Tödliche Sturzfluten in Griechenland und der Türkei: über 200 Liter Regen in gut sechs Stunden auf Rhodos

Flash Floods haben in Griechenland und der Türkei Menschenleben gekostet. Apokalyptische Regenmengen verwandelten Straßen in reißende Fluten und spülten Autos ins Meer.

Keine Entwarnung für den östlichen Mittelmeerraum: Die Vorhersage für Samstag, 17. Oktober, zeigt ein Tief nahe der türkischen Südküste und weitere Regengebiete über Teilen Griechenlands und der Türkei.
Keine Entwarnung für den östlichen Mittelmeerraum: Die Vorhersage für Samstag, 17. Oktober, zeigt ein Tief nahe der türkischen Südküste und weitere Regengebiete über Teilen Griechenlands und der Türkei.


Das Nationale Observatorium Athen meldet für Rhodos 202 Liter pro Quadratmeter in gut sechs Stunden, im Bergdorf Steni auf der griechischen Insel Euböa sogar knapp 300 Liter innerhalb von zwei Tagen. In Beykoz–Ömerli in Istanbul wurden laut Gouverneursamt knapp 194 Liter Regen pro Quadratmeter gemessen.

Binnen weniger Stunden standen Straßen unter Wasser, wurden Fahrzeuge fortgerissen und Menschen in Gebäuden eingeschlossen. Die heftigen Unwetter vom 14. Oktober haben in Griechenland und der Türkei schwere Schäden hinterlassen. Nach Berichten öffentlich-rechtlicher Medien kamen mindestens drei Menschen ums Leben: zwei in Istanbul und ein Mann auf Rhodos.

Rhodos: 264 Liter Regen bis zum Mittag

Die Messungen des Nationalen Observatoriums Athen zeigen die Wucht der Regenfälle: An der Station Rhodos wurden am Mittwoch zwischen 06:30 und 12:50 Uhr 202 Liter pro Quadratmeter registriert. Seit Tagesbeginn hatten sich bis zu diesem Zeitpunkt bereits 264 Liter pro Quadratmeter angesammelt.

Damit fiel ein großer Teil dieser enormen Regenmenge innerhalb von gut sechs Stunden. Die Messwerte stammen von einer einzelnen Station und beschreiben nicht die Niederschlagsverhältnisse auf der gesamten Insel.

Die Folgen waren verheerend. Wassermassen schossen durch Straßen und rissen Autos mit, die teilweise ins Meer gespült wurden.

Auch der Flugverkehr geriet durcheinander. Wegen schlechter Sicht und heftiger Winde mussten Maschinen mit Ziel Rhodos auf andere Flughäfen ausweichen. Auf der Insel blieben Schulen geschlossen.

Warum Flash Floods so gefährlich sind

Bei solchen Sturzfluten entscheidet vor allem das Tempo: Große Regenmengen treffen innerhalb kurzer Zeit auf ein begrenztes Gebiet. Können Böden, Bachläufe und Entwässerungssysteme das Wasser nicht mehr aufnehmen oder abführen, sammelt es sich an der Oberfläche.

In abschüssigem Gelände beschleunigt sich der Abfluss. Straßen können zu Strömungskanälen werden, tiefer gelegene Bereiche rasch volllaufen.

Und Achtung: Dabei kann die Gefahr auch dort zunehmen, wo der Regen bereits nachgelassen hat, weil Wasser aus höher gelegenen Gebieten nachströmt.

Euböa und Skiathos ebenfalls schwer getroffen

Das Unwetter erfasste weitere Teile Griechenlands. Für Steni auf Euböa meldete das Nationale Observatorium Athen 295 Liter pro Quadratmeter im Zeitraum vom 13. bis zum 14. Oktober, Stand Mittwoch um 17:40 Uhr. Diese Zweitagessumme ist von den kürzeren Messzeiträumen auf Rhodos zu unterscheiden.

Auf Skiathos wurden Autos fortgerissen sowie Straßen, Geschäfte und Häuser überflutet. Auf Euböa stürzten Bäume um, Straßen wurden beschädigt.

Zum Starkregen kamen heftige Böen. Das Messnetz des Observatoriums registrierte am Mittwochvormittag 104 Kilometer pro Stunde in Loutraki und 101 Kilometer pro Stunde in Vlychada in Attika. Der Fährverkehr von den Häfen Piräus und Lavrio wurde vorübergehend eingestellt.

