Planetarische Nebel: Wie alternde Sterne die schönsten Farbenkunstwerke des Universums hervorbringen

Planetarische Nebel zählen zu den eindrucksvollsten Erscheinungen des Nachthimmels. Sie entstehen am Ende eines Sternenlebens und zeigen, wie spektakulär kosmischer Wandel aussehen kann – farbenreich, filigran und oft überraschend symmetrisch.

Die Aufnahme zeigt die namensgebende innere Struktur des Katzenaugennebels, darin die im Abstand von etwa 1500 Jahren emittierten Sphären sowie den punktförmigen Zentralstern. Bild: NASA/ESA/HEIC/Hubble/STScI/AURA
Die Aufnahme zeigt die namensgebende innere Struktur des Katzenaugennebels, darin die im Abstand von etwa 1500 Jahren emittierten Sphären sowie den punktförmigen Zentralstern. Bild: NASA/ESA/HEIC/Hubble/STScI/AURA

Planetarische Nebel haben mit Planeten eigentlich nichts zu tun. Der Begriff stammt aus dem 18. Jahrhundert, als frühe Teleskope die leuchtenden Gaswolken wie kleine Planetenscheiben erscheinen ließen. Tatsächlich aber handelt es sich um die abgestoßenen Hüllen alter Sterne, die am Ende ihres Lebens ihre äußeren Schichten ins All schleudern.

Planetarische Nebel gehören allgemein der Gruppe der Nebel an. Sie kommen dadurch zustande, dass ein alter Stern eine Hülle aus Gas und Plasma abstößt. Innerhalb der Milchstraße gibt es etwa 1500 Objekte.

Zurück bleibt meist ein Weißer Zwerg, ein extrem heißer Sternenkern, dessen ultraviolette Strahlung das umgebende Gas zum Leuchten bringt – was planetarische Nebel zu den spektakulärsten Objekten der Astronomie macht.

Der Ringnebel – Klassiker des Sommerhimmels

Besonders bekannt ist der Ringnebel M57 im Sternbild Leier. Seine nahezu perfekte Ringform machte ihn schon früh zu einem beliebten Beobachtungsobjekt. Der Nebel liegt rund 2300 Lichtjahre von der Erde entfernt und entstand, als ein sonnenähnlicher Stern seine Gashülle abstieß. Auf Fotografien erscheint der Ring in kräftigen Blau-, Rot- und Violetttönen.

Der Ringnebel liegt etwa 2000 Lichtjahre von der Erde entfernt im Sternbild Lyra und misst ungefähr 1 Lichtjahr im Durchmesser. Bild: NASA/ESA/C.R. O'Dell/D. Thompson
Der Ringnebel liegt etwa 2000 Lichtjahre von der Erde entfernt im Sternbild Lyra und misst ungefähr 1 Lichtjahr im Durchmesser. Bild: NASA/ESA/C.R. O'Dell/D. Thompson

Forschende gehen davon aus, dass die charakteristische Form nicht wirklich kreisrund ist, sondern eher einem zylindrischen Gasgebilde ähnelt, das von der Erde aus frontal betrachtet wird. Der Ringnebel zeigt außerdem, wie kurzlebig diese Phase im Universum ist. Schon in einigen zehntausend Jahren wird sich das Gas so weit verteilt haben, dass der Nebel kaum noch sichtbar sein dürfte.

Das Katzenauge im Sternbild Drache

Noch komplexer wirkt der Katzenaugennebel NGC 6543. Hochauflösende Bilder des Hubble-Weltraumteleskops enthüllten konzentrische Ringe, bogenförmige Strukturen und feine Jets. Astronomen bezeichnen ihn deshalb als einen der kompliziertesten bekannten planetarischen Nebel.

Seinen Namen verdankt das Objekt der auffälligen inneren Form, die an eine Katzenpupille erinnert. Entdeckt wurde der Nebel bereits im Jahr 1786 von Wilhelm Herschel.

Bis heute ist unklar, wie genau die regelmäßigen Ringstrukturen entstanden sind. Einige Forschende vermuten pulsierende Sternwinde, andere sehen Hinweise auf ein Doppelsternsystem.

