Stinkwanzen am Fenster – draußen und drinnen: Warum sie im Herbst ins Haus krabbeln und wie Sie sie fernhalten

Stinkwanzen am Fenster, auf dem Balkon und plötzlich im Wohnzimmer: Die ungebetenen Gäste können zur echten Plage werden und lösen bei vielen Ekel aus. Warum sie jetzt hereinkrabbeln, wie Sie sie fernhalten und weshalb Sie sie besser nicht zerdrücken.

Ungebetene Wintergäste: Stinkwanzen zieht es im Herbst in Ihr Zuhause – doch wer sie zerdrückt, bereut es schnell.
Ungebetene Wintergäste: Stinkwanzen zieht es im Herbst in Ihr Zuhause – doch wer sie zerdrückt, bereut es schnell.

Eine Wanze krabbelt über die Fensterbank, die nächste sitzt am Vorhang. Vielleicht haben Sie schon zum Taschentuch gegriffen, um den ungebetenen Gast loszuwerden – und den Fehler sofort gerochen.

Bei Bedrohung oder beim Zerquetschen können Stinkwanzen ein intensiv riechendes Abwehrsekret freisetzen. Nehmen Sie einzelne Tiere besser mit einem Glas und einer festen Karte auf. Auch beim Einsaugen mit dem Staubsauger kann unangenehmer Geruch entstehen.

Doch warum kommen die Tiere überhaupt zu uns in die Wohnhäuser?

Ihr Zuhause wird zum Winterquartier für die ungebetenen Gäste

Die Marmorierte Baumwanze (Halyomorpha halys) sucht im Herbst wegen der sinkenden Temperaturen geschützte Plätze zum Überwintern. Während der warmen Jahreszeit lebt sie draußen und ernährt sich von Pflanzensäften. Essensreste oder mangelnde Sauberkeit sind also nicht der Grund für die ungebetenen Besuch.

Kürzere Tage und Kälte sind ursächlich für die Suche nach einer Winterbleibe. Rollladenkästen, Dachräume und Hohlräume bieten geeignete Verstecke. Kleine Spalten an Fenstern und Türen ermöglichen den Zugang.

Wann Sie besonders viele Tiere entdecken, hängt dementsprechend vom regionalen Klima und vom Wetter ab. Die Quartiersuche kann zwischen September und November stattfinden – in verschiedenen europäischen Ländern also zu unterschiedlichen Zeiten.

Warum sammeln sie sich ausgerechnet an Ihrem Fenster?

Vielleicht fällt Ihnen auf, dass bestimmte Fenster häufiger besucht werden. Sonnenbeschienene Fassaden bieten während milder Tagesstunden günstige Aufenthaltsplätze. Dort können sich Wanzen sammeln, bevor sie eine Öffnung finden.

Auch chemische Signale, sogenannte Aggregationspheromone, können die Tiere zusammenführen. Diese Duftstoffe dienen anderen Wanzen als Hinweis auf Artgenossen und begünstigen, dass sie sich am selben Ort sammeln. Mehrere Tiere bedeuten aber nicht, dass Ihre Wohnung zum Brutplatz geworden ist. Während der Überwinterung vermehrt sich die Marmorierte Baumwanze normalerweise nicht in Wohnräumen.

Sie beschädigt keine Möbel oder Holzbauteile. Mit Bettwanzen hat sie ebenfalls nichts zu tun: Diese Baumwanzen suchen Schutz, keine menschliche Blutmahlzeit.

So erschweren Sie den nächsten Besuch

Schließen Ihre Fensterdichtungen vollständig? Hat das Fliegengitter Löcher? Gibt es offene Fugen am Rahmen? Prüfen Sie auch Rollladenkästen und Dachzugänge.Reparieren Sie beschädigte Gitter und verschließen Sie geeignete Spalten.

Knoblauch, Minze und andere Hausmittel ersetzen eine zuverlässige physische Barriere leider nicht. Auch wahlloses Sprühen von Insektiziden beseitigt offene Zugänge nicht. Solange ein Durchschlupf bleibt, können weitere Tiere hineinkommen.

Warum im Winter plötzlich wieder eine auftaucht

Mit zunehmender Kälte bewegen sich die Wanzen weniger und bleiben in ihren Verstecken. Heizungswärme oder eine milde Wetterphase kann sie wieder aktiv werden lassen. Ein Tier an Ihrer Wand muss deshalb nicht gerade erst eingedrungen sein.

Und hier die gute Nachricht: Im Frühjahr verlassen überlebende erwachsene Tiere ihre Quartiere, um draußen Nahrung zu suchen und sich fortzupflanzen.

Erschrecken Sie nicht: Die Stinkwanze sucht ein Winterquartier – Ihre Möbel lässt sie in Ruhe, Ihre Nase beim Zerdrücken allerdings nicht.
Erschrecken Sie nicht: Die Stinkwanze sucht ein Winterquartier – Ihre Möbel lässt sie in Ruhe, Ihre Nase beim Zerdrücken allerdings nicht.

Für Obstkulturen ist die Lage ernster

Die ursprünglich asiatische Marmorierte Baumwanze hat sich in verschiedenen europäischen Ländern ausgebreitet. Sie sticht Pflanzengewebe an und saugt Pflanzensäfte. Dadurch können Verformungen und Qualitätsverluste an Früchten entstehen. Betroffen sind unter anderem Obstplantagen und Haselnusskulturen.

Zur biologischen Bekämpfung wird in einigen Regionen die Samuraiwespe eingesetzt. Sie legt ihre Eier in die Eier der Baumwanze und verhindert deren Entwicklung. Die Methode soll Bestände begrenzen, beseitigt das Problem aber nicht vollständig.

Nicht jede Wanze auf Ihrem Balkon gehört zu dieser invasiven Art. Für Ihre Wohnung bleibt der wichtigste Ansatz: Tiere vorsichtig aufnehmen und Zugänge sichern.