Istanbul: Knapp 194 Liter und überflutete Stadtviertel

Auch in Istanbul hinterließen die Regenfälle ein Bild schwerer Verwüstung. Nach Angaben des Gouverneursamts wurden in Beykoz–Ömerli 193,84 Liter pro Quadratmeter gemessen. Arnavutköy verzeichnete 125,9 Liter, die Station Sarıyer–İTÜ Maslak 124,72 Liter pro Quadratmeter.

Straßen und Unterführungen liefen voll, Fahrzeuge blieben im Hochwasser stecken. Wasser drang in Wohnungen und Geschäfte ein. In Sarıyer flüchteten Fahrgäste auf das Dach eines eingeschlossenen Busses, so zu sehen auf verschiedenen Social Media Kanälen. In Kağıthane überflutete der über die Ufer getretene Fluss eine Moschee und umliegende Gebäude.

Nach Berichten öffentlich-rechtlicher Medien starb ein 14-Jähriger durch einen Stromschlag in einer Wasseransammlung. Eine 34-jährige Person kam in Sarıyer beim Versuch ums Leben, eine überschwemmte Straße zu überqueren.

Tausende Einsatzkräfte – weitere Regenfälle angekündigt

Bis Mittwochabend meldete das Gouverneursamt 2.518 wetterbedingte Meldungen, darunter 1.277 Überflutungsereignisse und 15 Erdrutsche. Rund 8.000 Einsatzkräfte waren mit etwa 2.000 Fahrzeugen und Arbeitsgeräten im Einsatz.

In einigen Bezirken kam es zu Strom- und Wasserausfällen. Der Präsenzunterricht wurde für Donnerstag ausgesetzt, die Nutzung motorisierter Zweiräder vorübergehend untersagt.

Für den 15. Oktober sagte der türkische staatliche Wetterdienst weitere Regenfälle und Gewitter voraus. Die Behörden riefen die Bevölkerung dazu auf, unnötige Wege zu vermeiden.

Weitere Regenmengen bis Mittwoch, 21. Oktober: Besonders im Nordwesten der Türkei berechnet das Modell hohe Niederschlagssummen – bei Sakarya rund 168 Liter pro Quadratmeter. In den bereits überschwemmten Gebieten könnte zusätzlicher Regen die Lage erneut verschärfen.
Weitere Regenmengen bis Mittwoch, 21. Oktober: Besonders im Nordwesten der Türkei berechnet das Modell hohe Niederschlagssummen – bei Sakarya rund 168 Liter pro Quadratmeter. In den bereits überschwemmten Gebieten könnte zusätzlicher Regen die Lage erneut verschärfen.

Update vom 15. Oktober:

Nach Fertigstellung dieses Artikels veröffentlichte die türkische Zeitung Daily Sabah weitere Angaben zur Lage in Istanbul. Demnach wurden im Bezirk Beykoz inzwischen 269,5 Liter Regen pro Quadratmeter registriert. Messstation und Messzeitraum wurden dabei nicht näher benannt.

Nach Angaben der Stadtverwaltung erreichten die Regenmengen örtlich die höchsten Werte seit 1985. Insgesamt waren 8.392 Einsatzkräfte mit 2.246 Fahrzeugen im Einsatz. Wegen der anhaltenden Unwetter bleiben die Schulen auch am Freitag geschlossen.

Artikelreferenzen

Nationales Observatorium Athen / meteo.gr 2. (14. Oktober 2026). 95 Millimeter in Steni auf Euböa URL de la fuente.
Nationales Observatorium Athen / meteo.gr. (14. Oktober 2026). Sehr hohe Regenmengen und starke Gewitteraktivität im Norden von Rhodos.
Nationales Observatorium Athen / meteo.gr. 14. Oktober 2026.
Meteoroloji Genel Müdürlüğü (MGM), türkischer staatlicher Wetterdienst. (15. bis 16. Oktober 2026). Amtliche Starkregenwarnung.
aily Sabah mit Anadolu Agency (AA). (15. Oktober um 11:25). Flooding hits Istanbul as heavy rain disrupts daily life.