Spektralastronomie: Das verrät die Farbe der Sterne über deren physikalische Eigenschaften
Anhand des Sternenlichts lässt sich erkennen, welche Temperatur und chemische Zusammensetzung ein Stern besitzt. Zusammen mit der Helligkeit eines Sterns kann man daraus eine Reihe grundlegender Eigenschaften ableiten.

Die Spektralastronomie gehört zu den wichtigsten Methoden der modernen Astrophysik. Dabei wird das Licht von Himmelskörpern untersucht, indem es in seine einzelnen Wellenlängen zerlegt wird.
Beim Aufsplitten des Lichts entstehen sogenannte Spektren, die wie ein Fingerabdruck Aufschluss über die physikalischen Eigenschaften eines Sterns geben. Schon kleinste Unterschiede im Licht verraten Details, die mit bloßem Auge nicht zu erkennen sind.
Das Prinzip der Spektralanalyse
Wenn Licht durch ein Prisma oder ein Gitter fällt, wird es in sein Farbspektrum aufgespalten. In diesem Spektrum erscheinen dunkle Linien, die als Absorptionslinien bezeichnet werden.
Der deutsche Physiker Joseph von Fraunhofer hatte diese Linien bereits Anfang des 19. Jahrhunderts beschrieben. Im Jahr 1859 entdeckten Robert Wilhelm Bunsen und Gustav Robert Kirchhoff, dass die Linien mit Emissionslinien von chemischen Elementen übereinstimmen. Daher schloss man darauf, dass diese Elemente auf Sternen vorhanden sein müssten.
Heute bilden diese Spektrallinien die Grundlage für die Klassifikation von Sternen.
Spektralklassen – die Ordnung der Sterne
Sterne werden anhand ihrer Spektren in Klassen eingeteilt, die sogenannten Spektralklassen. Die sieben Grundklassen sind O, B, A, F, G, K, M. Die Reihenfolge entspricht einer abnehmenden Oberflächentemperatur.
Dazu kommen die erst später eingeführten Klassen L, T und Y für Braune Zwerge sowie die Klassen R, N und S, die auch als Kohlenstoffklassen der Roten Riesen bezeichnet werden.

Unsere Sonne gehört zur Grundklasse G. Sie stellt damit einen mittelwarmen Stern dar, der weder besonders heiß noch besonders kühl ist. Es existiert noch eine feinere Einteilung mit Zwischenklassen wie G0 bis G9, wobei die Sonne der Klasse G2 angehören würde.
Was Spektren sonst über Sterne verraten
Zusammen mit der Helligkeit (Leuchtkraft) lässt sich durch die Spektralklasse das genaue Lebensstadium eines Sterns ermitteln. Zur genauen Einordnung werden etwa die bekannten Hertzsprung-Russell-Diagramme verwendet.
Für die Hauptreihe lässt sich zudem durch die Masse-Leuchtkraft-Beziehung die Masse eines Sterns bestimmen.

Darüber hinaus geben Spektren Hinweise auf Bewegungen. Durch den sogenannten Doppler-Effekt verschieben sich Linien im Spektrum, wenn sich ein Stern auf die Erde zu- oder von ihr wegbewegt.
Auch das Alter und die Entwicklungsphase eines Sterns lassen sich indirekt bestimmen. Spektralklassen sind daher ein zentrales Werkzeug zur Erforschung stellarer Lebenszyklen.
Gegenwärtige und zukünftige Bedeutung
Mithilfe der Spektralastronomie lassen sich auch Galaxien, Nebel und Exoplaneten untersuchen. Selbst weit entfernte Objekte können analysiert werden, ohne direkt erreicht werden zu müssen. Dank moderner Teleskope und Spektrographen hat sich die Genauigkeit der Bestimmung erheblich verbessert, sodass sich sogar Atmosphären fremder Planeten untersuchen lassen.
Mit neuen Observatorien wird die Spektralanalyse weiter an Bedeutung gewinnen, insbesondere im Bereich der Exoplanetenforschung. Forscher hoffen, mithilfe von Spektren eines Tages eindeutige Hinweise auf Leben außerhalb der Erde zu finden. Das Licht ferner Welten könnte somit Antworten auf eine der größten Fragen der Menschheit liefern.
Quellenhinweis:
Max Planck Institut: Die Spektralklassen.
Universität Göttingen: Spektralklassen und Leuchtkraftklassen.
NASA: Types of Stars.