Kurztrip an die Ostsee: Warum das Seebad Heringsdorf bei Berlinern so beliebt ist

Neben der relativ guten Erreichbarkeit und dem kaiserlichen Flair ist es auch die Macht einer lieben Gewohnheit. Denn die Vorliebe der Hauptstädter für den Badeort reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück.

Zeit für Strandspaziergänge: Heringsdorf mit der Seebrücke. Foto: Adobe Stock
Zeit für Strandspaziergänge: Heringsdorf mit der Seebrücke. Foto: Adobe Stock

Nach den Sommerferien wird es ruhiger an der Ostseeküste. Jetzt zeigt sich auch Heringsdorf auf Usedom von einer besonders angenehmen Seite: Spaziergänge am Sandstrand, die Promenade mit prachtvollen Villen und der Blick von der Seebrücke lassen sich entspannt genießen.

Kaiser Wilhelm II. und die Witwe Staudt

Heringsdorf gehört zusammen mit Ahlbeck und Bansin zu den drei Kaiserbädern. Die Bezeichnung verdankt sich Kaiser Wilhelm II. Der Monarch besuchte Heringsdorf in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg gleich mehrmals, um eine befreundete Witwe zum Tee zu beehren.

Die Bekanntschaft mit Elisabeth Staudt hatte er bei der Hochzeit ihrer Tochter gemacht: Deren Bräutigam war sein Patensohn.

Eleganten Villen verdankt Heringsdorf sein besonderes Flair. Foto: Falko Göthel/Adobe Stock
Eleganten Villen verdankt Heringsdorf sein besonderes Flair. Foto: Falko Göthel/Adobe Stock

Die kleine Fischersiedlung hatte sich schon im 19. Jahrhundert zu einem eleganten Seebad entwickelt. Schon 1825 entstand das erste Logierhaus; wenige Jahrzehnte später kamen wohlhabende Bürgerfamilien aus Berlin, aber auch Adlige und Künstler zur Sommerfrische.

Ab 1876 fuhr die Eisenbahn hierher

Den Berlinern machte es vor allem die 1876 eröffnete Eisenbahnlinie leicht, hier zu urlauben. Aber sie schätzten auch das Flair von Heringsdorf - und daran hat sich nichts geändert.

Die Villen an der Promenade erinnern noch heute an den frühen Glanz. Zu den besonders attraktiven Beispielen zählen die Villa Oechsler, die Villa der Witwe Staudt und die Villa Oppenheim, die auch die DDR-Zeit weitgehend unbeschadet überstanden.

Wahrzeichen des Ortes ist die 508 Meter lange Seebrücke. Der heutige Bau wurde 1995 eröffnet und reicht weit über die Ostsee hinaus. Am Ende befindet sich ein Schiffsanleger; vom Brückenkopf bietet sich ein weiter Blick über das Meer und auf die Küste.

Maxim Gorki kam zur Kur - und schrieb

Auch der Ort selbst bietet mehr als Strand und Promenade. Im Kurpark steht die Villa Irmgard, in der der russische Schriftsteller Maxim Gorki 1922 mehrere Monate wohnte.

In der Villa Irmgard wohnte der russische Schriftsteller Maxim Gorki. Foto: Achim Wagner/Adobe Stock
In der Villa Irmgard wohnte der russische Schriftsteller Maxim Gorki. Foto: Achim Wagner/Adobe Stock

Er wollte sich in der Ostseeluft von einem Lungenleiden erholen. Seine Wohn- und Arbeitsräume kann man besichtigen.

Im Hinterland erstreckt sich der Heringsdorfer Kur- und Heilwald mit Spazier- und Erlebniswegen.

Eine ganz andere Perspektive auf das Seebad eröffnet der Baumwipfelpfad: Von seinem Aussichtsturm reicht der Blick über die bewaldete Insel und die Ostseeküste.

Strandwandern zu drei Kaiserbädern

Für einen Ausflug bietet sich die Küste in Richtung Ahlbeck oder Bansin an. So lässt sich Heringsdorf mit den beiden benachbarten Kaiserbädern zu einer längeren Strand- und Promenadenwanderung verbinden.

Nur 200 Kilometer trennen die Hauptstadt vom Kaiserbad. Von Berlin ist Heringsdorf mit dem Auto in knapp drei Stunden erreichbar. Mit der Bahn fährt man über Züssow; von dort geht es mit der Usedomer Bäderbahn weiter.