Hat Jupiter dazu beigetragen, die Erde bewohnbar zu machen?
Eine neue Studie legt nahe, dass Jupiter die Bausteine des Lebens nicht direkt auf die Erde gebracht hat, sondern möglicherweise verhindert hat, dass sie ins All verloren gingen. Seine frühe Entstehung könnte entscheidend dazu beigetragen haben, dass unser Planet Wasser und andere lebenswichtige Verbindungen behalten konnte.
Die Erde wurde nicht durch Zufall bewohnbar. Damit sich auf unserem Planeten Ozeane, eine Atmosphäre und schließlich Leben entwickeln konnten, musste sich eine ganz bestimmte Kombination chemischer Bestandteile ansammeln. Dazu gehörten Stickstoff und Phosphor, zwei Elemente, die für den Aufbau biologischer Moleküle unverzichtbar sind.
Jahrelang lautete eine der vorherrschenden wissenschaftlichen Theorien, dass ein Großteil dieser Materialien aus den äußeren Regionen des Sonnensystems stamme und von Asteroiden und Meteoriten auf die junge Erde gebracht worden sei. Eine neue, von der NASA unterstützte Studie schlägt jedoch eine andere Erklärung vor – und darin spielt Jupiter eine unerwartete Rolle.
Die Bausteine des Lebens waren vielleicht näher, als wir dachten
Die in Science Advances veröffentlichte Studie unter der Leitung von Wissenschaftlern der Rice University untersuchte den Zusammenhang zwischen Phosphor und Stickstoff in Eisenmeteoriten und Chondriten. Diese Objekte wirken wie Zeitkapseln, da sie chemische Informationen aus den frühesten Entwicklungsstadien des Sonnensystems bewahren.
Die Forscher machten eine überraschende Entdeckung: Die Erde könnte einen Großteil dieser Elemente aus dem inneren Sonnensystem bezogen haben, also aus derselben Region, in der sich die Gesteinsplaneten – Merkur, Venus, Erde und Mars – gebildet haben. Dies stellt die Vorstellung in Frage, dass die wesentlichen Bausteine des Lebens in erster Linie aus kälteren, weiter entfernten Regionen stammten.
Jupiter, der Gravitationswächter des Sonnensystems
An dieser Stelle kommt Jupiter, der größte Planet des Sonnensystems, ins Spiel. Als er sich bildete, übte seine enorme Masse einen Gravitations Einfluss aus, der die Bewegung der Materie um die Sonne verändern konnte.
Der Studie zufolge könnte das Wachstum des Jupiter den Transport von Phosphor und Stickstoff aus dem inneren Sonnensystem in weiter entfernte Regionen eingeschränkt haben. Als eine Art Gravitationsbarriere könnte der Gasriese dazu beigetragen haben, dass diese Elemente in der Nähe des Gebiets, in dem sich die Erde bildete, verfügbar blieben.
Das bedeutet nicht, dass Jupiter die Bausteine des Lebens direkt „geliefert“ hat. Vielmehr könnte er verhindert haben, dass einige davon in andere Teile des Sonnensystems entwichen sind. Er war weniger ein kosmischer Lieferservice als vielmehr ein kosmischer Torwächter: Er hat die Party zwar nicht organisiert, aber er hat dazu beigetragen, dass die wichtigen Gäste nicht gingen.
Ein Hinweis auf die Suche nach bewohnbaren Welten außerhalb des Sonnensystems
Diese Entdeckung könnte auch die Art und Weise verändern, wie Wissenschaftler andere Planetensysteme untersuchen. Wenn das Vorhandensein und das Wachstum eines Riesenplaneten wie Jupiter die Verteilung essenzieller Elemente beeinflusst, müssen Astronomen bei der Suche nach bewohnbaren Planeten möglicherweise der Gesamtarchitektur der Systeme mehr Beachtung schenken.
Es reicht nicht aus, einen Gesteinsplaneten in der richtigen Entfernung zu seinem Stern zu finden. Entscheidend ist auch, wie dieser Planet entstanden ist, welche Materialien ihm zur Verfügung standen und welche Riesenplaneten ihn in den ersten paar Millionen Jahren seiner Existenz umgaben.
Die Forschungsergebnisse lösen das Rätsel, wie die Erde bewohnbar wurde, zwar nicht vollständig, liefern aber ein faszinierendes Puzzleteil. Unser Planet war möglicherweise nicht allein darauf angewiesen, sich im richtigen Abstand zur Sonne zu befinden. Möglicherweise war es auch notwendig, dass Jupiter genau zum richtigen Zeitpunkt und am richtigen Ort wuchs. In der Geschichte des Lebens können sogar weit entfernte Riesen eine wichtige Rolle spielen.
Quellenhinweis:
NASA. NASA Finds a New Way Earth May Have Received Elements Needed for Life.