Düstere Geschehnisse vor malerischen Kulissen: Der mutige Kampf der Weißen Rose
Am 22. Februar 1943 wurden die Geschwister Sophie und Hans Scholl wegen ihres Widerstands gegen die Nazis hingerichtet. Im idyllischen Forchtenberg und in Ulm sind Spuren ihres Lebens zu finden.

Wie im Mittelalter sah es in Forchtenberg am Kocher aus, als der neue Bürgermeister Robert Scholl und seine Frau Lina 1919 mit ihren kleinen Kindern Inge und Hans hierherzogen. Uralte Fachwerkhäuser säumten die steilen Gassen des festungsartig am Hang gelegenen Städtchens. Einzige Verbindung zur Außenwelt war die Postkutsche.
Idyllische Kindheit am Kocher
Die Amtswohnung im Rathaus war der Hauptschauplatz einer idyllischen Kindheit. Im ersten Stock wurde Sophie Scholl am 9. Mai 1921 geboren. Heute befindet sich dort der Ratssaal.
Im Foyer stehen eine Gedenktafel und eine Büste Sophie Scholls, die mit ihrem Bruder Hans und dem Kommilitonen Christoph Probst am 22. Februar 1943 in München enthauptet wurde, nachdem sie in Flugblättern zum Sturz der Nazi-Diktatur aufgerufen hatten.
Tafeln erzählen ihre Geschichte. Die Texte stammen von der Künstlerin Renate Deck, die das Andenken der Geschwister pflegt: mit einer Denk-Stätte Würzburger Tor und mit Führungen durch Forchtenberg, dem Geburtsort von Elisabeth, Sophie, Werner und Thilde Scholl.
Obwohl der Geburtsort der vier jüngeren Scholl-Kinder im April 1945 bombardiert wurde, ist seine Struktur intakt, die Häuser wurden aufgebaut wie zuvor. Der Geschwister-Scholl-Pfad führt zu den Schauplätzen ihrer Kindheit. Die steile Gasse vom Rathaus zur Kirche und der Burgruine diente den Kindern als Rodelstrecke. Unter der Stadtmauer hatte die Familie ihren Gemüsegarten, im Fluss lernte Sophie schwimmen.
Umzug ins Herz von Ulm
1932 zog die Familie nach Ulm. Im Schatten des Ulmer Münsters fanden ungezählte Nazi-Aufmärsche statt. Mittendrin die Scholl-Kinder, die in der Hitlerjugend Karriere machten. Zuhause in der Olgastraße, die ab 1937 Adolf-Hitler-Ring hieß, hing der Haussegen deshalb gewaltig schief, denn den Eltern war das Regime zuwider.
Doch bald wuchsen auch bei den Kindern Klarsicht - und Kritik. 1937 klingelte erstmals die Gestapo. Hans wurde inhaftiert und Sophie, Inge und Werner vernommen. Der Vater musste 1942 ins Gefängnis, weil er Hitler als „Geißel Gottes" bezeichnet hatte.
Die Orgel übertönte die Schreibmaschine
Die eindrücklichste Verbindung zur Widerstandsorganisation der Weißen Rose befindet sich außerhalb der Altstadt Ulms in der Martin-Luther-Kirche. In ihrem Orgelkämmerchen versteckten sich im Januar 1943 Pfarrerssohn Hans Hirzel und sein katholischer Schulfreund Franz-Josef Müller mit einer Schreibmaschine. Einer orgelte, um das Hämmern der Maschine zu übertönen.
Die beiden adressierten die Umschläge für 2000 Exemplare des fünften Flugblatts der Weißen Rose. Sophie, die jetzt wie Hans in München studierte, hatte sie per Zug gebracht. Das Tischchen, an dem sie tippten, ist erhalten, vom Band hört man ihre Stimmen.

Hans und Sophie legten am 18. Februar 1943 in der Uni in München 1700 Exemplare des sechsten Flugblatts aus, in dem sie neuerlich zum Widerstand aufriefen. Sie wurden gesehen, verhaftet und vier Tage später zum Tod verurteilt. Am selben Tag wurde das Urteil vollstreckt. 1945 setzten die Amerikaner Robert Scholl als Bürgermeister Ulms ein. Vor seinem Rathaus liegt der Hans-und-Sophie-Scholl-Platz. Eine Stehle erinnert an die Geschwister.