Steht das Klimachaos etwa schon vor der Tür?

Wenn sich nicht bald etwas an der Klimapolitik ändert, dann wahrscheinlich ja. Zu diesem Schluss kam eine Studie erstklassiger internationaler Wissenschaftler. Das Klimachaos steht bereits vor der Tür. Die globale Durchschnittstemperatur könnte bis 2100 bis zu 4 ºC ansteigen.

Juan José Villena Juan José Villena Daniela Aragón 22 Mär 2019 - 01:00 UTC
Klimachaos
Wenn sich die Klimapolitik nicht ändert, könnte die globale Durchschnittstemperatur um 4 ºC steigen.

Während die Länder weiterhin zögern und keine sofortigen Maßnahmen gegen die globale Erwärmung ergreifen, könnte der Erde, laut einer aktuellen Studie, die im Nature veröffentlicht wurde, ein Klimachaos bevorstehen. „Ändert sich nichts an der derzeitigen Weltpolitik, dann steht uns eine Erderwärmung von ca. 3 bis 4 ºC über dem vorindustriellen Niveau bevor", warnt Professor Nick Golledge vom Antarctic Research Center, welches von der Victoria University of Wellington in Neuseeland abhängig ist. Dieses Szenario würde die Schmelze in Grönland und der Antarktis beschleunigen. Eine große Menge Wasser würde dann in die Ozeane fließen und deren Verhalten beeinflussen. „Dies wird zu erheblichen Störungen der Meeresströmungen führen und die globale Erwärmung verändern", sagt Golledge.

Nick Golledge leitet ein internationales Forschungsteam, zu dem Wissenschaftler aus Kanada, Neuseeland, Großbritannien, Deutschland und den USA gehören. Die Auswirkungen, die sie aufführen, sind nicht neu, aber doch schwerwiegender. Ein wahres Klimachaos könnte bevorstehen. Die Studie verdoppelt den erwarteten Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur von 2 °C (das "politische" Ziel für 2100) auf etwa 4 °C und weißt deutlich auf einen "starken Anstieg" des Meeresspiegels hin. Die Studie basiert auf sehr detaillierten Simulationen, die von der aktuellen Eisschmelzgeschwindigkeit ausgehen. Zu diesem Zweck haben sie auf Satellitenbeobachtungen zurückgegriffen, durch die laut den Wissenschaftlern zuverlässigere und genauere Vorhersagen darüber getroffen werden können, was geschehen wird, wenn sich die derzeitige Klimapolitik nicht ändert.

Die Simulationen deuten darauf hin, dass sich der Meeresspiegelanstieg im Laufe der Jahre, insbesondere ab dem Jahr 2065, beschleunigen wird. Die schmelzenden Eisplatten wirken sich auch auf die Wassertemperatur und die Wasserzirkulation in den Ozeanen aus, was wiederum die Troposphäre beeinflusst. Im Nordatlantik beispielsweise wird der Golfstrom erheblich schwächer, wodurch die Temperaturen in der Arktis, im Osten Kanadas und in Mittelamerika steigen und in Westeuropa sinken. Zum Glück sind sich die Wissenschaftler einig, noch haben wir genügend Zeit, um dem Klimachaos zu entgehen. "Wenn wir die Emissionen drastisch reduzieren, können wir zukünftige Auswirkungen einschränken", versichert Golledge.

Die Klimadaten 2018 bereiten den Wissenschaftlern Sorgen

Vor wenigen Tagen ernannte der US-amerikanische Wetterdienst NOAA das Jahr 2018 zum viert wärmsten, in einer historischen Serie von 139 Jahren. Es befindet sich nach 2016 (dem wärmsten), 2015 (dem zweit wärmsten) und 2017 (dem dritt wärmsten). Diese Klassifizierung wird von der NASA, dem British Met Office und der World Meteorological Organization bestätigt. Seit 1977 werden bereits 42 aufeinander folgende Jahre mit einer globalen Temperatur über dem Durchschnitt verzeichnet. Und neun der zehn wärmsten Jahre sind seit 2005 aufgetreten. Da ist das Klimachaos nicht mehr weit!

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