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Klimawandel und Migration am Beispiel Tansania

Temperaturanstieg, veränderte Regenzeiten, extreme Wetterereignisse: Die Auswirkungen des Klimas stellen für die Menschen in Ostafrika ein Risiko dar, insbesondere für diejenigen, die in ländlichen Gebieten leben und stark von der kleinbäuerlichen Landwirtschaft abhängig sind.

Landflucht und Klimawandel
Der Klimawandel führt immer öfters zur Migration. Die Menschen wandern vom Land in die nahegelegenen Kleinstädte.

Ein neuer Bericht, eine gemeinsame Arbeit des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) und der Internationalen Organisation für Migration (IOM), untersucht mögliche Zusammenhänge zwischen Klimaauswirkungen und Migration in Tansania und bietet Anhaltspunkte für ganz Ostafrika. Die Studie wird von einer Kurzfassung in Suaheli begleitet, um die Zugänglichkeit von Klimainformationen auf lokaler Ebene zu erweitern. In der heutigen Veranstaltung präsentierte die PIK-Wissenschaftlerin Julia Blocher die wichtigsten Ergebnisse des Berichts, gefolgt von einer virtuellen Podiumsdiskussion.

Der Bericht wurde von einem Team aus Natur- und Sozialwissenschaftlern unter dem Dach des Projekts East African Peru India Climate Capacities (EPPIC) verfasst, darunter ein ehemaliger tansanischer Gastwissenschaftler. Hans Joachim Schellnhuber, emeritierter Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), beschreibt den Bericht als "umfassende und aktuelle Darstellung des aktuellen Wissensstandes über kritische Auswirkungen des Klimawandels in der Vereinigten Republik Tansania sowie deren Verbindungen zu Trends der menschlichen Mobilität. Er zielt darauf ab, einen faktenbasierten politischen Dialog über das Verständnis, die Bewältigung und das Management des aktuellen Migrationsmosaiks und seiner wahrscheinlichen Entwicklung in einem sich schnell verändernden Umfeld zu initiieren und zu unterstützen.

Landwirtschaftliche Lebensgrundlagen sind gefährdet

Der Bericht konzentriert sich auf die internen Wanderungsströme von Land zu Land, die in Tansania am weitesten verbreitet sind und von der Klimakrise und der COVID-19-Pandemie am stärksten betroffen sind. Da Kleinstädte und Agglomerationen in ländlichen Gebieten für die Landbevölkerung besser erreichbar sind als Primärstädte und die Umkehrmigration von städtischen in ländliche Gebiete zunimmt, entwickeln sich diese kleineren Gebiete zu florierenden Zentren des wirtschaftlichen und sozialen Lebens.

Je stärker die globale Erwärmung, desto größer ist die Landflucht. Menschen ziehen aus ihrer Heimat weg in die nächstgelegenen Kleinstädte.

Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass die Abwanderung in kleinere Städte und Agglomerationen ein wahrscheinlicheres Vehikel für die ländliche Entwicklung ist als Migrationsströme in große städtische Gebiete. PIK-Wissenschaftlerin Julia Blocher fasst eine weitere wichtige Erkenntnis des Berichts zusammen: "Aufgrund des Zusammenwirkens negativer Trends bei der Ressourcenverfügbarkeit und der Landbewirtschaftung sind die landwirtschaftlichen und pastoralen Lebensgrundlagen in den nördlichen und zentralen Regionen besonders von den schädlichen Auswirkungen des Klimawandels bedroht.

Starke Klimaerwärmung verstärkt die Migration

Diese sind bei einem Szenario mit starker Erwärmung besonders gravierend." Bei der heutigen Veranstaltung standen die klimabedingten Gefahren für die ländlichen Lebensgrundlagen im Mittelpunkt des Interesses. Hans Joachim Schellnhuber erwähnte auf dem Podium, dass im Falle Tansanias "eine sehr subtile Strategie erforderlich ist, um darauf zu reagieren. Es ist anders als in anderen Ländern, in denen es nur eine Richtung der Migration gibt.

In Tansania kann sie in alle Richtungen gehen, quer durch alle sozialen Schichten. Es ist also eine echte Herausforderung, eine Vielzahl von Anpassungsstrategien zu entwickeln; einige Hinweise sind bereits in dem Bericht enthalten".