Überraschender Fund: Nofretets Grab macht wieder Schlagzeilen
Mehr als 1200 Messungen im Umfeld von Tutanchamuns Grab haben Hinweise auf bislang unbekannte Strukturen geliefert. Und die könnten auch etwas mit Nofretete zu tun haben.

Tutanchamuns Grab im Tal der Könige gehört zu den bekanntesten archäologischen Fundstätten der Welt. Nun liefern neue geophysikalische Untersuchungen Hinweise auf mögliche Strukturen rund um die Grabstätte KV62. Die Ergebnisse sind interessant, lassen sich bislang aber nicht eindeutig interpretieren.
Wie das Wissenschaftsportal "GreWi.de" laut der "Bild"-Zeitung zuerst berichtete, haben Forscher die Umgebung des Grabes erneut mit verschiedenen Messverfahren untersucht. Zum Einsatz kamen unter anderem Bodenradar und Mikrogravimetrie. Bei der Mikrogravimetrie werden winzige Unterschiede im Schwerefeld der Erde erfasst. Solche Abweichungen können auf Unterschiede in der Dichte des Untergrunds hinweisen.
Besonders auffällig ist ein möglicher, etwa zwei Meter breiter Gang, der von Tutanchamuns Grabkammer wegzuführen scheint. Der Geophysiker und Bauingenieur George Ballard vermutet, dass dieser Bereich mit Geröll gefüllt sein könnte.
Das ist wichtig, weil frühere Untersuchungen möglicherweise gezielt nach einem größeren, leeren Hohlraum gesucht hatten. Ein mit Geröll verfüllter Gang wäre mit solchen Methoden möglicherweise schwerer zu erkennen. Ballard erklärte gegenüber "Nature", die Daten deuteten auf Strukturen hin, deren Achsen auffällig parallel zur Nordwand verlaufen.
1200 Messungen – aber noch kein Beweis
Für die Mikrogravimetrie wurden laut "Nature" mehr als 1200 Messungen auf rund 35 Quadratmetern vorgenommen. Dabei zeigten sich mehrere rechtwinklige Strukturen mit vergleichsweise geringer Dichte.
Besonders interessant ist eine davon: "Anomalie 7". Die Messdaten weisen dort auf einen möglichen hohlen Bereich hin. Darin zeichnet sich wiederum ein nahezu quadratisches Objekt mit höherer Dichte ab.
Ballard hält es für möglich, dass sich dort eine Kammer mit Grabbeigaben befinden könnte. Mehr lässt sich aus den Daten derzeit jedoch nicht sicher ableiten. Der Forscher betont selbst, dass die Messungen "an den Grenzen der Nachweisbarkeit" liegen.

Auch andere Fachleute bewerten die Ergebnisse entsprechend vorsichtig. Christopher Gaffney von der University of Bradford bezeichnete die Befunde gegenüber "Nature" als "faszinierend", betonte aber, dass die Daten noch keine eindeutigen Schlussfolgerungen zuließen.
Der Geophysiker Peter Styles von der Keele University hält die Existenz von Kammern auf Grundlage der Mikrogravimetrie zwar für "plausibel". Auch er möchte jedoch weitere Daten sehen. Damit ist derzeit weder bewiesen, dass sich hinter Tutanchamuns Grab weitere Räume befinden, noch steht fest, dass es sich bei den gemessenen Strukturen überhaupt um archäologische Räume handelt.
Was hat das mit Nofretete zu tun?
Die Ergebnisse erinnern an eine Theorie, die der britische Ägyptologe Nicholas Reeves bereits 2015 aufgestellt hatte. Er vermutet, dass Tutanchamuns vergleichsweise kleines Grab ursprünglich Teil einer größeren königlichen Grabanlage gewesen sein könnte.
Daraus entstand die Überlegung, dass sich hinter den bekannten Grabkammern möglicherweise weitere Räume befinden könnten – möglicherweise sogar das lange gesuchte Grab der Königin Nofretete.
Die aktuellen Messungen bestätigen diese Theorie allerdings nicht. Sie liefern lediglich Hinweise auf Strukturen, die mit einem solchen Szenario vereinbar sein könnten. Ob tatsächlich weitere Kammern existieren, was sich darin befindet und ob überhaupt ein Zusammenhang mit Nofretete besteht, ist weiterhin offen.
Der Ägyptologe Mamdouh Eldamaty, Leiter der Untersuchung, spricht laut "Nature" von einem möglichen "verborgenen Komplex aus Gängen und Räumen". Das Wort "möglich" ist dabei entscheidend: Bislang handelt es sich um geophysikalische Hinweise, nicht um einen archäologischen Nachweis.
Weitere Untersuchungen müssen deshalb zeigen, was tatsächlich hinter den Messwerten steckt. Erst wenn sich die Strukturen mit zusätzlichen Methoden bestätigen lassen, könnte aus dem rätselhaften Signal ein konkreter archäologischer Fund werden. Bis dahin bleibt Nofretetes Grab eine spannende, aber unbewiesene Möglichkeit.
Artikelreferenz
Bild.de. (2026). Forscher finden Hinweise auf Nofretetes Grab.