Wie die Architektur einer Weltraumbasis die mentale Gesundheit von Astronauten auf dem Mond und dem Mars erhält

Auf langen Weltraummissionen reicht es nicht, in einem Schutzraum zu überleben. Stattdessen müssen Raumstationen so gestaltet werden, dass Menschen auch unter Isolation und Enge psychisch stabil bleiben. Wissenschaftler haben darum ein Werkzeug entwickelt, das die mentale Gesundheit bereits bei der Planung von Unterkünftigen berücksichtigt.

Da die Menschheit längere Reisen zu Mond und Mars plant, könnten Räume, in denen wir uns wohlfühlen, über den Erfolg solcher Missionen entscheiden. Bild: Christine Daniloff, MIT/iStock
Da die Menschheit längere Reisen zu Mond und Mars plant, könnten Räume, in denen wir uns wohlfühlen, über den Erfolg solcher Missionen entscheiden. Bild: Christine Daniloff, MIT/iStock

U-Boote, Forschungsstationen in der Antarktis und Notunterkünfte werden vor allem für Sicherheit und Funktionalität entworfen. Bei künftigen Missionen zum Mond und Mars genügt das jedoch nicht: Crews müssen über Monate oder Jahre auch emotional und sozial leistungsfähig bleiben.

Ein Forschungsteam des Massachusetts Institute of Technology (MIT) hat deshalb untersucht, wie die Architektur extremer Lebensräume das mentale Wohlbefinden beeinflusst. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift npj Microgravity veröffentlicht und in einer interaktiven Online-Plattform umgesetzt.

Architektur als Mittel gegen Stress

„Das Bewusstsein dafür, dass das Leben im All schwierig ist, besteht schon seit einiger Zeit“, sagt Mich Lin, Doktorand am MIT und Hauptautor der Studie. „Wir sind weit über den Menschen in einer Blechdose hinaus.“ Da sich unsere Prioritäten auf langfristige Erkundungsmissionen verlagern, werde es noch wichtiger, sicherzustellen, dass eine Crew sicher, gesund, glücklich und produktiv ist.

Die Forschenden werteten wissenschaftliche Studien aus und führten Gespräche mit Fachleuten aus Raumfahrt, Forschung und Industrie. Dabei untersuchten sie unter anderem Beleuchtung, Schlaf, Grundriss, Privatsphäre, soziale Kontakte und die Leistungsfähigkeit von Besatzungen.

Die Planung von Weltraumbasen, wie hier der Mondbasis, wird künftig nicht nur pragmatische und funktionelle Aspekte umfassen. Bild: NASA
Die Planung von Weltraumbasen, wie hier der Mondbasis, wird künftig nicht nur pragmatische und funktionelle Aspekte umfassen. Bild: NASA

Ihr Modell orientiert sich an sogenannten Directed Acyclic Graphs (DAGs), mit denen auch die NASA bei Raumfahrtmissionen Risiken abbildet. Das Team übertrug das Prinzip auf weniger greifbare Faktoren wie Angst, Langeweile, Vertrauen, Neugier, Heimweh und Verbundenheit mit anderen Crewmitgliedern.

Insgesamt identifizierten die Forschenden 14 zentrale emotionale oder verhaltensbezogene Ergebnisse, die durch die Gestaltung eines Lebensraums beeinflusst werden können. Daraus entstand der Human-Environment Connection and Interaction Atlas (HECIA).

Vom Problem zur Lösung

Das digitale Werkzeug kann in verschiedene Richtungen planen. Wer etwa die große Entfernung zur Erde als problematisch auswählt, kann sich mögliche Folgen anzeigen lassen, wie begrenzten Zugang zu Nahrung, medizinischer Versorgung oder Kontakt zu Familie und Freunden – und damit auch ein erhöhtes Risiko für Heimweh.

Umgekehrt kann ein Designer auch nach Möglichkeiten suchen, Heimweh zu verringern. Das System verweist dann etwa auf Gestaltungselemente wie veränderbare Räume und Privatsphäre.

Der besagte Graph (DAG), mit dem sich Risiken feststellen und entsprechende Maßnahmen planen lassen. Bild: Lin, Chen & Arquilla, 2026
Der besagte Graph (DAG), mit dem sich Risiken feststellen und entsprechende Maßnahmen planen lassen. Bild: Lin, Chen & Arquilla, 2026

Auch soziale Isolation lässt sich verringern. „Zugangswege, Treppen und Eingänge tragen zur Entstehung von Freundschaften und sozialem Zusammenhalt bei“, erklärt Lin. Daraus könne die Idee entstehen, öffentliche Räume über private Bereiche miteinander zu verbinden, sodass Bewohner einander zwangsläufig begegnen.

Das System liefert jedoch keine universelle Bauanleitung. „Vielmehr hilft es, über Zusammenhänge nachzudenken, die wichtig sein könnten, aber nicht sofort offensichtlich sind“, sagt Lin. Das Prinzip lässt sich laut den Forschern auch auf U-Boote, Bohrplattformen, Polarexpeditionen, Flüchtlingslager oder Kriegsgebiete übertragen.

„Wenn wir uns vorstellen, wirklich zu einer Spezies außerhalb der Erde zu werden oder Orte im All zu schaffen, an denen wir leben wollen, gibt es ein enormes Potenzial, Lebensräume neu zu denken, die uns glücklich und produktiv machen.“

Artikelreferenz

Lin, M., Chen, L. & Arquilla, K. (2026). Interactive causal diagram of habitat design impacts on behavioral health and performance in extreme environments. npj Microgravity.