Grünlandremperatur: Extremer Frühstart in den Frühling! Drohen jetzt Spätfrostschäden?

Der rekordwarme Februar in Deutschland bleibt auch für die Vegetation nicht ohne Folgen. In vielen Regionen sprießen Krokusse und Narzissen aus den Böden. An einigen Orten erreicht die sogenannte Grünlandtemperatur schon die Schwelle zum nachhaltigen Vegetationsbeginn. Drohen jetzt Schäden durch Spätfröste?

Frühling
Durch den sehr milden Februar beginnt es in einigen Regionen schon zu Blühen

Der diesjährige Februar wird alle anderen Rekordmonate in den Schatten stellen. Es wird der mit Abstand wärmste Februar seit Beginn der Messungen im Jahr 1881. Nicht nur das: Es wird auch der Monat mit der höchsten Abweichung aller Monate vom Klimamittel. Im Vergleich zur Klimareferenzperiode 1961-1990 wird der Februar 2024 wahrscheinlich über 6 Grad (Kelvin) zu warm werden!

Vegetation sehr weit fortgeschritten

Kein Wunder, dass diese extreme Winterwärme nicht ohne Folgen für die Vegetation bleibt. Durch die hohen Temperaturen ist die Vegetation bereits sehr weit fortgeschritten. Insbesondere in den Niederungen im Westen und Südwesten Deutschlands blühen nicht nur Schneeglöckchen, Krokusse und Narzissen, sondern auch schon die ersten Forsythien, die phänologisch den Vorfrühling einläuten.

Pollenallergiker leiden durch das frühe Frühlingserwachen, denn es fliegen schon viele Blütenpollen durch die Luft. Statt Schneegestöber hat die Hasel- und Erlenblüte schon ihren Höhepunkt überschritten und der Flug von Erle und Pappel regional schon begonnen.

Ein Messwert, der gut kennzeichnet, wann die Natur aus ihrem Winterschlaf erwacht, ist die sogenannte Grünlandtemperatur. Der Begriff stammt aus der Agrarmeteorologie. Wird hierbei die Temperatursumme von 200 erreicht, markiert dies den nachhaltigen Vegetationsbeginn.

Die Grünlandtemperatursumme (GTS) berechnet sich dabei wie folgt: Ab dem Jahresbeginn werden alle positiven Tagesmitteltemperaturen erfasst und im Januar mit 0,5 multipliziert. Im Februar wird das positive Tagesmittel mit 0,75 multipliziert und ab März geht der volle Wert (Faktor x1) ein.

Bei einer Summe von 200 haben sich die Böden soweit erwärmt, dass sie den aufgenommenen und gespeicherten Stickstoff wieder verarbeiten und dem Pflanzenwachstum zur Verfügung stellen können. Am 19. Februar 2024 hat als erste offizielle Wetterstation Köln-Stammheim den Wert von 202 erreicht. Nur im Jahr 2007 (2 Tage früher) und 2002 (1 Tag früher) wurde dieser Wert noch früher erreicht. Einen Tag später erreichten dann auch Freiburg, Duisburg und Düsseldorf diese Schwelle.

Gefahr durch Spätfröste

Laut dem Deutschen Wetterdienst (DWD) hat sich durch den Klimawandel die Forsythienblüte mittlerweile um fast einen Monat nach vorne verschoben. Dabei hat sich der Vegetationsbeginn in den letzten Jahren und Jahrzehnten im Durchschnitt immer weiter nach vorne geschoben.

Trotz der globalen Erwärmung kommt es aufgrund der großen Variabilität beim Wetter aber immer noch zu Kaltlufteinbrüchen im Frühjahr. Auch wenn diese insgesamt seltener und weniger heftig ausfallen werden, ist die Gefahr von Spätfrostschäden durch den immer früheren Vegetationsbeginn hoch.

Die Folge können in der Landwirtschaft massive Ernteausfälle und damit horrende steigende Preise für Lebensmittel sein. Ob es auch in diesem Frühjahr zu den berüchtigten Frösten im Frühjahr kommt, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch nicht abschätzen!

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