Auf Wiedersehen, Reiseführer: Jetzt planen die sozialen Medien deine Reisen
Früher war ein Reiseführer ein unverzichtbarer Begleiter, den man im Koffer mitnehmen musste, damit die Reise reibungslos verlief. Heute hat sich die Situation jedoch geändert. Die sozialen Medien haben diese Rolle übernommen.

Urlaub 2.0. Das ist die neue Art, Reisen zu planen. Vorbei sind die Zeiten, in denen man mit einem Reiseführer in der Hand auf Entdeckungstour ging und nach geheimen Orten und versteckten Ecken suchte. Die sozialen Medien machen dieser Art des Reisens ein Ende, allen voran Instagram und TikTok.
Tatsächlich geben 72 % der TikTok-Nutzer an, dass sie bereits Tickets für eine Reise oder eine Aktivität gebucht haben, allein aufgrund eines Videos in diesem sozialen Netzwerk.
Wie werden Reisen in Zukunft gebucht und organisiert?
Cécile Petiau, Chefredakteurin bei Hachette Tourisme, bestätigt, dass dieser Trend tatsächlich besteht und dass ein Reiseführer allein nicht mehr ausreicht – zumindest nicht für junge Reisende zwischen 18 und 35 Jahren. „Der Markt entwickelt sich weiter, wie alle Märkte. Wir haben schon immer ein breites Spektrum an Publikationen angeboten, mit dem Ziel, Reihen mit jeweils eigenem redaktionellen Ansatz zu schaffen. Deshalb wissen wir, dass die jüngere Generation kein Interesse an unseren eher traditionellen Reiseführern haben wird.“
Was passiert aber, wenn der Social-Media-Algorithmus allen Nutzern systematisch dieselben Videos anzeigt?
Overtourismus. Ökologische Katastrophe. Unzufriedene Anwohner. Verlust der Authentizität. Die Folgen sind vielfältig. Jeder weiß es, jeder prangert es an. Doch das hält uns nicht davon ab, jedes Jahr Orte zu sehen, die mit Touristen überfüllt sind, die sich alle an derselben Stelle drängen, um dasselbe Foto zu machen, bevor sie zum nächsten Ziel weiterziehen.
Zwischen dem zweiten und dritten Quartal des vergangenen Jahres verzeichnete Frankreich beispielsweise ein gesteigertes Interesse an Malta (+479 %), Málaga (+1641 %) und, noch deutlicher, Sorrent (+2657 %).
Cécile Petiau erklärt, dass es wichtig ist, authentische Vielfalt zu zeigen. „Das versuchen wir in all unseren Publikationen, selbst in den traditionellsten Reiseführern wie den Blue Guides und dem Rough Guide. Diese Reiseführer stecken voller Informationen zur Erkundung weniger bekannter Orte und sind voller versteckter Schätze. Und ich denke, dass wir als Verleger die Verantwortung haben, die Menschen dazu anzuregen, diese Orte zu respektieren, vielleicht indem sie alternative Reiseziele wählen, wenn diese zu überlaufen sind. Die Freude am Reisen liegt darin, Neues zu entdecken.“

Wie können Reiseführerverlage dieser digitalen Besessenheit am besten begegnen? Ganz einfach: indem sie sich nicht darauf einlassen! Man sollte nicht dagegen ankämpfen, sondern kooperieren. Sie erwähnt insbesondere eine Zusammenarbeit mit einem Reise-Influencer, der Japan besucht hat und über eine große Fangemeinde in der Branche verfügt. „[...] Das hat zwar nichts mit einem traditionellen Buch zu tun, ist aber inspirierend. Wir möchten inspirierende Bücher mit Autoren veröffentlichen, die einen Draht zu dieser jüngeren Generation haben.“
Kurz gesagt: Auch wenn soziale Medien mittlerweile die wichtigste Säule unserer Urlaubsplanung sind, kann ein Reiseführer nach wie vor eine wertvolle Ergänzung zu den Videos von Influencern sein, die meist kaum länger als zehn Sekunden dauern. Das reicht nicht aus, um das Wesen eines Reiseziels einzufangen.
Quellenhinweis:
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