Zwischen Dampf und Vulkanen: Die isländische Tradition der Geothermiebäder

Das Baden in heißen Quellen im Freien ist in Island eine tief verwurzelte Tradition, bei der Natur, Wellness und Gemeinschaft miteinander verschmelzen – ein Brauch, der kürzlich von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde.

Die Blaue Lagune liegt inmitten einer felsigen Landschaft, in einem natürlichen Lavafeld.
Die Blaue Lagune liegt inmitten einer felsigen Landschaft, in einem natürlichen Lavafeld.

In einer Welt, in der das Leben immer schneller wird, zeigt Island, wie einfache Gewohnheiten die Lebensqualität nachhaltig beeinflussen können.Inmitten von geothermischem Dampf, Vulkanlandschaften und ruhigen Gesprächen im Wasser erweist sich das isländische Bad nicht nur als tägliche Gewohnheit, sondern als echter kultureller Ausdruck, der die Identität des Landes nach wie vor prägt.

Diese sogenannte „Kultur der Schwimmbäder und geothermischen Bäder“ wurde von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe der Menschheit anerkannt, was ihren sozialen, kulturellen und historischen Wert unterstreicht.

Geothermie im isländischen Alltag

Island liegt inmitten intensiver vulkanischer Aktivität und verfügt über eine Fülle natürlicher heißer Quellen. Diese geothermische Energie wird zum Heizen von Häusern, zur Stromerzeugung und vor allem zur Versorgung der über das ganze Land verstreuten heißen Quellen und Lagunen genutzt.

Im Laufe der Zeit sind diese Gewässer zu einem festen Bestandteil des isländischen Lebensstils geworden, die sowohl körperliche als auch geistige Vorteile bieten und gleichzeitig als wichtige Orte der sozialen Interaktion dienen.

In Bergregionen wie beispielsweise Kerlingarfjöll werden die Bäder von mineralreichem Wasser gespeist, das unter anderem Eisen enthält, was ihnen eine charakteristische Färbung und beruhigende Eigenschaften für die Haut verleiht.

Ein typisches geothermisches Badeerlebnis in Island zeichnet sich durch den Kontrast zwischen dem kalten Wetter draußen und dem warmen, wohltuenden Wasser der Becken aus.

Diese Bäder werden nicht nur wegen der Entspannung, die sie bieten, geschätzt, sondern auch wegen ihrer potenziellen therapeutischen Wirkung, wie beispielsweise der Linderung von Hautirritationen oder der Förderung der Durchblutung.

Von der Natur bis zu berühmten Lagunen

Neben den natürlichen Quellen in abgelegenen Regionen des Landes gibt es auch renommierte geothermische Anlagen wie die Blaue Lagune, deren siliziumreiches Wasser für seine hautpflegenden Eigenschaften bekannt ist.

Die Blaue Lagune ist nicht das einzige „Naturbad“ in Island mit milchig-blauem, quarzhaltigem Wasser; es gibt mehrere davon, die über das ganze Land verstreut sind und alle durch Geothermiekraftwerke beheizt werden.
Die Blaue Lagune ist nicht das einzige „Naturbad“ in Island mit milchig-blauem, quarzhaltigem Wasser; es gibt mehrere davon, die über das ganze Land verstreut sind und alle durch Geothermiekraftwerke beheizt werden.

Die Lagune entstand unerwartet, als sich überschüssiges Wasser aus einem Geothermiekraftwerk in einem Lavafeld anzusammeln begann. Im Laufe der Zeit begannen Arbeiter aus der Umgebung, dort zu baden, und einige berichteten von einer Verbesserung ihrer Hauterkrankungen, was wissenschaftliches Interesse weckte und in den 1990er Jahren zur Gründung einer Spezialklinik führte.

Ein Ort der sozialen Interaktion und Gleichberechtigung

Die wahre Bedeutung der isländischen Badekultur geht jedoch weit über die körperlichen Vorteile hinaus. Öffentliche Schwimmbäder gelten als demokratische und integrative Orte, an denen sich Menschen unterschiedlichen Alters, unterschiedlicher Herkunft und verschiedener Berufe auf Augenhöhe begegnen. An diesen Orten sieht man häufig Familien, Freunde und sogar Fremde, die sich unterhalten, während sie sich im warmen Wasser entspannen.

Oft dienen die „Whirlpools“ – kleine Becken mit sehr heißem Wasser – fast als informelle Diskussionsrunden, in denen alltägliche Themen oder politische Fragen erörtert werden.

Schätzungen zufolge besuchen rund 79 % der erwachsenen Isländer regelmäßig öffentliche Schwimmbäder, was die zentrale Rolle verdeutlicht, die diese Orte im gesellschaftlichen Leben des Landes spielen.

Im ganzen Land gibt es mehr als hundert Schwimmbäder; viele davon werden von den Gemeinden unterhalten und sind zu relativ günstigen Preisen zugänglich.

Eine Tradition, die von Generation zu Generation weitergegeben wird

Dieses Infrastrukturnetz trägt dazu bei, dass die Gewohnheit, schwimmen zu gehen und Thermalbäder zu besuchen, von Generation zu Generation weitergegeben wird. Die Beziehung der Isländer zum Wasser beginnt schon in jungen Jahren. Kinder werden oft schon als Babys ins Schwimmbad mitgenommen, und Schwimmenlernen ist seit Beginn des 20. Jahrhunderts Teil des Lehrplans.

Im Laufe der Jahre haben diese Erlebnisse dazu beigetragen, den Status des Pools als Ort der Familie und der Geselligkeit zu festigen, an dem sich regelmäßig verschiedene Generationen treffen. Ein weiterer wichtiger Aspekt dieser Tradition ist die direkte Verbindung zur Natur. Viele geothermische Bäder liegen eingebettet in atemberaubende Landschaften, umgeben von Lavafeldern, Bergen oder vulkanischen Fumarolen.

So kann das einfache Eintauchen in ein warmes Bad zu einer fast meditativen Erfahrung werden, bei der die Stille und der vom Wasser aufsteigende Dampf dazu beitragen, ein Gefühl der Ruhe und des Wohlbefindens zu erzeugen.

Die von der UNESCO verliehene Auszeichnung unterstreicht genau diese einzigartige Verbindung von Natur, Gesundheit und Gemeinschaft.


Die Organisation ist der Ansicht, dass die isländische Schwimmbadkultur das körperliche und geistige Wohlbefinden fördert und gleichzeitig die sozialen Bindungen sowie das Zugehörigkeitsgefühl der Einwohner stärkt. Indem sie diese Tradition würdigen, möchten sie auch dazu beitragen, dass sie für künftige Generationen erhalten bleibt.

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