Zodiakallicht: Wo und wann die falsche Morgendämmerung im September 2026 zu sehen ist

An dunklen Herbstmorgen erhebt sich ein kaum auffälliger, dreieckiger Lichtkegel über den Horizont – das Zodiakallicht. Es entsteht nicht erst in der Erdatmosphäre, sondern durch Sonnenlicht, das Staub im interplanetaren Raum beleuchtet. Unter günstigen Bedingungen lässt sich das Zodiakallicht jetzt am frühen Morgen mit bloßem Auge erkennen.

Das Zodiakallicht ist ein dreieckiger Schimmer, der sich am besten an einem Nachthimmel ohne starkes Mondlicht und Lichtverschmutzung beobachten lässt. Die Aufnahme entstand im September 2009 am ESO-Observatorium La Silla in Chile. Bild: ESO/Y. Beletsky
Das Zodiakallicht ist ein dreieckiger Schimmer, der sich am besten an einem Nachthimmel ohne starkes Mondlicht und Lichtverschmutzung beobachten lässt. Die Aufnahme entstand im September 2009 am ESO-Observatorium La Silla in Chile. Bild: ESO/Y. Beletsky

Das Zodiakallicht ist eine diffuse Lichtpyramide, die besonders in klaren, mondlosen Nächten sichtbar wird. Das Phänomen verdankt seinen Namen der scheinbaren Jahresbahn der Sonne, der Ekliptik, die durch die Sternbilder des Tierkreises (Zodiak) verläuft. Mit Astrologie hat das Ganze nichts zu tun – es ist lediglich der astronomische Tierkreis gemeint.

Auf der Nordhalbkugel präsentiert sich das Zodiakallicht im Herbst kurz vor der Morgendämmerung – als „falsche Morgendämmerung“ – im Osten als weißlicher, kegelförmiger Schimmer. Es unterscheidet sich von der echten Dämmerung dadurch, dass es nicht den gesamten Himmel aufhellt, sondern als begrenzter Lichtkegel erscheint. – Im Frühling ist es hingegen als „falsche Abenddämmerung“ kurz nach Sonnenuntergang zu beobachten.

Beobachtung im Herbst

In mittleren Breiten steht die Ekliptik um die Tagundnachtgleichen besonders steil zum Horizont. Dadurch reicht ein größerer Teil des schwachen Leuchtens in den dunklen Himmel. Auf der Südhalbkugel kehren sich die saisonalen Bedingungen um: Dort ist das Phänomen im September vor allem nach Sonnenuntergang als falsche Abenddämmerung im Westen zu suchen.

Eine Sternkarte mit den heutigen 88 Sternbildern und den 12 klassischen Tierkreissternbilder (grau markiert). Bild: NASA
Eine Sternkarte mit den heutigen 88 Sternbildern und den 12 klassischen Tierkreissternbilder (grau markiert). Bild: NASA

Für September und Oktober 2026 sind die Bedingungen allerdings nicht an jedem Tag gleich günstig. Die September-Tagundnachtgleiche fällt auf den 23. September, nur wenige Tage vor dem Vollmond. Das Mondlicht jedoch kann das schwache Zodiakallicht überstrahlen. Günstige mondarme Zeitfenster liegen deshalb um den 11. September und 10. Oktober, lokal kann das Datum abweichen.

Dunkler Himmel ist wichtig

Wer das Zodiakallicht beobachten möchte, sollte wegen der Lichtverschmutzung möglichst weit von Städten und anderen Lichtquellen entfernt sein. Auch Wolken, Dunst und Mondschein mindern die Sicht. Unter optimalen Bedingungen kann das Leuchten sogar heller wirken als die zentrale Scheibe der Milchstraße, meist bleibt es jedoch äußerst dezent und ist leicht zu übersehen.

Der wichtigste Hinweis ist die charakteristische Form: Gesucht wird kein gleichmäßiger Horizontschein, sondern ein sanftes Dreieck, das sich entlang der Sonnenbahn nach oben erstreckt. Bei sehr dunklem Himmel kann sich der Lichtkegel sogar mit dem Band der Milchstraße überschneiden.

Der Mond geht auf, über ihm strahlt das Zodiakallicht – vor der Kulisse des Very Large Telescope (VLT)-Observatoriums der ESO auf dem Cerro Paranal. Bild: ESO/Y. Beletsky
Der Mond geht auf, über ihm strahlt das Zodiakallicht – vor der Kulisse des Very Large Telescope (VLT)-Observatoriums der ESO auf dem Cerro Paranal. Bild: ESO/Y. Beletsky

Zur Planung kann die App Sky Tonight zu Rate gezogen werden. Sie zeigt für den jeweiligen Standort die astronomischen Dämmerungszeiten, Mondauf- und -untergänge sowie die Ekliptik an. Für die „falsche Morgendämmerung“ sollte der Horizont unbedingt vor Beginn der astronomischen Morgendämmerung beobachtet werden, also solange der Himmel noch dunkel ist.

Das Zodiakallicht entsteht, wenn Sonnenstrahlen an winzigen Staubteilchen gestreut werden, welche die Sonne entlang der Ebene des Sonnensystems umgeben. Diese abgeflachte Ansammlung wird als Zodiakalwolke bezeichnet.

Der Staub stammt unter anderem aus Kometen und Asteroiden. Eine im Jahr 2021 veröffentlichte Datenauswertung der Raumsonde Juno deutete auch auf Marsmaterial als Quelle hin. Wie dieses der Anziehungskraft des Mars entkommen konnte, blieb allerdings unklar.

Auch für astronomische Beobachtungen ist das Phänomen relevant. Zodiakallicht bildet insbesondere für Infrarot-Weltraumteleskope einen bedeutenden Vordergrund und muss bei Messungen berücksichtigt werden. Was am Boden wie ein schwacher Lichtkegel erscheint, ist damit zugleich ein Faktor moderner astronomischer Beobachtung.