Dämmt wie Styropor, wächst wie Camembert: Diese Berliner Forscherin baut mit Pilzen

Immer wieder experimentiert die Wissenschaft mit Pilzen und deren besonderen Eigenschaften. Eine neue Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) macht es jetzt möglich, dass erste Haus mit Pilzen zu dämmen.

In Zukunft soll der Bausektor nachhaltig werden. Auch Pilzen können dabei eine Hilfe sein.
In Zukunft soll der Bausektor nachhaltig werden. Auch Pilzen können dabei eine Hilfe sein.

Prof. Dr. Vera Meyer ist Professorin an der Technischen Universität Berlin und beschäftigt sich hauptberuflich und leidenschaftlich mit der Funktionsweise von Pilzen, vor allem mit dem Zunderschwamm, Fomes fomentarius.

Der Pilz soll auf dem Bau verwendet werden

Der Zunderschwamm hat nicht nur gute Wachstumseigenschaften, sondern ist ebenso sehr formstabil.

Prof. Dr. Vera Meyer möchte mit ihrer Forschung die Zukunft des Bauens vorantreiben und zu einem Umdenken im Bausektor anregen. Insgesamt werden weltweit 37 Prozent der Kohlenstoffdioxid Emissionen beim Bauen ausgestoßen. In der Zukunft soll das Bauen von Häusern beispielsweise wieder auf Holz basieren und die Dämmung im Idealfall aus Material des Zunderschwamms.

Nachhaltige Baustoffe senken den CO2 Ausstoß

Nicht zuletzt sorgt ein nachhaltiger Bausektor dafür, dass die Klimaziele noch erreicht werden könnten. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat das Forschungsprojekt zunächst mit 10 Millionen Euro bis 2029 bewilligt. Weitere Förderperioden sollen folgen.

Der Zunderschwamm wächst gewöhnlich in Wäldern und an großen Baumstämmen
Der Zunderschwamm wächst gewöhnlich in Wäldern und an großen Baumstämmen

In erster Linie erstellt das Forschungsteam einen detailreichen Produktionsprozess, der auch massentauglich wäre, sodass tatsächlich Wände, Innenräume uns beispielsweise ein komplettes Haus gebaut werden könnte.

Das Forschungsprojekt ist auf 12 Jahre angelegt

Im Idealfall soll nach insgesamt 12 Jahren Förderung der DFG ein Einfamilienhaus mit Holz- und Pilzmaterialien stehen. Der Zunderschwamm ist schon seit mehreren Jahren ein besonderer Pilz für die Professorin. Als Künstlerin fertigt sich im eigenen Atelier bereits Skulpturen und Kunstwerke, die auf den Zunderschwamm basieren.

Dadurch konnte sie auch zeigen, dass der Schwamm über längere Zeiträume eine sichere und formstabile Eigenschaft hat. Jetzt gibt es tatsächlich schon die ersten Musterbausteine mit dem Zunderschwamm.

„Die Herstellung besteht im jetzigen Verfahren aus drei Kultivierungsschritten. Die ersten zwei wollen wir kontinuierlich und skalierbar gestalten. Der letzte Schritt, sozusagen die Reifung, wie beim Camembert, dauert rund ein bis zwei Wochen.“, erläutert Prof. Dr. Vera Meyer

Neben dem deutschen Forschungsteam forschen weltweit viele verschiedene Länder an Pilzen und deren Eigenschaften im Bausektor.

Das erste Haus aus Pilzkompositziegeln steht schon in Namibia in Afrika. Dort wurden die Ziegel mit einer Größe von 40 mal 40 Zentimetern einfach aufeinander gestapelt. Ein Solardach versorgt das Haus mit Energie.

Artikelreferenz

tagesspiegel.de. (2026). Berliner Forscherin baut Haus aus Pilzen: „Die Dämmeigenschaft ist vergleichbar mit Styropor“.