Weltraumspiegel könnten den Vollmond in den Schatten stellen, und die Wissenschaft ist alarmiert

Reflect Orbital hat sich zum Ziel gesetzt, Sonnenlicht mithilfe von Satelliten- und bodengestützter Technologie nach Bedarf einzufangen. Eine neue Preprint-Studie legt nahe, dass die satellitengestützten Spiegel den Nachthimmel deutlich stärker erhellen könnten als beabsichtigt.

Reflect Orbital hofft, in Zukunft „Sonnenlicht auf Abruf“ verkaufen zu können und zahlenden Kunden nach Sonnenuntergang und vor Sonnenaufgang Solarstrom zu liefern. Das Konzept basiert auf einer Konstellation von Satelliten, die mit Spiegeln ausgestattet sind.
Reflect Orbital hofft, in Zukunft „Sonnenlicht auf Abruf“ verkaufen zu können und zahlenden Kunden nach Sonnenuntergang und vor Sonnenaufgang Solarstrom zu liefern. Das Konzept basiert auf einer Konstellation von Satelliten, die mit Spiegeln ausgestattet sind.


Was wäre, wenn der Nachthimmel immer im Mondlicht erstrahlen würde? Reflect Orbital, ein Technologie-Start-up aus Kalifornien, hat von der Federal Communications Commission (FCC) die Genehmigung erhalten, einen Prototyp-Satelliten zu starten, der auf Abruf Sonnenstrahlung auf die Erde strahlen soll. Die Lösung basiert auf einer Konstellation von Satelliten in der Umlaufbahn, die mit riesigen Spiegeln ausgestattet sind, um das Sonnenlicht auf riesige Solarpaneele auf der Erde zu reflektieren.

Reflect Orbital hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2035 ein Netzwerk aus bis zu 50.000 mit Spiegeln ausgestatteten Satelliten zu starten, um die Sonneneinstrahlung besser zu nutzen und die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu verringern.

„Das Problem ist, dass Solarenergie nicht dann zur Verfügung steht, wenn wir sie tatsächlich brauchen“, sagte Ben Nowack, CEO von Reflect Orbital, auf der Internationalen Konferenz über Energie aus dem Weltraum 2024 in London.

Das für 2026 geplante Testraumschiff „Earendil-1“ wird in der erdnahen Umlaufbahn einen Spiegel mit einer Größe von 59 Fuß (ca. 18 m) mal 59 Fuß (ca. 18 m) entfalten. Es wird einen etwa 3 Meilen (ca. 5 km) breiten Strahl reflektierten Sonnenlichts auf die Erdoberfläche richten. Reflect Orbital vergleicht die Zunahme der nächtlichen Sonnenstrahlung mit einem „sanften, mondähnlichen Schimmer“.

Der Gegenwind: Forschung und Umweltbedenken

Die im Juli erteilte Genehmigung der FCC für Orbital zum Start von Earendil-1 stieß bei Astronomen und Naturschützern auf heftige Kritik. Die American Astronomical Society (AAS) richtete ein Schreiben an die FCC, in dem sie sich gegen die Erteilung der Genehmigung aussprach.


Die AAS führte Bedenken hinsichtlich einer zunehmenden Lichtverschmutzung, der Gefahr von Augenschäden für Amateurastronomen und der Ablenkung von Piloten an. Sie wies zudem darauf hin, dass staatlich finanzierte Observatorien möglicherweise staatliche Ressourcen verschwenden würden, sollten diese Teleskope aufgrund zunehmender Lichtverschmutzung unbrauchbar werden.

Manche Menschen möchten vielleicht die Nacht in den Tag verwandeln, andere von uns jedoch nicht. – Stacy McGaugh, Vorsitzende des Fachbereichs Astronomie an der Case Western Reserve University

Auch Wildtierexperten äußerten Bedenken. DarkSky International, das sich ebenfalls gegen den Antrag bei der FCC ausspricht, warnte davor, dass künstliches Licht einen starken neuen Stressfaktor für nachtaktive Ökosysteme darstellen könnte. Frühere Untersuchungen haben gezeigt, dass bereits geringe Mengen an künstlichem Licht in der Nacht die Orientierungs-, Wanderungs-, Fress- und Fortpflanzungsmuster von Hunderten von Arten stören.

Neue Studie stellt eine Helligkeit fest, die der eines Vollmonds gleicht

Der neue Artikel, der derzeit auf arXiv (einem frei zugänglichen Preprint-Archiv für wissenschaftliche Arbeiten) veröffentlicht ist, beschreibt eine Studie, die gemeinsam von der Slowakischen Akademie der Wissenschaften und dem Institut für Astrophysik der Princeton University durchgeführt wurde. In der Studie wurde die Helligkeit des Himmels für Beobachter sowohl innerhalb als auch außerhalb des beleuchteten Bereichs modelliert.

Vorläufige Ergebnisse vergleichen die Helligkeit mit der eines Vollmonds. Und da sich die Satelliten schnell über uns bewegen, kommt die Studie zu dem Schluss, dass für eine konstante Ausleuchtung eine Konstellation aus Tausenden von Satelliten erforderlich wäre. Es ist anzumerken, dass die Studie noch keiner umfassenden Begutachtung durch Fachkollegen unterzogen wurde.