Geothermie in Deutschland
Unter der Erde ist es warm. Sehr warm. Pro hundert Meter klettert die Temperatur um rund drei Grad. Entsprechend heiß ist auch das Wasser, das in so mancher Region im Untergrund lagert. Neue interaktive Karten und eine verbesserte rechliche Grundlage verbessern die breitere Nutzung von Geothermie in Deutschland.

Immer mehr Städte und Gemeinden sowie große Industrieunternehmen planen, das heiße Wasser nach oben zu befördern – und damit die aktuelle Wärmeerzeugung durch fossile Brennstoffe oder Biomasse komplett zu ersetzen.
Bisher ist der Ausbau an unterschiedlichsten Gründen gescheitert und geothermische Projekte in Deutschland sind eher eine exotische Ausnahme.
Anders als Windkraft- und Solaranlagen, die politisch gefördert und öffentlich diskutiert werden, führte die Geothermie in Deutschland bisher ein Schattendasein. Dabei kann sie für die kommunale und damit öffentliche Wärmewende eine Schlüsselrolle spielen.
Potenziale in Deutschland
Die Geothermie erscheint auf den ersten Blick als schwierig. Bohrungen sind teuer, langwierig und technisch anspruchsvoll. Oft fehlen passende Wärmenetze, in die die Energie eingespeist werden könnte.
Hinzu kommt des in Deutschland oft zitierten Amtsschimmels, also der Bürokratie. Die Genehmigungsverfahren dauern in Deutschland Jahre. Auch darf nicht unerwähnt bleiben, dass viele Kommunen seismische Risiken befürchten.
Aus dem Bundesverband Geothermie hört man folgende Aussage, mit der man kritisch die Umsetzung des Themas in unserem Land begleitet:
Während Länder wie Island, Italien oder die Türkei längst auf tiefe Geothermie setzen, steht Deutschland sich also oft selbst im Weg.
Geothermie-Karte
Im August 2025 wurde erstmals eine bundesweit einheitliche Geothermie-Karte veröffentlicht. Diese zeigt, wo die Nutzung oberflächennaher Erdwärme durch Erdwärmesonden möglich ist – und wo nicht.
Die interaktive Karte wurde im Forschungsprojekt WärmeGut unter Leitung des LIAG-Instituts für Angewandte Geophysik (LIAG) in Hannover entwickelt. Beteiligt waren die Georg-August-Universität Göttingen (UGOE) und die geoENERGIE Konzept GmbH aus Freiberg in Zusammenarbeit mit allen 16 geologischen Landesdiensten.
erklärt Projektleiterin Prof. Dr. Inga Moeck bei der Veröffentlichung der Karte. Sie ist Leiterin der Forschungsabteilung Systemintegration am LIAG und Professorin an der UGOE.
Geothermie-Booster durch mehr Klarheit
Die Forschenden versprechen sich von ihrer interaktiven Karte einen regelrechten Geothermie-Booster. Gemeinden, Städte und Kommunen sowie Industrie, Gewerbe und Hausbesitzende ständen vor der Frage nach einer geeigneten Wärmequelle. Ziel des Projekts sei es, zukünftig eine sichere und klimaneutrale Wärmeversorgung zu haben. Die Karte gibt in einfacher und einheitlicher Form bundesweit Klarheit.
so Moeck und verweist auf Studien aus dem LIAG und dem Fraunhofer IEG.
Unter den erneuerbaren Energien werde die Geothermie oft vergessen. Dies mag auch an der eigentlichen Unsichtbarkeit dieser Wärmequelle liegen, denn die natürlich strömende Wärme in der Erde ist im Gegensatz zu Wind oder Sonne weder zu sehen noch zu fühlen.
Die an der interaktiven Karte Beteiligten erwarten, dass die Geothermie als Maßnahme in der kommunalen Wärmeplanung eine höhere Aufmerksamkeit erreicht. Dies würde sowohl der Energiewende als auch der wissenschaftlichen Geothermie-Forschung eine neue Dynamik und im Endeffekt einen entscheidenden Schub verleihen.
GeotIS: Einfach verständliche Übersichtskarte nach Ampelsystem
Die Geothermie-Karte ist nun im Geothermischen Informationssystem GeotIS frei verfügbar. Sie basiert auf einem Ampelsystem. Grün markiert Regionen, in denen Erdwärmesonden ohne Einschränkung genutzt werden können. Gelb zeigt eingeschränkte Nutzungsmöglichkeiten an. Und Rot weist auf Gebiete hin, die nicht für eine Nutzung infrage kommen.
Dieses einfache System gibt Fachbetrieben, Industriebetrieben und Kommunen einen schnellen Einstieg in die Geothermie und eine Orientierung, ob geothermische Nutzung mittels Sonden möglich ist oder nicht.
LIAG-Ausblick: Weitere Entwicklungen geplant
Das Forschungsteam um Moeck arbeitet derzeit an weiteren Karten für Technologien der oberflächennahen Geothermie wie Kollektoren- und Brunnensysteme.
Die Ampelkarten bilden die Grundlage für interaktive Potenzialkarten, mit denen die nutzbare Wärmeenergie für einen abgefragten Standort berechnet werden kann. Damit wird die kommunale Wärmeplanung erheblich unterstützt und Deutschland der klimaneutralen Wärmeversorgung einen Schritt nähergebracht.
Gesetz kann das Thema beschleunigen
Die Verabschiedung des Geothermie-Beschleunigungsgesetzes am 22. Dezember 2025 zeigt, dass auch die Bundespolitik die Botschaften über das Potenzial der Geothermie erkannt hat. Dies ist uch ein Indiz dafür, dass sich der politische Wind der Energiewende in Zukunft auch unter der Erde abspielen kann.
Aus dem Bundeswirtschaftsministerium erfolgen erste Signale, dass man Geothermie künftig gezielter fördern will. Dies beinhaltet die Ausweisung neuer Pilotregionen, vereinfachte Genehmigungen und staatliche Anschubfinanzierungen. Besonders vielversprechend ist die Idee, bestehende Fernwärmenetze – etwa in Ruhrgebietsstädten oder im Berliner Umland – schrittweise mit Erdwärme zu versorgen. Erste Studien dazu laufen bereits.
Es besteht also die durchaus berechtigte Hoffnung, dass bis 2030 mit der Geothermie eine zusätzliche und sehr ernsthafte Säule im deutschen Wärmemix aufgebaut wird und die Energiewende damit nicht nur abrundet, sondern deutlich dynamisiert.
Pilotprojekte wie die im Jahr 2024 eingeweihte Geothermie-Anlage in München dürfen nicht länger ein Inseldasein fristen. Sie sind ebensolche Leuchttürme als auf europäischer Ebene die Geothermie-Planungen von Paris. Dort hat eine Potenzialstudie ergeben, dass oberflächennahe Geothermie zukünftig mehr als die Hälfte des Pariser Wärmebedarfes decken könnte.
Geothermie bietet alles, was eine klimafreundliche Energiequelle braucht: Sie ist lokal, zuverlässig und emissionsarm. Trotzdem bleibt sie im Ausbau weit hinter ihren Möglichkeiten zurück. Wenn Deutschland seine Klimaziele ernst nimmt, muss dieser schlafende Riese endlich geweckt werden.