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Rekordschmelze der grönländischen Eisdecke!

Grönland hat eine der größten Eisbedeckungen der gesamten Erde. Viele Gletscher und Eisdecken schmelzen dahin. Auch in Grönland ist der Klimawandel schon voll angekommen.

Eisdecke in Grönland
Durch die Eisschmelze wird dunkles Gestein freigelegt, dass die Sonnenstrahlen absorbieren kann und sich erwärmt.

Grönlands Eisschild ist im vergangenen Jahr um einen Rekordanteil geschrumpft. Eine neue Studie, die in der Zeitschrift Cryosphere veröffentlicht wurde, ergab, dass die Temperaturen trotz des enormen Schmelzens nicht so hoch waren wie beim letzten großen Schmelzereignis im Jahr 2012.

Grönlands Eisschild ist für den Anstieg des Meeresspiegels von entscheidender Bedeutung. Ein Großteil des arktischen Eises schwimmt auf dem Ozean, wobei sich der größte Teil eines Eisbergs unter der Oberfläche befindet. Das heißt, wenn es schmilzt, wirkt der Verlust von Unterwassereis dem Anstieg des Wassers entgegen und der Meeresspiegel bleibt gleich. Grönlands Eisdecke (und das meiste Eis der Antarktis) befindet sich an Land, sodass jeder Tropfen geschmolzenen Eises, der die Flüsse hinunter und ins Meer fließt, zu einem Anstieg des Meeresspiegels beiträgt. Wenn die gesamte grönländische Eisdecke schmilzt, steigt der Meeresspiegel um etwa 7 Meter.

Wettereinflüsse

Dieses Schmelzereignis in Grönland zeigt, dass es beim Klimawandel nicht nur um den mittleren Temperaturanstieg geht. Es kann auch lokale Auswirkungen aufgrund von Änderungen in den Wetterlagen geben. Im Sommer 2019 waren die Wetterbedingungen in Grönland besonders ungewöhnlich.

Im Sommer 2019 schlängelte sich der Jetstream viel stärker als gewöhnlich und Grönland bekam viel häufiger hohen Luftdruck. Dieser brachte etwas wärmere Luft aus dem Süden, aber der hohe Druck hatte einen weiteren Einfluss. Er brachte extrem sonniges Wetter nach Grönland.

Der viele Sonnenschein hatte zwei tiefgreifende Auswirkungen auf die Eisdecke Grönlands. Zunächst sorgte die viele Sonne für eine ordentliche Erwärmung und damit schmolz das Eis. Wie man sich denken kann, bringt hoher Luftdruck meist keinen Niederschlag, also gab es auch keinen Schneenachschub von oben.

Ein dunklerer Anblick

Neuschnee füllt das fehlende Eis nach und nach wieder auf. Dort wo das Eis und der Schnee aber abschmilzt kommt oftmals der dunkle felsige Untergrund Grönlands zum Vorschein. Diese dunklen Flächen haben im vergangenen Sommer sehr stark zugenommen. Und das wiederum löst eine für das Eis sehr gefährliche Reaktion aus.

Genauso wie ein schwarzes Auto im Sonnenschein heißer wird als ein weißes Auto. Die ungewöhnlich dunkle Oberfläche Grönlands absorbierte noch mehr von der reichlichen Sonne und verursachte noch mehr Eisschmelze. Wenn mehr Eis schmilzt, werden natürlich mehr dunkle Steine freigelegt, wodurch immer mehr Schmelzen entsteht. Da hat sich ein richtiger Kreislauf gebildet, der die Eisschmelze ordentlich angetrieben hat.

Diese besondere Effekt hat maßgeblich dazu beigetragen, dass Grönland in 2019 so viel seiner Eisfläche verloren hat. Eine Art Kettenreaktion hat die Eisschmelze immer schneller werden lassen. Mehr dunkle Flächen wurden freigesetzt, mehr Eis ist weiter abgeschmolzen.

Eine aktuelle Studie schätzt, dass sich die Eisdecke im Jahr 2019 um 320 Milliarden Tonnen verringert hat. Dies ist wahrscheinlich sogar mehr als der vorherige Rekord von 310 Milliarden Tonnen, obwohl die Zahlen eine Unsicherheit von 10% aufweisen.