Müssen wir die Natur reparieren oder uns um sie kümmern, um den Klimawandel zu bekämpfen?

In unserer anthropogenen Weltanschauung steht der Mensch im Mittelpunkt, und die Natur lässt sich nach unseren Bedürfnissen formen. Diese Sichtweise muss sich ändern, wenn wir den Klimawandel bewältigen wollen.

„Die Natur braucht keine Hilfe vom Menschen, sondern mehr Fürsorge“, argumentiert der Autor Richard King.
„Die Natur braucht keine Hilfe vom Menschen, sondern mehr Fürsorge“, argumentiert der Autor Richard King.
Ameya Paleja
Ameya Paleja Meteored Vereinigtes Königreich 4 min

Das Weltklima verändert sich, und wir alle haben dies miterlebt. Von einer steigenden Zahl von Waldbränden und Hurrikanen bis hin zu feuchteren Wintern und wärmeren Sommern in Europa haben wir im letzten Jahrzehnt unerwartete und extreme Wetterereignisse erlebt. Wissenschaftler und Unternehmer setzen darauf, dass wir dieses Problem lösen können. Doch in dem Buch „Brave New World“ fragt der Autor Richard King, ob die Welt überhaupt einer Lösung bedarf.

Das Anthropozän und technische Lösungen

Es ist längst keine Neuigkeit mehr, dass der Klimawandel auf menschliche Aktivitäten zurückzuführen ist. Unser Planet hat bereits mehrere Zeitalter durchlaufen, und das aktuelle wird als Anthropozän bezeichnet – ein Zeitalter, in dem menschliche Aktivitäten die Lebensbedingungen verändern und Spuren in den geologischen Aufzeichnungen hinterlassen.

Mit einer solchen Definition stellen wir Menschen uns selbst in den Mittelpunkt der Geschichte der Erde, in der die Zerstörung des Planeten von uns Menschen verursacht wird und es auch an uns liegt, sie zu beheben. Dazu gehören Ansätze wie Geoengineering, bei dem das Sonnenlicht von der Erde abgehalten wird, oder die Wiederbelebung längst ausgestorbener Tierarten wie des Wollhaarmammuts oder des Dodos.

King bezeichnet diese als „Technofixes“ und warnt davor, dass wir die Gefahren dieser Eingriffe nicht vollständig verstehen. So könnten sich beispielsweise selbstreplizierende Nanomaschinen, die zur Beseitigung von Ölverschmutzungen entwickelt wurden, außer Kontrolle geraten und den gesamten Planeten beeinträchtigen.

Sorge für die Natur

Kings Befürchtungen beziehen sich nicht auf Nanobots oder künstliche Intelligenz, die sich der menschlichen Kontrolle entziehen, sondern darauf, wie wir den Planeten unseren Bedürfnissen unterwerfen. Der Autor hebt hervor, dass wir die Natur als etwas „unendlich Formbares“ betrachten, das von Menschenhand für menschliche Bedürfnisse gestaltet wird.

In einem neuen Konzept namens „Ökohumanismus“ vertritt King die Ansicht, dass wir Menschen erkennen müssen, dass die Natur uns prägt und wir die Natur prägen. Dabei geht es nicht darum, uns von anderen Tieren auf diesem Planeten abzugrenzen, sondern anzuerkennen, dass wir den Planeten nicht ausschließlich zu unserem eigenen Vorteil nutzen dürfen.

Das Buch fordert die moderne Wissenschaft zudem auf, sich von technischen Lösungen abzuwenden und stattdessen eine fürsorgliche Haltung gegenüber der Natur einzunehmen. Dazu müssen wir aufhören, die Natur als etwas Fernes zu betrachten, sondern sie vielmehr als etwas erleben, das uns nahe ist. Er schlägt außerdem vor, dass Entscheidungen, die die Natur betreffen, stärker dezentralisiert werden sollten, wobei die Entscheidungsgewalt an Menschen übertragen wird, die der Natur viel näher stehen als zentralisierte Entscheidungsträger und Politiker.

Güte erfordert auch Demut unsererseits. Trotz all unserer technologischen Fortschritte verstehen wir nicht, wie das Leben entsteht und warum es endet. Wir müssen akzeptieren, dass die Natur eine Kraft ist, die uns weit übersteigt, und sie nach ihren eigenen Maßstäben betrachten. Erst dann werden wir aufhören, unseren Planeten „reparieren“ zu wollen, und ihn als einen Ort mit vielen Möglichkeiten betrachten.

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