielt sieben Jahre. Rekorde werden hierzulande um Zehntelgrade geknackt, nicht um drei ganze Grad.

Für 45 Grad bräuchte es eine Kette von Zufällen: knochentrockener Boden, wolkenloser Himmel über Tage, dazu Höhenluft direkt aus der Sahara und obendrauf noch Föhneffekte an der richtigen Stelle. Das alles gleichzeitig, am selben Tag, an derselben Station. Diese Konstellation gab es in Deutschland noch nie.
Heiß wird es trotzdem – richtig heiß
Und jetzt kommt der Teil, den viele überlesen: Auch ohne Sensationszahl wird der Start in den August ungemütlich. Nach dem Gewitterdurchgang am Wochenende baut sich über Mitteleuropa wieder ein kräftiges Hoch auf, das die heiße Luft aus Südwesten regelrecht einsaugt und über uns deckelt.
Die Folge ist eine Hitzeglocke, wie wir sie in diesem Sommer schon zweimal hatten. Mehrere Wüstentage am Stück, dazu Tropennächte, in denen die Temperatur nicht mehr unter 20 Grad fällt. Das ist die eigentliche Belastung – nicht der eine Spitzenwert auf dem Thermometer.
Die echte Gefahr steckt woanders
Wer nur auf die Höchstwerte starrt, übersieht das Entscheidende. Gefährlich wird Hitze durch Dauer, nicht durch einen Nachmittag. Sieben, acht Tage ohne nächtliche Abkühlung setzen Kreislauf und Herz massiv zu, und genau das zeichnet sich für die erste Augustwoche ab.

Dazu kommt die Trockenheit. Die Böden sind vielerorts schon jetzt ausgedörrt, die Waldbrandgefahr steigt, in den Flüssen sinken die Pegel. Über diese Themen sollten wir reden. Die 45 Grad sind bis auf Weiteres vor allem eins: eine Drohkulisse.