Iran-Krieg erhöht die EU-Abhängigkeit von US-LNG-Gas

Das Institute for Energy Economics and Financial Analysis (IEEFA) hat sich in einem aktuellen Bericht eingehend mit den prognostizierten Gasmengen und deren veränderte Importströme für Europa beschäftigt. Das Fazit: Wir haben bei Gasimporten keine Mangellage, aber eine erhöhte Abhängigkeit von einem großen Lieferland.

LNG-Importe aus den USA in die EU nehmen stark zu
LNG-Importe aus den USA in die EU nehmen stark zu

Der Bericht geht davon aus, dass Europas Abhängigkeit von US-LNG-Gas bereits in diesem Jahr einen neuen Rekordwert erreichen wird. Der Grund unser Kontinent sucht dringend nach Alternativen zu ausgefallenen Lieferketten aus dem Nahen Osten.

Der Bericht beschreibt die Situation auch im Rückblick auf das Jahr 2022. Die EU habe seiter versucht, ihre Lieferquellen für Erdgas zu diversifizieren.

Bis zum Februar 2022 war unser Kontinent zu großen Teilen von billigem Erdgas aus Russland abhängig.

LNG als Alternative

Die Lieferungen von amerikanischem LNG, also von Flüssigerdgas auf dem Seeweg, haben sich dabei durchaus als entscheidender Ersatz für die stillgelegten oder zerstörten Gasleitungen aus Russland erwiesen.

In all den Jahren, speziell nach der Einsetzung von Donald Trump als Präsident der USA, haben einige europäische Beamte davor gewarnt, dass unser Kontinent Gefahr läuft, eine übermäßige Abhängigkeit gegen eine andere auszutauschen.

Dazu sagte die leitende Energieanalystin der IEEFA, Ana Maria Jaller-Makarewicz, gegenüber BLOOMBERG:

LNG ist zur Achillesferse der europäischen Energiesicherheitsstrategie geworden und hat den Kontinent hohen Gaspreisen und neuen Formen der Versorgungsunterbrechung ausgesetzt

Senkung geopolitischer Risiken durch Reduzierung der LNG-Importe

Die durch den Iran-Krieg ausgelöste Energiekrise hat rund 20% der weltweiten Flüssigerdgas (LNG) -Versorgung beeinträchtigt. Dies führt nach dem Bericht zwangsläufig zu einer erhöhten Gaspreisvolatilität und gefährdet auch die Energiesicherheit Europas.

Die europäischen Importe von LNG aus Katar gingen im ersten Quartal des Jahres 2026 deutlich zurück. Die Schließung der Meeresenge von Hormus ab Anfang März hatte Katars LNG-Exporte stark begrenzt.

Dies führte dazu, dass Europa noch stärker auf seine beiden bestehenden, größten LNG-Lieferanten angewiesen war, und zwar die USA und Russland. Die europäischen LNG-Importe aus beiden Ländern erreichten im ersten Quartal 2026 Rekordwerte.

Daten und Fakten

Die Nachrichtenagentur REUTERS berichtete, dass die europäischen Länder bis 2028 voraussichtlich etwa 80% ihrer Flüssigerdgaslieferungen aus den USA importieren werden.

Der IIEFA - Bericht zeigt auf, dass die USA auf dem Weg dazu sind, schon im Jahr 2026 Europas größter Gaslieferant zu werden. Die Berechnungsbasis erfolgte auf Basis der gesamten LNG- und ⁠Pipeline-Importe.

Europa wird in diesem Jahr zwei Drittel seiner LNG-Lieferungen aus den USA beziehen. Die Importwerte des Jahres 2025 für Flüssigerdgas aus den USA lagen mit 58% bereits über der Hälfte der Gesamtmengen.

Die USA hat ihre LNG-Importe nach Europa zwischen 2021 und 2025 mehr als verdreifacht.

LNG-Terminal
LNG-Terminal

Russland: immer noch ein Lieferant für Erdgas

Auch russisches LNG-Gas spielt in Europa immer noch eine beachtenswerte Rolle. Die EU-Einfuhren von ⁠russischem LNG stiegen im ersten Quartal des Jahres 2026 um 16 % gegenüber dem gleichen Zeitraum des Jahres 2025 an.

Die EU hat kurzfristige russische LNG-Verträge ⁠im April formell untersagt, wobei das vollständige Verbot russischer LNG-Importe ab Januar 2027 gilt. Das Verbot russischen Pipeline-Gas nach Europa ist für September 2027 geplant.

