Alarmstufe am Main ausgerufen: Extreme Hitze lässt die Wassertemperaturen gefährlich ansteigen
Die anhaltende Hitzewelle erwärmt den Main auf Rekordniveau. Behörden rufen erstmals die Alarmstufe aus. Für Fische und andere Wasserlebewesen könnte die Situation kritisch werden.

Die extreme Hitzewelle setzt nicht nur Menschen zu. Auch der Main gerät zunehmend unter Druck. Wegen außergewöhnlich hoher Wassertemperaturen hat die Regierung von Unterfranken für den unteren Main erstmals die Alarmstufe des „Alarmplans Main – Gewässerökologie“ ausgerufen.
Betroffen ist der Flussabschnitt von der hessisch-bayerischen Landesgrenze bei Kahl bis nach Würzburg.
Die Entscheidung fiel, nachdem die Temperaturen des Flusswassers innerhalb weniger Tage deutlich angestiegen waren.
Experten beobachten die Entwicklung mit Sorge, denn viele Wasserorganismen geraten bereits in einen Bereich, in dem lebenswichtige Funktionen beeinträchtigt werden können.
Rasante Erwärmung innerhalb weniger Tage
An der Messstation Erlabrunn stieg die Wassertemperatur im 3-Stundenmittel zwischen dem 16. und 24. Juni von rund 20 auf 28,4 Grad Celsius.
Auch weiter flussabwärts wurden wichtige Schwellenwerte überschritten.
Verantwortlich dafür sind die außergewöhnlich hohen Lufttemperaturen sowie die tropischen Nächte der vergangenen Tage.
Normalerweise kann sich ein Fluss während der Nachtstunden zumindest teilweise abkühlen. Derzeit bleibt diese Erholung jedoch aus. Selbst Nebenflüsse und Zuflüsse bringen kaum noch kühlere Wassermassen in das System.
Die Prognosen verschärfen die Sorgen zusätzlich. Für Unterfranken werden Lufttemperaturen im Schatten von bis zu 40 Grad erwartet. Dadurch könnte sich das Wasser weiter aufheizen und neue Temperaturrekorde erreichen.
Warum warmes Wasser gefährlich werden kann
Für viele Tiere im Main bedeutet die Hitze erheblichen Stress. Mit steigender Temperatur sinkt die Fähigkeit des Wassers, Sauerstoff zu speichern.
Die Folgen reichen von Verhaltensänderungen bis hin zu massiven Verlusten:
- Fische können apathisch werden oder an der Wasseroberfläche nach Sauerstoff schnappen. Zudem steigt die Anfälligkeit für Krankheiten und Parasiten.
- Auch die Fortpflanzung vieler Arten wird erschwert, wenn Temperaturgrenzen überschritten werden.
- Langfristig drohen Veränderungen der Artenzusammensetzung. Wärmeliebende eingewanderte Arten könnten profitieren, während heimische Arten zunehmend unter Druck geraten.
Noch ist genügend Sauerstoff vorhanden
Trotz der angespannten Lage gibt es bislang einen positiven Aspekt. Die Sauerstoffwerte befinden sich derzeit noch im unkritischen Bereich. Unterstützt wird dies durch Algen, die bei Sonneneinstrahlung Sauerstoff produzieren.
Doch Fachleute warnen vor einem möglichen Umschwung. Sollte die Hitze weiter zunehmen, könnten größere Algenbestände absterben. Der anschließende Zersetzungsprozess verbraucht wiederum große Mengen Sauerstoff und kann innerhalb kurzer Zeit zu kritischen Bedingungen führen.
Aus diesem Grund überwachen die zuständigen Behörden die Entwicklung rund um die Uhr.
Behörden fahren Schutzmaßnahmen hoch
Mit Ausrufung der Alarmstufe greifen verschiedene Vorsorgemaßnahmen. Kommunen, Kläranlagen und Industriebetriebe wurden aufgefordert, ihre Einleitungen und Betriebsabläufe an die aktuelle Situation anzupassen. Ziel ist es, zusätzliche Belastungen des Flusses möglichst zu vermeiden.
Bereits untersagt sind außerdem Schlammräumungen und Baggerarbeiten, sofern sie nicht aus Gründen der Sicherheit zwingend erforderlich sind. Solche Eingriffe können Sedimente aufwirbeln und dadurch den Sauerstoffhaushalt zusätzlich beeinträchtigen.
Sollten die Sauerstoffwerte weiter sinken, stehen technische Maßnahmen bereit. Dazu zählen Anlagen zur künstlichen Belüftung des Wassers an ausgewählten Standorten entlang des Mains.

Auch Freizeitnutzer können helfen
Die Behörden appellieren zudem an Freizeitnutzer des Flusses:
An der Oberfläche nach Sauerstoff schnappende Fische sollten nicht durch schnell fahrende Boote gestört werden. Auch das Aufwirbeln von Sedimenten sowie Störungen schattiger Uferbereiche, die vielen Tieren als Rückzugsorte dienen, sollen vermieden werden.
Die aktuelle Entwicklung zeigt, wie stark Flüsse auf extreme Wetterlagen reagieren. Während die Hitzewelle an Land für neue Temperaturrekorde sorgen könnte, entscheidet sich selbst im Wasser, wie widerstandsfähig die Ökosysteme gegenüber den Folgen des Klimawandels tatsächlich sind.
Artikelreferenz
Regierung von Unterfranken,. Pressemitteilungen zum „Alarmplan Main – Gewässerökologie.