Stadtbäume retten wird zum Social-Media-Trend! Doch falsches Gießen verschwendet Wasser und verfehlt die Wurzeln
Deutschlands Stadtbäume kämpfen mit Hitze, verdichteten Böden und Wassermangel. Doch falsches Gießen verschwendet kostbares Wasser. Welche Bäume Hilfe brauchen und warum zehn volle Kannen auf einmal deutlich mehr bewirken.

Gießpatenschaften, Nachbarschaftsgruppen und spontane Hilfsaktionen für Stadtbäume verbreiten sich derzeit in den sozialen Medien. Menschen schleppen Eimer und Gießkannen auf die Straße, um Bäume durch die Trockenheit zu bringen. Dieses Engagement kann jungen Bäumen tatsächlich helfen – vorausgesetzt, das Wasser erreicht ihre Wurzeln.
Doch ausgerechnet bei diesen gut gemeinten Aktionen passiert häufig der entscheidende Fehler: Viele Helfer verteilen jeden Tag nur eine oder zwei Kannen.
Damit wird zwar die Erde nass, die tiefer liegenden Baumwurzeln bekommen jedoch kaum etwas ab. Der BUND Hessen rät deshalb zu einer größeren Wassermenge auf einmal.
Achtung: Kleine Wassermengen helfen kaum
Trockener, verdichteter Stadtboden nimmt Wasser nur langsam auf. Eine kleine Menge bleibt überwiegend in der oberen Bodenschicht und verdunstet dort schnell. Der Baum wird oberflächlich gegossen, bleibt an seinen tieferen Wurzeln aber weiterhin durstig.
BUND Hessen nennt rund 80 Liter pro Baum und Woche als Richtwert. Das entspricht ungefähr acht Eimern mit jeweils zehn Litern.
So kann das Wasser tief einsickern, ohne über Gehweg oder Straße abzulaufen. Örtliche Empfehlungen können abweichen und haben immer Vorrang.
Vor allem junge Bäume brauchen Unterstützung
Nicht jeder Straßenbaum muss privat gegossen werden. Besonders dankbar sind junge Bäume, deren kurze Wurzeln tiefer liegende Wasservorräte noch nicht erreichen.
Kommunale Gießkarten und offizielle Patenschaften zeigen, welcher Baum Hilfe benötigt und welcher bereits versorgt wurde. Das ist gerade bei über soziale Medien organisierten Aktionen wichtig: Doppelte Wassergaben verschwenden Wasser, während wenige Meter weiter ein anderer Jungbaum unversorgt bleibt.
Diese Warnzeichen verraten großen Durst
Trockenstress zeigt sich laut BUND Hessen häufig zuerst oben im Wipfel. Werden die Blätter dort kleiner, heller oder dürr und entstehen erste Lücken, fehlt dem Baum Wasser.
Auch eingerolltes, gelbes oder welkes Laub kann ein Warnsignal sein. Bei anhaltender Trockenheit wirft der Baum möglicherweise Blätter ab, um weniger Wasser zu verlieren.
Gemeinsam gießen, aber richtig
Der günstigste Zeitpunkt ist frühmorgens oder spät am Abend. Dann verdunstet deutlich weniger als in der Mittagshitze. Verwenden Sie möglichst Regenwasser oder geeignetes Brauchwasser, beispielsweise aufgefangenes kaltes Duschwasser, Wasser vom Gemüsewaschen oder ungesalzenes, abgekühltes Kochwasser. Reinigungsmittel, Salz und Fett dürfen nicht enthalten sein.
BUND Hessen empfiehlt, Gießgemeinschaften zu gründen. Geschlossene Kanister oder Eimer mit Deckel erleichtern den Transport, während Absprachen verhindern, dass einzelne Bäume mehrfach versorgt werden. So wird aus einem kurzfristigen Social-Media-Aufruf eine koordinierte Nachbarschaftshilfe.
Gut gemeint muss auch gut gemacht sein
Private Gießaktionen können junge Bäume durch akute Trockenperioden retten. Entscheidend ist jedoch nicht, möglichst häufig irgendwo etwas Wasser zu verteilen. Wirksame Hilfe bedeutet, den richtigen Baum auszuwählen, kommunale Hinweise zu prüfen und etwa einmal wöchentlich langsam und durchdringend zu gießen.
Artikelreferenz
BUND Landesverband Hessen e.V.. (abgerufen 11.08.2026). Jetzt mitmachen und Bäume gießen!.