Fast 40 Jahre nach Untergang: Sowjetisches Atom-U-Boot gibt weiter Radioaktivität ab
A scientific study detects periodic emissions from the reactor of a submarine that sank in 1989, while the nuclear warheads appear to remain sealed on the seafloor.

Auf dem Meeresgrund des Nordatlantiks liegen noch immer Überreste aus dem Kalten Krieg, die nach wie vor unbequeme Fragen aufwerfen. Einer davon ist das sowjetische Atom-U-Boot K-278 „Komsomolets“, das 1989 nach einem Brand an Bord sank. Fast vier Jahrzehnte später sorgt es immer noch für Schlagzeilen.
Eine aktuelle Analyse hat bestätigt, dass der Reaktor des Schiffes, der sich in einer Tiefe von etwa 1.700 Metern befindet, gelegentlich radioaktives Material freisetzt. Dennoch betonen Wissenschaftler, dass die Messungen auf eine sehr begrenzte Ausbreitung in der umgebenden Meeresumwelt hindeuten.
Das sowjetische Atom-U-Boot „Komsomolets“: Ein Reaktor, der nach wie vor Radionuklide freisetzt
Ein Team des Norwegischen Instituts für Meeresforschung hat Proben analysiert, die in der Nähe des U-Boot-Rumpfs entnommen wurden. Die Studie belegt das Vorhandensein von Radionukliden, die mit dem in Kernreaktoren verwendeten Brennstoff in Verbindung stehen.
Unter den nachgewiesenen Stoffen wurden Plutonium-239, Plutonium-240 und Uran-236 identifiziert. Diese Isotope weisen eindeutig auf die Quelle der Kontamination hin, die aus dem Antriebssystem des U-Boots stammt.
Die Autoren der Studie kommen zu dem Schluss, dass die Freisetzungen nicht konstant sind, sondern unregelmäßig auftreten. Dennoch bestätigt das Ergebnis, dass der Reaktor auch mehr als drei Jahrzehnte nach dem Unfall weiterhin geringe Mengen an radioaktivem Material freisetzt.
Radioaktives Material im Nordatlantik: Was die Messungen zeigen
Die höchsten Konzentrationen wurden in der unmittelbaren Umgebung des U-Boots gemessen. Die Forscher erklären, dass das nachgewiesene Material hauptsächlich im Bereich des versunkenen Rumpfes verbleibt.

Je weiter man sich von der Einleitungsstelle entfernt, desto schneller verdünnt das Meerwasser die radioaktiven Partikel. Die enorme Menge an Meerwasser wirkt wie ein natürliches Ausbreitungssystem.
Aus diesem Grund weisen Messungen in etwas weiter entfernten Gebieten deutlich niedrigere Werte auf. Der Studie zufolge wurden in der Norwegischen See keine nennenswerten großräumigen Anreicherungen beobachtet.
Der Stand der „Komsomolets“-Atomsprengköpfe
Das sowjetische Atom-U-Boot K-278 „Komsomolets“ hatte zum Zeitpunkt des Untergangs mit Atomsprengköpfen bestückte Torpedos an Bord. Diese Tatsache hat bei Wissenschaftlern und Behörden seit jeher Besorgnis ausgelöst.

Allerdings weisen die analysierten Proben keine eindeutigen Anzeichen für Plutonium auf, das mit diesen Waffen in Verbindung steht. Die festgestellte Isotopenzusammensetzung entspricht der von Reaktorbrennstoff, nicht der von Sprengköpfen.
Experten werten dies als Zeichen dafür, dass die Sprengköpfe weiterhin versiegelt sind. Derzeit gibt es keine Hinweise darauf, dass diese Sprengköpfe undicht sind.
Wissenschaftliche Überwachung einer Gefahr, die nicht verschwunden ist
Der „Komsomolets“ liegt in einer Tiefe von etwa 1.700 Metern. In dieser Umgebung herrschen extrem niedrige Temperaturen, enormer Druck und ständige Korrosion vor.
Im Laufe der Jahre verschlechtern sich der Reaktorblock und die internen Systeme langsam weiter. Dieser Verschleiß kann kleine Durchgänge schaffen, durch die Radionuklide entweichen und ins umgebende Wasser gelangen.
Forscher warnen, dass diese Situation eine regelmäßige Überwachung des Standorts erfordert. Auch wenn die Auswirkungen auf die Umwelt derzeit begrenzt sind, wird das U-Boot noch lange Zeit eine potenzielle Kontaminationsquelle im Nordatlantik bleiben.
Quellenhinweis:
State of the sunken nuclear submarine Komsomolets in the Norwegian Sea. Justin P. Gwynn et al. PNAS (2026). DOI: https://doi.org/10.1073/pnas.2520144123
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