Die neuen CMIP7-Szenarien der Erderwärmung
Alle 6-7 Jahre führen wissenschaftliche Klimamodellierungsgruppen auf der ganzen Welt eine koordinierte Reihe von Simulationen durch, die untersuchen, wie sich das Klima in Zukunft verändern könnte.

Diese Simulationen bilden die Basis von schlüssigen Beweislinien für zukünftige Klima-Projektionen, wie sie in den Sachstandsberichten des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaveränderungen (IPCC) verwendet werden.
Sie basieren auf einer Reihe von gängigen Szenarien – oder „Wegen“ – zukünftiger Treibhausgasemissionen.
Für die siebte Phase des Coupled Model Intercomparison Project (CMIP7) - also das kollaborative Rahmenwerk zum Vergleich der Simulationsergebnisse- wurde nun eine neue Reihe von möglichen Entwicklungsszenarien der Erderwärmung veröffentlicht.
Diese ersetzen die bisherigen Szenarien, die in den aktuellen Versionen von Klimamodellen genannt wurden und eine wesentliche Basis des sechsten Sachstandsbericht des IPCC (AR6) darstellten.
Neue Wege - bessere Prognosen
Die neuen Szenarien unterscheiden sich sehr deutlich von den bisherigen, die in der Wissenschaft als „geteilte sozioökonomische Pfade“ (SSPs) publiziert wurden.
Während diese SSPs von etwas rätselhaft anmutenden „Strahlungsantriebsniveaus“ ausgingen, sind die neuen Szenarien wesentlich verständlicher: sie basieren nur noch auf zukünftigen Emissionspfaden, und zwar von „negativ“ zu „niedrig“ bis zu „hoch“.
Damit haben sich die Modelle von einer nicht direkt klimapolitischen Betrachtung verabschiedet und untersuchen lediglich die Auswirkungen der Treibhausgasemissionen, basierend auf den Entscheidungen der Weltpolitik.
Neue obere Linie
Die neuen Szenarien revidieren auch die High-End-Erwärmungswerte weit unter den höchsten Szenarien der bisherigen Annahmen. Sie spiegeln damit eine Welt wider, in der zum Beispiel ein von fossiler Kohle geprägtes 21. Jahrhundert nicht mehr plausibel ist.
Gleichzeitig überarbeiten die Annahmen die bisherigen niedrigsten Erwärmungsszenarien nach oben. Im Hinblick auf den im AR6 gezeigten Szenarien, gehen die neuen Annahmen davon aus, dass bei der derzeitigen Entwicklung das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens zur Begrenzung der globalen Erwärmung nicht mehr realistisch ist.
Carbon Brief Analyse
Das Team der Klimajournalisten von Carbon Brief hat in einer umfangreichen Analyse das neue System untersucht und in einer englischsprachigen Zusammenfassung gut verständlich wiedergegeben.
Der Artikel von Carbon Brief vergleicht vor allen Dingen die CO2-Emissionen und die Erwärmungsprognosen der neuen Szenarien mit ihren Vorgängern.
Ein spezieller Fokus des Berichts lag auf der Verschiebung des oberen Endes einer möglichen Erderwärmung im Vergleich zu den bisherigen Szenarien, wie sie im IPCC Bericht AR6 genannt wurde.
Schließlich untersuchte Carbon Brief die mögliche Auswirkung von Kohlendioxidentfernung (CDR), die in den neuen Szenarien ebenfalls integriert ist.
Hier die wichtigsten Highlights aus der Analyse durch Carbon Brief:
Die sieben neuen Szenarien nennen eine Bandbreite der globalen Erwärmung im Jahr 2100 von 1,6° C. bis 3,3 ° C., immer auf Basis zum vorindustriellen Niveau. Damit unterscheiden Sie sich von den bisherigen SSP-Szenarien, die einen Bereich von 1,5° C. bis 4,7° C. umfassten.
Die Spitze des oberen Bereichs ist zum ersten Mal seit vier Generationen der Klimamodellierung gesunken! Die höchsten Szenarien, die in den drei vorherigen IPCC-Bewertungszyklen verwendet wurden, nannten alle rund 4,6-4,9° C. als mögliche globale Erwärmung im Jahr 2100. Das neue höchste Szenario von CMIP7 erreicht dagegen nur 3,3° C.
