Historischer Orkan bei Island: Erst 200 km/h Böen, dann Schneechaos – droht Europa jetzt ein Sturm-Winter?

935 Hektopascal, Böen bis 200 km/h und plötzlich Schneechaos: Ein Rekord-Orkan hat Island am Mittwochabend überrollt. Und Wetterexperten fragen sich jetzt: War das erst der Anfang?
Es war ein Abend, den Island so schnell nicht vergessen wird. Am Mittwoch zog ein gigantisches Orkantief direkt über die isländische Südküste hinweg. Im Kern sank der Luftdruck auf unfassbare 935 Hektopascal.
Damit ist klar: Das war kein gewöhnlicher Herbststurm, das war ein historisches Ereignis. So tief ist der Luftdruck bei Island in einem Oktober noch nie gefallen, jedenfalls nicht seit Beginn der Messungen. Werte in dieser Größenordnung gehören eigentlich in den Dezember oder Januar. Doch dieses Monster-Tief hat sich nicht an den Kalender gehalten.
Erst der Orkan: Böen bis 200 km/h
Rund um den Kern des Sturms lagen die Isobaren so dicht beieinander wie selten. Für Meteorologen ist das ein klares Alarmsignal, denn genau dort entstehen die brutalsten Windgeschwindigkeiten. An der Südflanke des Tiefs jagten Orkanböen bis 200 km/h über Land und Meer.

Zur Einordnung: Schon ab 118 km/h spricht man von Orkanstärke. Diese Marke wurde also nicht nur geknackt, sie wurde förmlich zerfetzt. Auf dem Atlantik südlich der Insel türmten sich meterhohe Wellen auf, das Meer verwandelte sich in eine tobende Wasserwüste. Für Schiffe in diesem Seegebiet herrschte akute Lebensgefahr.
Dann das Schneechaos: Der Winter schlägt brutal zu
Kaum war der Orkan über die Südküste gefegt, kam die zweite Front dieses Wetterkrimis. Auf der Rückseite des Tiefs wurde eiskalte Polarluft angesaugt und strömte in den Norden und ins Hochland Islands. Die Folge war ein heftiger Schneesturm.
Schnee und Sturm zusammen sind die gefährlichste Mischung, die der Herbst zu bieten hat. Die Sicht fällt teilweise auf nahezu null, Schneeverwehungen wachsen in kürzester Zeit meterhoch an, Straßen werden zur Rutschfalle oder sind gar nicht mehr passierbar. Mitte Oktober ist auf der Vulkaninsel damit schlagartig der tiefste Winter eingezogen.
Warum wurde dieses Monster-Tief so extrem?
Hinter dem Rekord-Orkan steckt ein explosiver Wettermix. Aus dem Süden drückte noch sehr warme und feuchte Luft nach Norden, gleichzeitig stieß aus der Arktis bereits frostige Polarluft nach Süden vor. Genau an dieser Luftmassengrenze lädt sich die Atmosphäre mit enormer Energie auf.

Hinzu kam ein mächtiger Jetstream in großer Höhe, der das Tief wie ein Staubsauger von oben angetrieben hat. Der Kerndruck stürzte dadurch in kurzer Zeit regelrecht in die Tiefe. Fachleute sprechen bei einer solchen rasanten Verstärkung von einer Bombogenese, also einer explosionsartigen Entwicklung eines Sturmtiefs.
Was bekommt Europa ab?
Der Orkan hat nicht nur Island erwischt. Sein riesiges Windfeld erstreckt sich über Tausende Kilometer quer über den Nordatlantik. Auch die Färöer-Inseln, der Norden Schottlands und die Westküste Norwegens spüren die Wucht des Sturms, selbst in Glasgow und Bergen fegen kräftige Böen von 60 bis 70 km/h durch die Straßen.
Doch die eigentliche Brisanz liegt woanders: Ein so gewaltiges Tief bringt die gesamte Großwetterlage in Europa durcheinander. Es schiebt riesige Luftmassen hin und her und verändert die Zugbahnen der nachfolgenden Tiefs. Wie stark sich das in den kommenden Tagen auch in Mitteleuropa bemerkbar macht, hängt jetzt entscheidend davon ab, welchen Weg die nächsten Sturmsysteme nehmen.
Droht Europa jetzt ein Sturm-Winter?
Genau diese Frage stellen sich gerade viele Wetterfans. Ein einzelner Rekord-Orkan macht natürlich noch keinen Winter. Aber er zeigt unmissverständlich, welche enorme Energie schon jetzt über dem Atlantik steckt. Die Meere sind nach dem Sommer vielerorts noch ungewöhnlich warm, und genau diese Wärme ist der Treibstoff für Monster-Stürme.
Wenn die Sturmsaison bereits Mitte Oktober mit einem historischen Rekord startet, ist das ein deutliches Warnsignal. Der Winter 2026/27 könnte über dem Nordatlantik richtig ungemütlich werden, und früher oder später dürfte auch Europa davon etwas abbekommen. Eines steht jedenfalls schon fest: Dieser Mittwochabend ist Wettergeschichte.