Dies wird zwangsläufig dazu führen, dass die Bezüge an USA-LNG zunehmen werden, während parallel dazu die Einkäufe von russischem LNG langsam auslaufen.

Damit entsteht nach Ansicht der IEEFA eine zunehmende Gefahr, dass in Europa eine "neue Energieabhängigkeit" von einem einzigen Lieferanten geschaffen wird, wie dies schon vor Beginn des Ukraine-Krieges mit der Importabhängigkeit von Russland der Fall war.

Marktdominanz bedeutet nach den Gesetzen der Marktwirtschaft auch Preisdominanz. Europa wird mangels LNG-Alternativen aus dem Nahen Osten sprichwörtlich nach der Pfeife der willkürlichen Entscheidungen des unberechenbaren US-Präsidenten tanzen.

Die IEEFA empfahl der EU mit hoher Priorität und Dringlichkeit in ⁠erneuerbare Energieträger für die Stromerzeugung und bei den Heizungssystemen in Wärmepumpen zu investieren, um damit die Abhängigkeit von den volatilen fossilen Lieferketten zu reduzieren.

Deutschland - und unser LNG

Im Jahr 2025 hat Deutschland insgesamt 864 TWh Gas verbraucht. Damit stieg der Verbrauch um 2,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (845 TWh). Auf den Verbrauch der Haushalts- und Gewerbekunden entfielen 40 % und auf den Verbrauch der Industrie entfielen 60 %.

Im Vergleich zum Durchschnittsverbrauch der Jahre 2018 bis 2021 ist der deutsche Erdgasverbrauch um 11,9 % zurückgegangen. Haushalts- und Gewerbekunden haben dabei 12,8 % gespart, Industriekunden 11,3 %.

Insgesamt wurden im Jahr 2025 106 TWh Erdgas über deutsche LNG-Terminals nach Deutschland importiert. Dies entspricht einem Anteil von 10,3 % an den gesamten deutschen Gasimporten. Nach Angaben des BDEW (Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e. V.) stammten im Jahr 2025 rund 96 % der deutschen LNG-Importe aus den USA.

Deutschland hat im Jahr 2025 nach vorläufigen Zahlen insgesamt 1.031 TWh (2024: 864 TWh) Erdgas importiert. Hauptlieferanten waren Norwegen (456 TWh), die Niederlande (250 TWh) und Belgien (214 TWh).

Die Gasexporte in die Nachbarländer sind im Vergleich zum Vorjahr deutlich gestiegen: Insgesamt wurden im Jahr 2025 221 TWh (2024: 89 TWh) exportiert. Österreich mit 46 % hatte daran den größten Anteil, gefolgt von Tschechien mit knapp 26 % und der Schweiz mit etwa 13 %.

Veränderungen sind möglich

Nach dem Bericht der IEEFA habe Europa zwar keine Kontrolle über LNG-Lieferunterbrechungen. Unser Kontinent könne aber seinen Energieverbrauch weiter reduzieren und sich auf andere Alternativen, auch aus dem regenerativen Bereich, diversifizieren. Dies würde die Importabhängigkeit verringern.

Die neue „AccelerateEU-Strategie“ der EU, die im April 2026 vorgestellt wurde, zielt darauf ab, diesen Übergang zu beschleunigen und die Widerstandsfähigkeit unseres Kontinents gegenüber Energieengpässen zu stärken.

Sie baut auf dem Programm „REPowerEU“ auf, dass die EU im Jahr 2022 auf den Weg gebracht hat. Seinerzeit war es das Ziel, die Abhängigkeit von russischen fossilen Brennstoffen bis 2027 zu beenden. REPowerEU soll auch dazu beitragen hat, den EU-Gasbedarf insgesamt zu senken.

Die IEEFA hat berechnet, dass die EU mit einer konsequenten Umsetzung sowohl der neuen Strategie vom April 2026 als auch des Programms von 2022 die LNG-Importe bis 2030 um 29 % senken könnten. Damit würde unser Risiko gegenüber geopolitischen Risiken verringert werden.

Quellenhinweise:

IEEFA: European LNG Tracker

Bundesnetzagentur: Gasversorgung Deutschland 2025

Europäische Union: AccelerateEU-Strategie

Europäische Union: REPowerEU

Verpassen Sie nicht die neuesten Nachrichten von Meteored und genießen Sie alle unsere Inhalte auf Google Discover völlig KOSTENLOS

+ Folgen Sie Meteored