Während der Hitzewelle: Bahnchaos hält an

Plötzlich ging nichts mehr: Eine bundesweite Funkstörung legte den Bahnverkehr lahm und tausende Reisende saßen fest.

Die Deutsche Bahn hat in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch mit großen Problem zu kämpfen gehabt (Foto: Adobe Stock)

Am späten Dienstagabend (23. Juni) kam es bei der Deutschen Bahn zu einem massiven Ausfall: Bundesweit wurde der Zugverkehr für rund zwei Stunden gestoppt. Züge standen an Bahnhöfen oder auf freier Strecke, Reisende mussten ausharren. Erst gegen 0.30 Uhr rollten die ersten Verbindungen wieder an. Am frühen Morgen stabilisierte sich der Betrieb schrittweise, wie ein Sprecher mitteilte.

Ursache war eine Störung im digitalen Bahnfunksystem GSM-R. Dieses System ist essentiell für die Kommunikation im Zugverkehr. Die genaue Ursache wurde zwar noch in der Nacht identifiziert, Details dazu nannte die Bahn jedoch nicht. IT-Experten arbeiteten durchgehend an der Behebung. Laut Unternehmen konnte das Problem innerhalb kurzer Zeit gelöst werden.

Verspätungen bis in den Morgen

Trotz der schnellen Entstörung kam es auch am Mittwochmorgen noch zu erheblichen Einschränkungen. Mehrere Regionalbereiche warnten vor Folgeproblemen. So wurde etwa mitgeteilt, dass bis mindestens 6 Uhr mit Verspätungen und kurzfristigen Zugausfällen zu rechnen sei. Auch danach dauerte es, bis sich der Verkehr vollständig normalisierte. Und das, während Deutschland unter einer Hitzewelle leidet.

Nicht nur Fernzüge sind betroffen

Die Auswirkungen reichten weit über den Fernverkehr hinaus. Auch Regionalzüge, S-Bahnen und private Bahnunternehmen waren betroffen. In Städten wie Berlin und Stuttgart wurde der gesamte S-Bahn-Verkehr vorübergehend eingestellt. Verkehrsunternehmen meldeten, dass nahezu alle Strecken beeinträchtigt waren. Der Güterverkehr, der vor allem nachts unterwegs ist, kam ebenfalls zum Erliegen.

In Berlin kam der S-Bahn-Verkehr zum Erliegen (Foto: Adobe Stock)

Kritik kam vom Verband privater Güterbahnen. Dort wurde gefordert, die Ursache des Ausfalls umfassend und unabhängig zu untersuchen. Eine reine Erklärung durch die Betreiberin reiche nicht aus.

Chaos und Frust bei den Reisenden

Für viele Fahrgäste bedeutete die Störung vor allem eines: Unsicherheit. Lange Schlangen bildeten sich an Informationsschaltern, während konkrete Auskünfte häufig fehlten. Zwar stellte die Bahn nach eigenen Angaben Taxi- und Hotelgutscheine bereit, doch in einigen Städten waren Unterkünfte bereits ausgebucht.

Teilweise kam es auch zu ungewöhnlichen Situationen. So fuhr ein ICE nahezu leer ab, obwohl viele Reisende warteten – sie waren offenbar nicht informiert worden. Andere Passagiere berichteten, dass ihre Züge zunächst stehen blieben und dann nur bis zum nächsten Bahnhof weiter fuhren.

Störung mit Signalwirkung

Ein besonders drastischer Fall wurde aus Würzburg gemeldet: Dort stand ein ICE rund drei Stunden lang im Bahnhof. Fahrgäste erhielten Wasser, Snacks und Formulare für Rückerstattungen. Ein Zugbegleiter sprach von einer außergewöhnlichen Situation, die er in seiner langjährigen Laufbahn so noch nicht erlebt habe.

Das betroffene GSM-R-System ist speziell für den Bahnverkehr entwickelt und ermöglicht unter anderem Sprachkommunikation, Notrufe und Datenübertragung. Ein ähnlicher Ausfall hatte bereits 2022 für Probleme gesorgt. Die aktuelle Störung ereignete sich zudem kurz vor einer wichtigen Aufsichtsratssitzung der Bahn.

Artikelreferenz

t-online.de. Bahn-Chaos in Deutschland.