Dürre: Die Rolle der anthropogenen Klimaerwärmung!

Wissenschaftler einer Attributionsstudie haben ermittelt, dass die Dürre am Horn von Afrika in ihrer Ausprägung erst durch die anthropogene Klimaerwärmung möglich geworden ist.

Trockenheit Dürre Böden
Folgen einer Dürre: Ein ausgetrockneter See.

Dürren waren schon immer eine Herausforderung für die Menschheit. Denn das Wasserangebot beeinträchtigt maßgeblich unsere Lebensverhältnisse. Nur wenn Wasser verfügbar ist, funktioniert zum Beispiel erfolgreiche Landwirtschaft. So erfährt das Horn von Afrika momentan eine Dürre, die sich unter anderem durch unterdurchschnittliche Regenfälle seit 2020 bemerkbar macht. Im Mai 2022 hatte die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) das Augenmerk auf die Dürre gelegt. Die „Short Rain“ Saison, die von Oktober bis Dezember (OND) reicht, erreichte zum fünften Mal hintereinander nur unterdurchschnittliche Niederschlagsmengen.

Die resultierende Dürre gilt als eine der schlimmsten seit 40 Jahren. Die daraus entstehende humanitären Notlage, betrifft ungefähr vier Millionen Menschen. Die Dürre führte zu einem Ernteverlust, schlechten Bedingungen bei Grasland, sowie einem Verlust des Viehbestands. Als weitere Folge ist der Zugang zu Oberflächenwasser erschwert. Obwohl bis Ende März 2023 substantielle Niederschläge in Kenia gefallen sind, wird sich die Situation eventuell nicht all zu schnell verbessern, um die Nahrungssicherheit Mitte 2023 wiederherzustellen. Und das in einer Region die von chronischer Unsicherheit in der Nahrungsmittel- und Wasserversorgung betroffen ist.

Änderung der Niederschläge am Horn von Afrika

Forscher haben nun die Wahrscheinlichkeiten eines derartigen Ereignisses in dieser Region untersucht. Hierfür wurden die Niederschlagsmengen für 24 Monate von Januar 2021 bis Dezember 2022 der Region untersucht, die am Horn von Afrika am größten von den Dürrebedingungen betroffen war. Dies schließt Teile im Süden von Äthopien, dem südlichen Teil Somalias und dem östlichen Kenia ein.

Die Daten zeigen, dass dieses Ereignis im heutigen Klima, welches sich bereits um 1,2°C gegenüber dem vorindustriellen Niveau erwärmt hat, in der „long rain“ Saison (März bis Mai) eine Wiederkehrzeit von 10 Jahren hat. Für die „short rain“ Saison (Oktober bis Dezember) tritt das Ereignis einmal in fünf Jahren auf. Für den gesamten Zeitraum von 24 Monaten gibt es eine fünfprozentige Chance, dass sich in einem Jahr ein derartiges Ereignis entwickeln kann.

Die Wissenschaftler fanden ebenfalls einen Trend hin zu weniger Niederschlag in der „long rain“ Saison, jedoch in der „short rain“ Saison einen Trend hin zu mehr Niederschlag. Kombiniert man beide Saisons über 24 Monate findet sich bisher kein Trend hin zu mehr oder weniger Niederschlag.

Anthropogene Erwärmung verstärkt Verdunstung

Man mag sich jetzt vielleicht fragen, wenn es beim Niederschlag nur einen scheinbar marginalen Einfluss gab, wie viel hat überhaupt die anthropogene Klimaerwärmung dazu beigetragen? Das entscheidende ist hier nicht nur der Niederschlag. Landwirtschaftliche Dürren werden nicht nur durch Niederschlag allein geprägt, sondern auch durch Verdunstungsprozesse. Die Verdunstung wird von mehreren Prozessen gesteuert, wie Windgeschwindigkeit, verfügbarer Energie und Temperatur. Mit höheren Temperaturen steigt das Sättigungsdefizit, auch der Dampfhunger der Luft genannt. Es kann also mehr Wasser verdunsten.

Hierfür haben sich die Wissenschaftler die potentielle Verdunstung angeschaut, also die Verdunstung, die maximal möglich ist, wenn man den tatsächlichen Wassergehalt des Bodens vernachlässigt. Dabei haben sie herausgefunden, dass die ungewöhnliche Kombination aus einer geringen Niederschlagssumme und hohen Verdunstungsraten in einer 1,2°C kühleren Welt nicht zu einer vergleichbaren Dürresituation geführt hätte.

Sie folgern, dass durch die anthropogene Klimaerwärmung die Schwere der Dürre hauptsächlich durch den höheren Bedarf an Wasser durch Verdunstung verursacht wurde, welche wiederum durch höhere Temperaturen angetrieben wurde. Prinzipiell hätte es diese Dürre ohne die Klimaerwärmung nicht gegeben. Entsprechend folgern die Wissenschaftler, dass die anthropogene Klimaerwärmung vergleichbare Dürren verstärkt und wahrscheinlicher macht. So sind derartige Dürren im heutigen Klima 100 mal wahrscheinlicher geworden!

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