Versteckter Exoplanet Beta Pictoris d nach elf Jahren in alten Archivdaten entdeckt

Astronomen hatten vor elf Jahren einen besonders lichtschwachen Exoplaneten versehentlich mitfotografiert – und ihn erst jetzt entdeckt. Beta Pictoris d könnte nun Auskunft darüber geben, wie neue Planetensysteme entstehen.

Beta Pictoris d ist ein neu entdeckter Planet, der den Stern Beta Pictoris umkreist (Mitte). Der neue Planet ist mit einem Pfeil markiert. Bei den anderen beiden bereits nachgewiesenen Planeten handelt es sich um Beta Pictoris b – die helle Lichtquelle links – und Beta Pictoris c (nicht zu sehen). Bild: ESO/B. Sutlieff, M. Bonse et al.
Beta Pictoris d ist ein neu entdeckter Planet, der den Stern Beta Pictoris umkreist (Mitte). Der neue Planet ist mit einem Pfeil markiert. Bei den anderen beiden bereits nachgewiesenen Planeten handelt es sich um Beta Pictoris b – die helle Lichtquelle links – und Beta Pictoris c (nicht zu sehen). Bild: ESO/B. Sutlieff, M. Bonse et al.

Ein internationales Forschungsteam hat einen dritten Planeten im bekannten Sternsystem Beta Pictoris entdeckt. Der Gasriese mit der Bezeichnung Beta Pictoris d ist nur etwa 2,4-mal so massereich wie Jupiter und gehört zu den masseärmsten Exoplaneten, die jemals direkt von der Erde aus abgebildet wurden.

Die Entdeckung gelang mit dem ERIS-Instrument am Very Large Telescope (VLT) der Europäischen Südsternwarte ESO. Eigentlich wollten die Forschenden den bereits bekannten Planeten Beta Pictoris b untersuchen, als sie auf ein unerwartetes Signal stießen.

Ein versteckter Planet

„Dies war eine Zufallsentdeckung“, sagt Ben Sutlieff, Co-Leiter der Studie. „Eigentlich wollten wir einen bereits bekannten Planeten in dem System, Beta Pictoris b, genauer untersuchen, um dessen zeitliche Veränderung zu untersuchen.“

Die Position des Sterns Beta Pictoris ist mit einem roten Kreis im Sternbild Pictor (der Maler) markiert. Wie schon der Name verrät, ist Beta Pictoris der zweithellste Stern in diesem Sternbild. Unter guten Bedingungen ist er mit bloßem Auge sichtbar. Bild: ESO/IAU/Sky & Telescope
Die Position des Sterns Beta Pictoris ist mit einem roten Kreis im Sternbild Pictor (der Maler) markiert. Wie schon der Name verrät, ist Beta Pictoris der zweithellste Stern in diesem Sternbild. Unter guten Bedingungen ist er mit bloßem Auge sichtbar. Bild: ESO/IAU/Sky & Telescope

Markus Bonse, ESO-Astronom und ebenfalls Studienleiter, erinnert sich an den entscheidenden Moment: „‚Da ist noch etwas, hast du das gesehen?‘“ Anschließend durchsuchte das Team frühere Beobachtungen und fand Beta Pictoris d in Daten, die bis zu elf Jahre alt sind.

Der Fundort liegt 63 Lichtjahre von der Erde entfernt. Das Besondere daran ist, dass der Planet bereits mehrfach fotografiert worden war, aber wegen seiner geringen Helligkeit und des starken Leuchtens seines Nachbarn unentdeckt blieb.

„Planet d hat mit uns offenbar über ein Jahrzehnt lang Verstecken gespielt, und erst jetzt können wir sagen: ‚Hab dich!‘“, sagt auch Jayne Birkby von der Universität Oxford.

Beta Pictoris d ist ein Gasriese wie Jupiter oder Saturn, umkreist seinen Stern jedoch auf einer viel größeren Bahn als Beta Pictoris b und c. Mit seiner geringen Masse und niedrigen Temperatur strahlt er nur schwach.

Die Bilderserie zeigt Beobachtungen des Exoplaneten Beta Pictoris d (Pfeil) über einen Zeitraum von mehr als einem Jahrzehnt, mit jeweils unterschiedlichen Instrumenten und Teleskopen. Bild: ESO/B. Sutlieff, M. Bonse et al.
Die Bilderserie zeigt Beobachtungen des Exoplaneten Beta Pictoris d (Pfeil) über einen Zeitraum von mehr als einem Jahrzehnt, mit jeweils unterschiedlichen Instrumenten und Teleskopen. Bild: ESO/B. Sutlieff, M. Bonse et al.

„Der neue Planet ist einhundertmal lichtschwächer als Beta Pictoris b, der berühmte Planet im selben System. Das macht ihn zum lichtschwächsten Exoplaneten, der jemals direkt von der Erde aus fotografiert wurde“, erklärt Bonse.

Wertvolle Archive der Astronomie

Eine unabhängige Forschungsgruppe bestätigte die Entdeckung ebenfalls mit Daten des James-Webb-Weltraumteleskops. Auch in älteren Aufnahmen des VLT-Instruments SPHERE und des JWST-Instruments NIRCam tauchte der Planet auf.

„Zu unserer Freude tauchte er plötzlich in früheren SPHERE-Beobachtungen auf“, sagt Birkby. Valentin Christiaens vom CEA Paris-Saclay ergänzt: „Die Nachweise in den SPHERE-Archivdaten sind nicht nur an sich hochgradig spannend, sie zeigen vor allem auch, dass in den Archiven der VLT-Instrumente noch etliche Schätze verborgen liegen!“

Beta Pictoris ist nach HR 8799 erst das zweite Planetensystem, in dem mehr als zwei Exoplaneten direkt abgebildet werden konnten. „Systeme mit mehreren direkt abgebildeten Exoplaneten gelten als die Krönung solcher Entdeckungen. Sie verraten uns viel darüber, wie sich unterschiedliche Exoplaneten in ein und derselben Entstehungsumgebung entwickeln“, sagt Sutlieff.

Die Entdeckung könnte zudem weitere versteckte Planeten ans Licht bringen. Beth Biller von der Universität Edinburgh erklärt: „Planeten scheinen in Gesellschaft aufzutreten.“ Künftige Teleskope wie das Extremely Large Telescope der ESO könnten daher noch viele weitere unsichtbare Welten aufspüren.

Artikelreferenz

Sutlieff, B. J., Bonse, M. J., Christiaens, V., Fontanive, C., et al. (2026). Direct Imaging Discovery of Giant Exoplanet β Pictoris d: A Decade-Long Game of Hide-and-Seek.
Gibbs, A., Ruffio, J.-B., Bidot, A., Barman, T. S., et al. (2026). Discovery of an Exterior Third Planet Orbiting Pictoris.