T-Shirt-Wetter am Tag, Frost in der Nacht: Warum der Herbst jetzt so starke Temperaturunterschiede bringt

Nachmittags scheint die Sonne, nachts nähert sich das Thermometer dem Gefrierpunkt. Wie können solche extremen Temperaturunterschiede in so kurzer Zeit zustande kommen?

Schon bald stehen uns verbreitet die ersten frostigen Nächte bevor, obwohl es jetzt tagsüber nochmal warm wird. Wie passt das zusammen und warum sollte man zwischen Bodenfrost und Luftfrost unterscheiden? - © Tobias Röser
Schon bald stehen uns verbreitet die ersten frostigen Nächte bevor, obwohl es jetzt tagsüber nochmal warm wird. Wie passt das zusammen und warum sollte man zwischen Bodenfrost und Luftfrost unterscheiden? - © Tobias Röser

Umso weiter wir uns auf dem Kalender in Richtung Jahresende bewegen, desto wahrscheinlicher wird nun der Frost wieder ein Thema werden.

Der Herbst hat zwei Gesichter

Ein sonniger Oktobernachmittag kann sich noch einmal fast wie Spätsommer anfühlen. Doch sobald die Sonne untergeht, fallen die Temperaturen teilweise rapide. In klaren Nächten kann es bereits zu Bodenfrost kommen, obwohl es tagsüber noch für T-Shirt-Wetter gereicht hat. Dieser starke Kontrast ist kein Widerspruch, sondern eine typische Besonderheit des Herbstes.

Entscheidend ist, wie viel Energie der Boden tagsüber aufnimmt und nachts wieder abgibt. Dabei spielen nicht nur die Jahreszeit, sondern auch Bewölkung, Wind und die Eigenschaften des Untergrunds eine wichtige Rolle.

Warum die Nächte jetzt so stark auskühlen

Tagsüber trifft Sonnenstrahlung auf den Erdboden und erwärmt dessen Oberfläche. Diese gibt einen Teil der aufgenommenen Energie als Wärme an die darüberliegende Luft ab. Bei ausreichend Sonnenschein kann die Temperatur deshalb auch im Oktober noch deutlich steigen – vor allem, wenn gleichzeitig milde Luft nach Deutschland gelangt.

Tagsüber wird es in den nächsten Tagen zumindest regional nochmal so aussehen. Mit zunehmender Verfärbung der Blätter wird der Oktober für viele noch einmal golden - © Tobias Röser
Tagsüber wird es in den nächsten Tagen zumindest regional nochmal so aussehen. Mit zunehmender Verfärbung der Blätter wird der Oktober für viele noch einmal golden - © Tobias Röser

Nach Sonnenuntergang ändert sich die Energiebilanz: Der Boden gibt Energie in Form langwelliger Wärmestrahlung ab und kühlt dabei aus. Bei klarem Himmel kann ein großer Teil dieser Energie ins Weltall entweichen. Wolken wirken dagegen wie eine Art "Decke" und bremsen die Abkühlung der Erdoberfläche.

Hinzu kommen die längeren Nächte. Der Boden hat mehr Zeit, Wärme zu verlieren, als in den kurzen Sommernächten. Ist es zudem windschwach, wird die kalte Luft in Bodennähe kaum mit wärmerer Luft aus höheren Schichten durchmischt. So kann sich direkt über dem Boden eine besonders kalte Luftschicht bilden.

Bodenfrost trotz Plusgraden

Hier kommt ein wichtiger Unterschied ins Spiel: Die offizielle Lufttemperatur wird an Wetterstationen in zwei Metern Höhe gemessen. Für die Erfassung von Bodenfrost wird dagegen unter anderem die Temperatur in fünf Zentimetern Höhe über dem Erdboden betrachtet.

Deshalb kann die Temperatur in Bodennähe bereits unter null Grad fallen, während das Thermometer in zwei Metern Höhe noch drei, vier oder fünf Grad anzeigt. Bodenfrost ist also nicht dasselbe wie Luftfrost. Von Luftfrost spricht man, wenn die Temperatur in zwei Metern Höhe unter den Gefrierpunkt sinkt. Tritt Luftfrost auf, ist in der Regel auch Bodenfrost vorhanden.

Ein typisches Bild des Herbstes: Umso mehr wir uns in den Voll- und Spätherbst begeben, desto länger werden die Nächte und der Boden kann auskühlen. Ist dann genug Feuchtigkeit im Spiel, bildet sich Reif
Ein typisches Bild des Herbstes: Umso mehr wir uns in den Voll- und Spätherbst begeben, desto länger werden die Nächte und der Boden kann auskühlen. Ist dann genug Feuchtigkeit im Spiel, bildet sich Reif

Wenn feuchte Luft auf entsprechend kalte Oberflächen trifft, kann sich außerdem Reif bilden. Dabei geht Wasserdampf direkt in Eiskristalle über. Das erklärt, warum eine Wiese am Morgen weiß glitzern kann, obwohl die Lufttemperatur im Wetterbericht noch im positiven Bereich liegt.

Warum es auf dem Land kälter wird als in der Stadt

Nicht jeder Ort kühlt nachts gleich stark aus. Besonders in Senken und Tälern kann sich kalte Luft sammeln, weil sie dichter ist als wärmere Luft. An Hängen und auf Anhöhen bleibt es unter passenden Bedingungen deshalb häufig milder. Auch Städte sind oft etwas wärmer als ihr Umland: Gebäude, Straßen und gespeicherte Wärme können die nächtliche Abkühlung bremsen.

Wind und Wolken verändern die Lage ebenfalls. Eine geschlossene Wolkendecke hält einen Teil der Wärmestrahlung zurück, während stärkerer Wind die Luftschichten durchmischt. Beides erschwert eine ausgeprägte Abkühlung direkt am Boden.

Mild am Tag, frostig in der Nacht - was erwartet uns?

In der kommenden Woche könnte sich genau dieses Herbstmuster zeigen. Nach dem wechselhaften Wochenende erwartet uns ab Montag eine Wetterberuhigung. Tagsüber sind nochmal vielerorts 15 bis 20 Grad drin, doch die Nächte werden zunehmend kälter und erste Boden- stellenweise sogar Luftfröste können auftreten.

Das ist allerdings keine Garantie für Frost an jedem Ort. Entscheidend wird sein, wo es aufklart, wie stark der Wind nachlässt und wie viel Wärme der Boden in der Nacht verliert. Der Herbst zeigt damit einmal mehr, warum ein Blick auf die Tageshöchsttemperatur allein nicht ausreicht, um das Wetter eines ganzen Tages einzuschätzen.