Hoch Daniel legt die Schifffahrt lahm

Hoch Daniel sorgt in Deutschland für ein Wetter-Karussell: Während im Westen schon frühlingshafte Temperaturen locken, erstarren Ostsee, Kanäle und Wasserstraßen im Eis.

Dicke Eisschollen auf dem Mittellandkanal (Foto: Adobe Stock)

Manchmal spielt das Wetter seine eigenen Spiele: Ein Hochdruckgebiet namens Daniel sorgt dafür, dass Deutschland am Samstag ein extrem gespaltenes Gesicht zeigt. Während der Westen bereits die Jacke ausziehen könnte, friert der Nordosten förmlich zu – und das mit Konsequenzen, die selbst routinierte Kapitäne zum Zittern bringen.

Auf dem Mittellandkanal türmen sich die Eisschollen

An vielen Wasserstraßen ist kaum noch ein Durchkommen. Eisschollen türmen sich auf dem Mittellandkanal, Hiddensee wird nur im Notverkehr angelaufen, und sogar die Elbfähre zwischen Glückstadt und Wischhafen steht still. Der Winter hat die Schifffahrt fest im Griff – ein Bild, das man sonst nur aus nordischen Breiten kennt. Auf dem Mittellandkanal bei Magdeburg wurde der Schiffsverkehr bereits am Freitagabend komplett eingestellt, weil die Eisplatten stellenweise bis zu einem halben Meter hoch liegen. Auch die Fähre zur Ostseeinsel Hiddensee schafft es nur noch mit Hilfe eines Eisbrechers an Land – der reguläre Fährbetrieb ist ausgesetzt.

Dramatische Temperaturunterschiede im Land

Der Grund für diese Kälte-Schere ist meteorologisch simpel, aber wirkungsvoll: Das Hoch "Daniel" stabilisiert im Westen eine mildere Luftmasse, lässt dort Temperaturen von bis zu zehn Grad zu, während östlich davon eisige Luft die Oberhand behält. "Wer am Wochenende durch Deutschland reist, kann wettertechnisch fast alles erleben", betont Klimatologe Dr. Karsten Brandt gegenüber der "Bild"-Zeitung und ergänzt: "Im Westen und Südwesten werden bereits am Samstag nahezu frühlingshafte Temperaturen erreicht … Auch am Sonntag sind im Westen sieben bis acht Grad möglich." Doch der Experte warnt auch vor den Spannweiten von bis zu 13 oder 14 Grad Temperaturunterschied innerhalb von Deutschland. "In Hamburg werden am Sonntagmittag fünf bis minus Grad erwartet. In Berlin sogar rund minus acht Grad", erklärt Dr. Brandt.

Tauwetter ist vorerst nicht in Sicht

Doch vor allem für die Schifffahrt und alle, die damit in Verbindung kommen, werden diese extremen Temperaturen zum Balanceakt. Für Familien auf Hiddensee, Passagiere der Elbfähre oder Berufsschiffer bedeuten die aktuellen Bedingungen ein Feststecken zwischen Eisplatten und Hafenkanten. Selbst spezielle Schiffe wie Eisbrecher müssen aushelfen, damit Versorgung und Transport überhaupt möglich bleiben. Und das Schlimme: Tauwetter ist vorerst nicht in Sicht. Stattdessen bleiben uns Eis und Frost weiterhin erhalten. Dadurch könnten auch die gesperrten Routen auf Kanälen und Küstengewässern noch länger so bleiben wie sie sind.