Der Ameisennebel

Besonders ungewöhnlich wirkt der Ameisennebel Mz 3 im Sternbild Winkelmaß. Auf Aufnahmen erinnert seine Form an den Körper einer Ameise mit ausgebreiteten Beinen oder Flügeln. Der Nebel liegt etwa 8000 Lichtjahre von der Erde entfernt und gehört zu den komplexesten bekannten planetarischen Nebeln. Astronomen gehen davon aus, dass hier vermutlich nicht nur ein einzelner Stern beteiligt ist, sondern ein Doppelsternsystem.

Der Ameisennebel weist eine markante, nichtkugelförmige Symmetrie auf, die von dem ausgestoßenen Gas des Zentralsterns erzeugt wird. Astronomen spekulieren, ob der zentrale Stern einen nahen Begleitstern oder sehr starke Magnetfelder hat. Bild: NASA/ESA/Hubble/STScI/AURA/R. Sahai/B. Balick
Der Ameisennebel weist eine markante, nichtkugelförmige Symmetrie auf, die von dem ausgestoßenen Gas des Zentralsterns erzeugt wird. Astronomen spekulieren, ob der zentrale Stern einen nahen Begleitstern oder sehr starke Magnetfelder hat. Bild: NASA/ESA/Hubble/STScI/AURA/R. Sahai/B. Balick

Gewaltige Sternwinde formen das ausgestoßene Gas zu zwei symmetrischen Lappen, die sich mit hoher Geschwindigkeit ins All ausbreiten. Auffällig sind die rötlichen und orangefarbenen Bereiche, die durch leuchtenden Wasserstoff entstehen. Hochauflösende Bilder zeigen zudem feine Gasfilamente und chaotische Strukturen.

Zwei gewaltige Strahlen aus Gas

Noch spektakulärer erscheint der Twin Jet Nebula, auch Schmetterlingsnebel M2-9 genannt. Der planetarische Nebel befindet sich rund 2100 Lichtjahre entfernt im Sternbild Schlangenträger und gehört zu den eindrucksvollsten bipolaren Nebeln überhaupt.

Der Schmetterlingsnebel ist ein besonders eindrucksvolles Beispiel für einen bipolaren planetaren Nebel. Solche Systeme entstehen, wenn das zentrale Objekt kein einzelner Stern, sondern ein Binärsystem ist. Bild: ESA/Hubble
Der Schmetterlingsnebel ist ein besonders eindrucksvolles Beispiel für einen bipolaren planetaren Nebel. Solche Systeme entstehen, wenn das zentrale Objekt kein einzelner Stern, sondern ein Binärsystem ist. Bild: ESA/Hubble

Sein Name stammt von zwei gewaltigen Gasstrahlen, die sich symmetrisch vom Zentralstern weg erstrecken. Dadurch erinnert das Objekt auf Fotografien an die Flügel eines Schmetterlings. Forschende vermuten auch hier ein enges Doppelsternsystem im Zentrum, dessen Wechselwirkung die markante Form erzeugt.

Die leuchtenden Gasflügel verändern sich sogar im Laufe der Zeit leicht, da energiereiche Teilchen und Sternwinde weiterhin durch den Nebel strömen. Besonders faszinierend ist die starke Symmetrie des Objekts: Während viele planetarische Nebel eher chaotisch erscheinen, wirkt der Twin Jet Nebula fast künstlich gestaltet.

Genau solche Formen zeigen, wie vielfältig und überraschend das Ende eines Sternenlebens im Universum aussehen kann. Planetarische Nebel zeigen damit auch einen Blick in die ferne Zukunft unseres Sonnensystems. Denn in einigen Milliarden Jahren dürfte der Sonne ein ähnliches Schicksal widerfahren – und möglicherweise selbst ein leuchtender Nebel werden.

Quellenhinweis:

NASA: Ring Nebula (M57)

NASA: Cat’s Eye Nebula (NGC 6543)

NASA: Ant Nebula (Mz 3)

NASA: Twin Jet Nebula (M2-9)

ESA/Hubble: Planetary Nebulae Gallery

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