Es muss nicht immer Mount Fuji sein: Auch die Teestunde mit Hausschweinen ist faszinierend

Wer schon immer ein Miniatur-Schwein herzen wollte, hat in Japan Gelegenheit dazu - im Café. Der Besuch im Micro Pig House wirkt auf Menschen beruhigend und stresst auch die Tiere nicht.

Einfach gute Gesellschaft: Die Mini-Schweine sind intelligent, freundlich und entspannt. Foto: Adobe Stock
Einfach gute Gesellschaft: Die Mini-Schweine sind intelligent, freundlich und entspannt. Foto: Adobe Stock

Wer in Japan das Wichtigste erledigt hat - die Häusermeere Tokios von der Aussichtsplattform des 230 Meter hohen Wolkenkratzers Shibuya Scramble Square aus betrachtet, im Städtchen Nara heilige Hirsche gestreichelt, die schwindelerregende Metropole Osaka besucht, Schreine und Tempel besichtigt, den heiligen Vulkan Fuji zwischen Wolken geortet und schließlich ein entspannendes Bad im heißen Thermalwasser eines Onsen genommen -, der ist bereit, sich auf ein weiteres Faszinosum einlassen: den Besuch im Micro Pig-House.

Bessere Gesellschaft als mancher Mensch

Seine Bewohner sind intelligent, freundlich, flauschig und hübsch anzusehen - und somit angenehmere Gesellschaft als mancher Zweibeiner. Kein Wunder also, dass viele Japaner sich in der Nähe der niedlichen Mini-Schweine wohl fühlen und gerne Zeit mit ihnen verbringen.

Dafür gibt es die MiPig-Cafés - eine Kette von Kaffeehäusern mit tierischen Bewohnern. Vertreten sind die Micro Pig-Houses mit angeschlossenen Cafés in zahlreichen Städten, darunter Tokio, Osaka und Kyoto.

Hier können die Gäste Tee trinken, lesen, eine Ruhestunde oder einen Snack genießen, vor allem aber - nach Voranmeldung - mit den kleinen Hausschweinen interagieren und sie streicheln.

Ein bis zwei Stunden lang bewegen sich die Tiere frei im Café, so dass die Besucher respektvoll Kontakt aufnehmen können. Auf den Arm nehmen dürfen sie sie nicht, um die Tiere nicht zu stressen. Das Wohlbefinden der Tiere steht im Mittelpunkt.

Wunderschön, aber zuletzt häufig überrannt: der heilige Vulkan Fuji. Foto: Adobe Stock
Wunderschön, aber zuletzt häufig überrannt: der heilige Vulkan Fuji. Foto: Adobe Stock

Weil sie aber aufgeschlossen und ohne Scheu vor dem Menschen sind, klettern sie schon mal auf ausgestreckte Beine. Mancher Gast kommt im MiPig-Café auf den Geschmack. Das führt jedoch keinesfalls zum Verzehr der Tiere, sondern zu ihrem Erwerb als Haustier. Kann ein Interessent nachweisen, einem Schweinchen ein adäquates Heim und Auslauf bieten zu können, steht dem Kauf eines der gelehrigen, stubenreinen Tiere nichts im Weg.

Es ist heute möglich, sich in Japan zu orientieren

Japan mag heute leichter zu erschließen sein als noch zur Zeit des Films „Lost in Translation", in dem Bill Murray und Scarlett Johansson früh im Jahrtausend versuchten, in Tokio Schlaf und Orientierung zu finden. Mittlerweile sind in den Großstädten alle Schilder im öffentlichen Raum auch in englischer Sprache beschriftet.

Das bedeutet nicht, dass dieses Land nicht noch immer voller Rätsel ist; allein die Analyse der Speisen auf dem Frühstücksteller kann umfangreiches sensorisches Forschen erfordern. Solche Herausforderungen erhöhen die Faszination Japans noch und haben - neben dem historischen Tiefstand des Yen gegenüber dem Euro - dazu beigetragen, dass auch hier Overtourism um sich greift.

Kirschblütenfest am Mount Fuji abgesagt

2025 war ein Rekordjahr für Japans Tourismus: Fast 43 Millionen Besucher kamen ins Land. Nun wird es den Einheimischen fast zu viel. Zuletzt wurde das Kirschblütenfest am Mount Fuji abgesagt - wegen zu vieler Besucher, die die Straßen verstopfen und überall Müll hinterlassen. Der Besuch im MiPig-Café bietet ein Kontrastprogramm zu solchen Exzessen.