Die niedrigsten Szenarien haben sich leicht nach oben verschoben, da eine Zukunft, die Überschreitungen von 1,5° C. vermeidet, nicht mehr als plausibel gilt. Das niedrigste Szenario erreicht einen Höchststand von rund 1,8° C. Mitte des Jahrhunderts, bevor es bis 2100 auf 1,5° C zurückfällt.
Die aktualisierten sozioökonomischen Annahmen, die den neuen Szenarien zugrunde liegen, beschreiben einen Planeten mit deutlich mehr Bewohnern, aber einer höheren Anzahl weniger wohlhabenden Personen als die ursprünglichen SSPs.
Die globale Bevölkerung erreicht bei den neuen Szenarien um 2080 ihren Höhepunkt bei 10,1 Milliarden Menschen. Die Einkommen pro Person im Jahr 2100 werden allerdings um zwischen 10% und 25% niedriger prognostiziert.
Eine neue Generation von Szenarien
Das neue CMIP7 wird die Basis des 7. Sachstandsbericht des IPCC sein, der im nächsten Jahr erscheinen soll.
Im April 2026 wurden in der Fachzeitschrift Geoscientific Model Development (GMD) erste Details zu den neuen Szenarien des CMIP7 veröffentlicht. Am 1. September wurden die zugrunde liegenden Emissionsdaten des CMIP-Teams öffentlich zugänglich gemacht.
Die sichtbarste Änderung der neuen Generation von Szenarien ist die Namensgebung. Wo die SSPs fünf sozioökonomische „Geschichten“ mit Strahlungsantriebszielen (SSP1-2.6, SSP5-8.5 usw.) kombinierten, werden die CMIP7-Szenarien einfach nach dem Emissionspfad benannt, dem sie folgen.
Keine „Baseline“-Szenarien mehr
Eine weitere wichtige Veränderung beschlossen die Autoren der CMIP7-Szenarien, mit einem Ende der Annahme, dass es eine Welt ohne klimapolitische Entscheidungen geben werde.
Stattdessen beginnt die Bandbreite zukünftiger Emissionsszenarien mit der aktuellen Politik und untersucht Wege, wie sie gestärkt, geschwächt oder gleich gehalten werden können. Das höchste Szenario untersucht eine Rücknahme vieler Entscheidungen der aktuellen Klimaschutzpolitik.
Das mittlere Szenario hingegen erweitert diese Entscheidungen, geht also von einer Welt mit deutlich mehr globalem Klimaschutz aus. In ihrem GMD-Arbeitspapier betonten die Autoren der CMIP7-Szenarien, dass das mittlere Szenario „nicht als wahrscheinliches Szenario betrachtet werden sollte“, sondern dass es einen Maßstab liefern kann, an dem die Auswirkungen der zukünftigen Stärkung oder Schwächung der Politik gemessen werden könne.
Das neue niedrige Szenario geht von einer Welt aus, in der die globale Klimapolitik sehr schnell gestärkt wird, womit die Erwärmung bis 2100 auf unter 2° C. begrenzt würde.

Die Entwickler von CMIP7 stellten fest, dass es keine spezifische Wahrscheinlichkeit gibt, die einem Szenario zugewiesen sind. Vielmehr basieren die Szenarien auf Beurteilungen, die -Stand heute- alle im Bereich der Plausibilität liegen, in der sich die Welt heute befindet.
Neben der Abkehr von Basisszenarien gibt es weitere bemerkenswerte Designänderungen, die in CMIP7 vorgenommen wurden.
Die Ausgangsbasis der neuen Szenarien sind die tatsächlichen Emissionsbeobachtungen bis 2023. Die Modellierer haben sich entschieden, bis 2025 in der Nähe einer beobachteten Trendlinie zu bleiben, um zu vermeiden, dass die Emissionen zu stark von der Realität abweichen.
Die Unterschiede der Szenarien eröffnen sich erst nach 2026 und vermeiden ein früheres Problem von Szenarien, die Jahre bevor die Modelle überhaupt zum Tragen kamen, bereits von der Realität abwichen.
Schließlich wurde der Zeitraum, in dem Modelle ausgeführt werden, von 2100 auf 2150 erweitert. Dies ist sehr beachtenswert, da die Welt bereits mehr als ein Viertel des Weges durch das 21. Jahrhundert beschritten hat.
Ich empfehle den Bericht von Carbon Brief allen, die sich für mittel- und langfristige Szenarien der Erderwärmung interessieren.
Artikelreferenz
Carbpn Brief. (2026). Analyse der neuen CMIP7-Klimamodellierung.