Statistikprofessor ist sich sicher: In diesem Land wird in 90 Jahren Deutsch gesprochen
Eine ungewöhnliche Prognose sorgt für Aufsehen: In Bolivien könnte eine deutschsprachige Mennoniten-Gemeinschaft innerhalb von 90 Jahren auf rund fünf Millionen Menschen anwachsen. Was dahinter steckt!

Wird Bolivien in Zukunft immer deutscher? Eine ungewöhnliche Modellrechnung des Ökonomen und Statistikprofessors Jesús Fernández-Villaverde von der University of Pennsylvania sorgt auf der Plattform X für Aufsehen. Der 54-Jährige kommt zu einem bemerkenswerten Ergebnis: Eine kleine Gemeinschaft mit deutschen Sprachwurzeln könnte innerhalb von rund 90 Jahren zur Bevölkerungsmehrheit des südamerikanischen Landes werden.
Der entscheidende Faktor ist die Geburtenrate. Während eine Frau in Bolivien durchschnittlich 1,56 Kinder bekommt, liegt der Wert bei den Mennoniten nach den von Fernández-Villaverde ausgewerteten Daten bei etwa sieben Kindern pro Frau.
Dieser Unterschied könnte die Bevölkerungsentwicklung langfristig erheblich verändern. Während die Gesamtbevölkerung Boliviens nach der Einschätzung des Professors auf absehbare Zeit schrumpfen könnte, wächst die mennonitische Gemeinschaft weiter. Setzt sich dieser Trend fort, könnte ihre Zahl von heute rund 150.000 auf etwa fünf Millionen Menschen im Jahr 2116 steigen.
Schon heute leben mehr Mennoniten in Bolivien
Wie stark die Gemeinschaft gewachsen ist, zeigt der Blick auf die vergangenen Jahrzehnte. 1986 lebten in Bolivien erst rund 17.500 Mennoniten, heute sind es bereits etwa 150.000.
Viele von ihnen sprechen Plautdietsch, eine niederdeutsche Sprachvariante mit deutschen Wurzeln. Die Mennoniten gehören einer christlichen Glaubensgemeinschaft an, die sich im Zuge der Reformation im 16. Jahrhundert herausbildete. Wegen ihrer religiösen Überzeugungen wurden ihre Angehörigen damals verfolgt.
Über Russland und Kanada gelangten Mennoniten schließlich nach Südamerika. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts leben sie auch in Bolivien. Viele Gemeinschaften pflegen einen engen Zusammenhalt und halten an traditionellen Lebensweisen fest. Die hohe Geburtenrate trägt dazu bei, dass ihre Bevölkerungszahl deutlich zunimmt.
Warum der Trend mit Vorsicht zu betrachten ist
So spektakulär die Zahlen klingen: Eine sichere Vorhersage ist die Modellrechnung nicht. Fernández-Villaverde selbst warnt davor, den heutigen Trend einfach bis ins Jahr 2116 fortzuschreiben.
Denn die Geburtenrate könnte sich verändern. Wenn Mennoniten künftig weniger Kinder bekommen, würde ihr Wachstum langsamer ausfallen und der Abstand zur übrigen Bevölkerung schrumpfen.

Hinzu kommt ein weiterer Unsicherheitsfaktor: Nicht alle Mitglieder müssen dauerhaft Teil der religiösen Gemeinschaft bleiben. Fernández-Villaverde weist darauf hin, dass Mennoniten ihre Gemeinschaft verlassen und sich stärker in die überwiegend spanischsprachige Bevölkerung Boliviens integrieren könnten.Damit ist auch offen, ob Plautdietsch oder andere deutsche Sprachvarianten künftig tatsächlich eine größere Rolle im Land spielen werden.
Die Prognose zeigt vor allem, welchen Einfluss unterschiedliche Geburtenraten über viele Jahrzehnte haben können. Ob die Mennoniten in Bolivien tatsächlich einmal die Mehrheit stellen, bleibt jedoch ungewiss. Die fünf Millionen Menschen im Jahr 2116 sind ein mögliches Szenario – keine feststehende Zukunft.
Artikelreferenz
Bild.de. (2026). In diesem Land wird in 90 Jahren Deutsch gesprochen!.