119 Sommer, eine eingestürzte Hütte und ein Neuanfang: Die erstaunliche Geschichte einer Alm bei München

Seit 1907 grast auf der Königsdorfer Alm Vieh, genauso lange besteht der Gästebetrieb. Damit gehört die Alm zu den traditionsreichen Ausflugszielen der Region. Skurril: Sie liegt gar nicht in den Bergen.

Die Berge halten sich im Hintergrund - doch auf sie ist ein Almbetrieb nicht zwingend angewiesen. Foto: Pixabay
Die Berge halten sich im Hintergrund - doch auf sie ist ein Almbetrieb nicht zwingend angewiesen. Foto: Pixabay

Heute ist sie ein etablierter Treffpunkt für Radler, Wanderer und Familien mit Lust auf eine Brotzeit im Grünen. Doch die im Ortsteil Wiesen an der Gemeindegrenze zu Geretsried gelegene Alm begann als rein landwirtschaftliches Projekt.

Am Anfang waren Hirten auf der Weide

68 Bauern und Grundbesitzer schlossen sich 1907 zusammen, um das Gelände als Weidefläche zu nutzen. Sie gründeten eine Weidegenossenschaft und legten damit den Grundstein für eine Institution, die bis heute besteht.

Damals lebten und arbeiteten Hirten während der Sommermonate auf dem Gelände. Sie kümmerten sich um die Tiere, stellten Butter und Käse her und bewirteten sonntags Ausflügler.

Landwirtschaft und Gastwirtschaft, die klassischen Elemente eines Almbetriebs, gehörten von Anfang an zusammen.
Auch Hochlandrinder wie diese beiden werden auf der Alm gehalten. Foto: Pixabay
Auch Hochlandrinder wie diese beiden werden auf der Alm gehalten. Foto: Pixabay

Auch heute ist die Königsdorfer Alm tatsächlich noch eine Almwirtschaft: Auf rund 17 Hektar grasen derzeit sieben Stück Jungvieh. Zu den Kühen zählen auch zwei schottische Hochlandrinder der Pächter.

Schneemassen begruben das Almgebäude unter sich

Dennoch war das Leben auf der Alm nicht zu jeder Zeit ein Idyll - im Gegenteil. Ein schwerer Einschnitt ereignete sich im Dezember 1969, als das gesamte Almgebäude unter der Last enormer Schneemengen einstürzte.

Drei Jahre später wurde die heutige Almhütte errichtet, allerdings ohne Stallgebäude. Die Verbindung von Weidebetrieb und Bewirtung blieb dennoch erhalten. Mit Ausnahme der Kriegsjahre wurde die Tradition seit der Gründung ununterbrochen fortgeführt - inzwischen seit 119 Jahren.

Noch immer liegt die Hütte mitten im Grünen, fernab vom Verkehr. Besonders an sonnigen Wochenenden kommen zahlreiche Gäste - fast alle von ihnen zu Fuß oder mit dem Fahrrad.

Auf der Speisekarte stehen klassische Brotzeiten: Tölzer Bauernschinken, Käse, Leberkäs oder Tomatenbrot mit Zwiebeln und Schnittlauch. „Einfach, aber guad“, sagt Seniorchef Klemens Schwaighofer, der den Betrieb ein halbes Jahrhundert lang mit seiner Frau Ursula führte.

Mittlerweile haben die beiden die Leitung an Sohn und Schwiegertochter übergeben, und auch weitere Familienmitglieder sind eingebunden.

Alles außer Berge

Sonntags gibt es Weißwürste, Brezen und Bier vom Fass. Gelegentlich wird Steckerlfisch gegrillt. Auch hausgemachte Kuchen gehören zum Angebot: Seniorchefin Ursula Schwaighofer steht dafür schon um fünf Uhr morgens in der Küche.

Für Familien mit kleinen Kindern gibt es einen Spielplatz. Ebenfalls spannend für die Jugend: Ziegen und Schafe lassen sich im Gehege streicheln, und auch Schweine leben auf der Alm. Somit hat sie tatsächlich alles, was zur traditionellen Almwirtschaft gehört - und kommt dabei ohne saftige Bergwiesen aus.

Den Winter über gehört sie allerdings ganz den Tieren, bis im nächsten Frühling die Ausflügler in den Biergarten zurückkehren.

Artikelreferenz

Merkur.de. (2026). Almgefühl ganz ohne Berge: Ausflugsziel seit 119 Jahren - Biergarten mit Ziegen, Schafen und Kühen.