Historisch: Ein Roboter, der von der Erde aus gesteuert wird, führt die erste Operation im Weltraum durch

Das Experiment zeigte die Machbarkeit von Fernoperationen im Weltraum. Dies eröffnet neue Perspektiven für die Medizin, sowohl im Weltraum als auch hier auf der Erde.

Chirurgie im Weltraum, Medizin
Der chirurgische Roboter trägt den Namen 'spaceMIRA'.

Zum ersten Mal in der Geschichte ist es einer Gruppe von Wissenschaftlern gelungen, einen chirurgischen Roboter auf der Internationalen Raumstation (ISS) von der Erde aus zu bedienen.

Der Roboterchirurg heißt spaceMIRA und ist ähnlich wie ein Arm. Er ist nur 76 cm groß und wiegt knapp 1 kg. Vom Labor in Lincoln (Nebraska) aus operierten sechs Ärzte aus der Ferne und der Roboter schaffte es, die geplanten chirurgischen Schnitte korrekt zu setzen.

SpaceMIRA (Miniaturisierter In-Vivo-Roboter-Assistent) ist eine gemeinsame Entwicklung der Virtual Incision Corporation und der University of Nebraska-Lincoln (UNL). Er ist Anfang Februar an der Internationalen Raumstation angekommen.

In diesem ersten Experiment operierte der Roboter nicht an einem echten Menschen, sondern machte Schnitte in elastische Bänder, die menschliches Gewebe, Muskeln, Sehnen und Blutgefäße simulierten. Die Bänder befanden sich in einem Versuchsschrank von der Größe einer Mikrowelle.

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Die Ärzte auf der Erde hatten zwei große Herausforderungen zu bewältigen. Die Schwerelosigkeit und die kleine Verzögerung bei der Antwort, da der Roboter aufgrund seiner Entfernung von 400 Kilometern von der Station etwa eine halbe Sekunde nach dem Befehl von der Erde aus reagiert. Dadurch waren die Ärzte gezwungen, ihre Manöver neu zu berechnen.

Eine Viertel- oder halbe Sekunde ist sehr wichtig, daher war es eine große Herausforderung", sagte der Chirurg Michael Jobst, einer der Betreiber von spaceMIRA.

"Wir konnten sehen, wie die linke Hand eine Zange und die rechte Hand eine Schere hielt. Wir waren in der Lage, die Bänder zu halten, die Schere zu nehmen und sie zu durchtrennen", erklärte Shane Farritor, der Chief Technology Officer des Unternehmens. "Es war ein kleines Gummiband, aber ein großer Schritt für die Chirurgie", sagten die Ärzte unter Beifall, als der Eingriff beendet war.

Der spaceMIRA ist eine Weiterentwicklung des MIRA, des ersten miniaturisierten robotergestützten Chirurgiegeräts (miniRAS). Der Unterschied zwischen den beiden Modellen liegt nach Angaben des Unternehmens in ihrer kleinen Größe und Tragbarkeit, die die Fernchirurgie einfacher und zugänglicher machen soll. Nicht nur im Weltraum, sondern auch auf der Erde.

Langes Leben im Weltraum: Vorbereitungen

Die ISS wird seit zwei Jahrzehnten von Menschen bewohnt. Die Astronauten sind in der Regel bei sehr guter Gesundheit, wenn sie die Erde verlassen, sodass bei ihren Fernarztbesuchen fast nie ernsthafte körperliche Probleme auftreten.

Aber die Zeiten ändern sich. Mit den technischen Möglichkeiten werden Weltraumreisen immer länger und Aufenthalte auf Himmelskörpern immer länger. Daher wird die Frage der Versorgung und Bereitstellung von Dienstleistungen für die Raumfahrtbehörden immer wichtiger.

Doch wie viele Innovationen hat auch diese neue Technologie für Fernoperationen ein Anwendungspotenzial, das weit über die Eroberung des Weltraums hinausgeht.

"Die Fernchirurgie könnte die Gesundheitsversorgung im Weltraum und auf der ganzen Welt beeinflussen. Allein in den Vereinigten Staaten hat derzeit ein Drittel der Bezirke keinen Zugang zu einem Chirurgen vor Ort, und der Mangel an Chirurgen könnte in den nächsten zehn Jahren auf mehr als 30.000 ansteigen", berichtet die Website Virtual Incisión.

Medizin, Fernchirurgie, Weltraum
Ferngesteuerte Operationen im Weltraum sind nun eine reale Möglichkeit.

Der Präsident des Unternehmens, John Murphy, bestätigte diese Idee: "So aufregend es auch ist, unsere Technologie im Weltraum zu haben, wir hoffen, dass die Auswirkungen dieser Forschung auf der Erde spürbarer sein werden."

Die Technologiedemonstrationsmission 2024 wird von der National Aeronautics and Space Administration (NASA) und der Universität von Nebraska über das Established Programme for Competitive Research (EPSCoR) finanziert.

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