Herbstnebel: Warum die graue Suppe manchmal bis zum Nachmittag bleibt und der Sonne kaum eine Chance lässt

Wenn die Landschaft am Morgen im Nebel verschwindet, beginnt der Tag manchmal ziemlich grau. Doch hinter der scheinbar unspektakulären Wettererscheinung steckt ein spannendes Zusammenspiel aus Feuchtigkeit, Abkühlung und Wind.

So kann es auch noch am Nachmittag oder sogar bis zum Sonnenuntergang aussehen, wenn der Nebel besonders hartnäckig ist und die Sonne es nicht mehr schafft, ihn aufzulösen
So kann es auch noch am Nachmittag oder sogar bis zum Sonnenuntergang aussehen, wenn der Nebel besonders hartnäckig ist und die Sonne es nicht mehr schafft, ihn aufzulösen

Nebel in den Morgenstunden deutet oftmals schon im August auf den sich langsam nährenden Herbst hin. Mit dem Vollherbst im Oktober und November kann dieser sich dann als äußerst zäh erweisen und sich bei geeigneten Bedingungen sogar den ganzen Tag über halten. Doch warum passiert das eigentlich so oft im Herbst?

Warum Nebel gerade im Herbst so häufig entsteht

Ein nebliger Herbstmorgen beginnt häufig mit einer klaren Nacht. Der Boden gibt Wärme an die Umgebung ab und kühlt zunehmend aus. Die Luft direkt darüber wird ebenfalls kälter. Enthält sie genügend Feuchtigkeit, erreicht sie irgendwann den Punkt, an dem Wasserdampf zu winzigen Wassertröpfchen kondensiert, den sogenannten Taupunkt. Es entsteht Nebel.

Meteorologen sprechen in diesem Fall von Strahlungsnebel. Er bildet sich besonders häufig bei wenig Wind und klarem Himmel. Im Herbst sind die Nächte bereits deutlich länger als im Sommer, während Böden und Gewässer oft noch vergleichsweise viel Wärme und Feuchtigkeit gespeichert haben. Damit kommen wichtige Voraussetzungen für die Nebelbildung zusammen.

Dichter Nebel mit nur geringen Sichtweiten kann auch durchaus zu einem gefährlichen Ereignis werden, beispielsweise für den Straßenverkehr
Dichter Nebel mit nur geringen Sichtweiten kann auch durchaus zu einem gefährlichen Ereignis werden, beispielsweise für den Straßenverkehr

Nebel ist übrigens nichts anderes als eine Wolke, die direkten Kontakt zum Boden hat. Entscheidend ist die Sichtweite: Sinkt sie unter einen Kilometer, wird meteorologisch von Nebel gesprochen. Bei größeren Sichtweiten handelt es sich eher um Dunst.

Warum sich der Nebel nicht überall gleich bildet

Besonders häufig sammelt sich Nebel in Flusstälern, Senken und Niederungen. Dort kann kalte Luft von den umliegenden Hängen hinabfließen und sich am tiefsten Punkt sammeln. Die zusätzliche Abkühlung begünstigt die Bildung von Nebel. Feuchte Böden und Gewässer liefern weiteren Wasserdampf.

Doch nicht jeder Nebel entsteht auf dieselbe Weise. Strömt feuchte Luft über eine kältere Oberfläche, kann sie ebenfalls abkühlen und kondensieren. Diese Form wird als Advektionsnebel bezeichnet. Auch beim Zusammentreffen unterschiedlich temperierter Luftmassen oder durch zusätzliche Feuchtigkeit können Nebelfelder entstehen.

Gerade im Herbst scheint höher auf den Bergen oftmals die Sonne, während unten im Tal noch die graue Nebelsuppe festhängt und der Sonne keinen Platz macht
Gerade im Herbst scheint höher auf den Bergen oftmals die Sonne, während unten im Tal noch die graue Nebelsuppe festhängt und der Sonne keinen Platz macht

Deshalb kann es morgens in einem Ort dicht neblig sein, während wenige Kilometer entfernt bereits gute Sicht herrscht. Schon kleine Unterschiede bei Gelände, Bodenfeuchtigkeit, Wind und Temperatur können darüber entscheiden, wo sich die feuchte Luft bis zur Sättigung abkühlt.

Wann löst sich die graue Suppe wieder auf?

Sobald die Sonne höher steigt, erwärmt sie den Boden und die untersten Luftschichten. Die Wassertröpfchen verdunsten und die Sicht verbessert sich. Bei dünnen Nebelfeldern kann das relativ schnell gehen. Ist die Nebelschicht dagegen mächtig oder erreicht nur wenig Sonnenstrahlung den Boden, kann sie sich bis in den Nachmittag oder sogar den ganzen Tag lang halten.

Auch der Wind spielt eine wichtige Rolle. Eine leichte Luftbewegung kann die feuchte Luft durchmischen und den Nebel auflösen. Bei kräftigerem Wind kann sich die Luft allerdings auch mit feuchter Luft vermischen oder Nebel neu entstehen. Entscheidend sind die Temperatur- und Feuchteverhältnisse.

Manchmal verschwindet der Nebel zudem nicht vollständig, sondern hebt sich vom Boden ab. Dann entsteht eine tiefe Wolkendecke, die als Hochnebel bezeichnet wird. Obwohl die Sicht am Boden zunächst besser wird, bleibt der Himmel grau. Wie lange diese Wolkendecke bestehen bleibt, hängt unter anderem von ihrer Mächtigkeit und der verfügbaren Sonneneinstrahlung ab.

Was bedeutet das für die kommenden Herbsttage?

Auch die aktuelle Wetterlage zeigt, dass Nebel nicht zwingend eine längere Hochdruckperiode voraussetzt. Nach den aktuellen Wettermodellen sind in den nächsten beiden Nächten regional dichte Nebelfelder mit Sichtweiten unter 150 Metern möglich, besonders in der Mitte und im Süden Deutschlands.

Ob daraus verbreitet sonnige Herbsttage werden, hängt davon ab, wie sich die Bewölkung entwickelt und wie schnell sich der Nebel am Morgen auflösen kann. Eine einzelne milde Prognose reicht dafür nicht aus. Gerade im Herbst kann zwischen einem grauen Morgen und einem sonnigen Nachmittag nur eine dünne Nebelschicht liegen. Nebel gehört übrigens zu den kleinen Überraschungskünstlern der Meteorologie – selbst moderne Wettermodelle können oft nur schwer vorhersagen, wo genau er aufzieht und wann er sich wieder verzieht. Nicht umsonst wird in Fachkreisen gern von der "Nebel-Sonne-Lotterie" gesprochen. Also können wir gespannt sein, wer von uns in der nächsten Zeit das Glück haben wird...